Der Chip im Ball unterstützt den Schiedsrichter Tor oder kein Tor? GoalRef liefert die Antwort!

Sobald der Ball die Torlinie überquert, wird dies durch kleinste Veränderung des magnetischen Feldes detektiert. Die Information »Tor« wird über verschlüsselte Funksignale in Echtzeit an die Schiedsrichter übermittelt und auf ihren Uhren angezeigt.

Tor oder kein Tor? Bei der Antwort auf diese Frage will die FIFA künftig auf Technikunterstützung setzen. Das für Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) will die Torlinientechnologien GoalRef des Fraunhofer IIS und bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft und beim Confederations Cup einsetzen.

Sind diese Feldversuche erfolgreich, wird die FIFA grünes Licht für den breiten Einsatz von Torlinientechnik geben.

Ein erzieltes Tor ist gültig, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Torpfosten und unterhalb der Querlatte in vollem Umfang überquert, sofern das Team, das den Treffer erzielt hat, zuvor nicht gegen die Spielregeln verstoßen hat“, heißt es in Regel 10 des FIFA-Regelwerks. Doch genau das lässt sich viel zu oft nicht eindeutig erkennen – und Fehlentscheidungen haben häufig schwerwiegende Konsequenzen für den betroffenen Verein und die Reputation des Schiedsrichters.

Hier kann GoalRef helfen, ein niederfrequentes magnetfeldbasiertes Funksystem. Es erkennt genau, ob der Ball in vollem Umfang hinter der Torlinie ist oder nicht. Das GoalRef-System erzeugt schwach magnetische Felder um das Tor und funktioniert vergleichsweise wie eine »Funk-Lichtschranke«. Sobald der Ball die Torlinie überquert, wird dies durch kleinste Veränderung des magnetischen Feldes detektiert. Die Information »Tor« wird über verschlüsselte Funksignale in Echtzeit an die Schiedsrichter übermittelt und auf ihren Uhren angezeigt. Die in einen Ball des dänischen Herstellers Select integrierte Elektronik ist sehr klein und kompakt. Es können aber auch offizielle Spielbälle anderer Hersteller mit GoalRef-Technik ausgerüstet werden.

»Man kann sich GoalRef als einen unsichtbaren Vorhang vorstellen, der hinter Querlatte und Torlinie gespannt ist. Sobald der Ball diesen ‚Vorhang‘ komplett passiert, wird ein Tor erkannt«, sagt Ingmar Bretz, Projektleiter von GoalRef. Diese Information sendet das System automatisch über verschlüsselte Funksignale in Echtzeit an die Schiedsrichter, deren Spezialarmbanduhren das Ereignis visuell und mittels Vibration anzeigen.

Die Fraunhofer IIS Technologie GoalRef wurde zusammen mit dem gleichnamigen dänischen Unternehmen entwickelt. Ziel ist es, die Entwicklung in Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Vermarktungspartner für die Sportwelt verfügbar zu machen. »Produkte, die auf der GoalRef-Technologie basieren, haben immenses Potential. Sie können im Fußball oder anderen Profiballsportarten sowie jeweils auch im Amateurbereich eingesetzt werden«, erläutert Bretz.

Nach einigen Fehlentscheidungen – unter anderem bei der bei der WM 2010 mit dem für England nicht gegebenen Tor im Spiel gegen Deutschland – hatte die FIFA den möglichen Einsatz von technischen Hilfsmitteln untersuchen lassen. Zunächst wurden acht Torlinientechnologie-Systeme im November und Dezember vergangenen Jahres im Auftrag des International Football Association Board getestet. Die Bewertungskriterien erstellte die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA). Auf der Basis dieses Kriterienkatalogs konnten sich nur zwei Verfahren für die nächste Testphase qualifizieren – darunter auch GoalRef vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Auch bei der EM 2012 gab es umstrittene Torentscheidungen - beispielsweise zu Ungunsten der Ukraine.

In der zweiten Prüfphase haben die unabhängigen Tester der EMPA im Labor, in Feldtests, im Training und bei Live-Profispielen die beiden Systeme auf Herz und Nieren geprüft. Insgesamt wurden jeweils mehrere tausend Torschüsse ausgewertet, um die Zuverlässigkeit zu beurteilen und zu prüfen, ob die Schiedsrichter auch sekundenschnell die Benachrichtigung erhalten. Diese umfangreichen Untersuchungen hat das System GoalRef erfolgreich bestanden.

»In den Tests und den Testspielen haben wir den Ball unseres langjährigen Entwicklungspartners, des dänischen Herstellers Select, verwendet«, erläutert René Dünkler. Peter Knap, CEO von Select und Derbystar: »Die Herausforderung war es, einen Ball zu entwickeln, der sogar einem Schuss von Ronaldo standhält und gleichzeitig mit dem intelligenten Tor kommuniziert.« Der iBall ist auch unter dem Namen Derbystar erhältlich. Zukünftig können Spielbälle weiterer Hersteller mit GoalRef-Technik ausgerüstet werden.

Das International Football Association Board (IFAB) hat nun entschieden die beiden Torlinientechnologien GoalRef und Hawk-Eye – eine kamerabasierte Lösung – final zu testen. Beide Systeme werden bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Japan 2012 und beim Confederations Cup 2013 in Brasilien evaluiert.