Neue ETSI-Gruppe Standardisierungsrahmen für Näherungsverfolgungssysteme

Neue ETSI-Gruppe entwickelt Standardisierungsrahmen für sichere Smartphone-basierte Näherungsverfolgungssysteme zur Unterbrechung von COVID-19-Übertragungsketten.
Neue ETSI-Gruppe entwickelt Standardisierungsrahmen für sichere Smartphone-basierte Näherungsverfolgungssysteme zur Unterbrechung von COVID-19-Übertragungsketten.

ETSI hat eine neue Industry Specification Group (ISG) ins Leben gerufen, um einen Standardisierungsrahmen bereitzustellen, der es Entwicklern ermöglicht, interoperable mobile Apps zur Näherungsdetektion und anonymen Identifizierung zu erstellen.

Die effektivste Strategie zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ist die Unterbrechung von Übertragungsketten durch eine Benachrichtigung der Personen, die in engem Kontakt mit Menschen gewesen sind, die positiv auf das Virus getestet wurden.

Eine der größten Herausforderungen liegt darin, Informationen über die Annäherung von Bürgern – potentiell mehrere zehn bzw. hundert Millionen Menschen – zu sammeln, zu verarbeiten und zu nutzen. Dieses Ziel muss unter dem Schutz vor eventuellen Cyber-Angriffen erreicht werden und ohne weder die Anonymität noch die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden.

Die neue ISG mit Namen »Europe for Privacy-Preserving Pandemic Protection« (ISG E4P) soll einen Standardisierungsrahmen schaffen, der die Entwicklung interoperabler Systeme zur automatischen Erkennung und Benachrichtigung potentiell infizierter Nutzer zusätzlich zu manuellen Meldungssystemen ermöglicht und dabei gleichzeitig, unter Einhaltung der entsprechenden Datenschutzverordnung, die Privatsphäre der Nutzer wahrt.

Ein solcher europaweiter Standardisierungsrahmen sollte sowohl die Entwicklung von mobilen Apps zur Unterbrechung von Übertragungsketten beschleunigen, als auch die Interoperabilität zwischen verschiedenen Näherungsverfolgungs- und Meldungssystemen ermöglichen.

»Smartphones sind ihrem Wesen nach sehr persönliche Geräte, die in der Regel eine große Menge an personenbezogenen Daten enthalten. Bei ETSI setzen wir uns dafür ein, eine internationale Entwicklungsgemeinschaft mit einem soliden Standardisierungsrahmen zu fördern, um schnelle, angemessene und zuverlässige Lösungen zu ermöglichen und dabei das Vertrauen der breiten Bevölkerung zu gewinnen«, erklärt ETSIs Generaldirektor Luis Jorge Romero.

Mit über 70 Prozent aller Europäer, die ein Smartphone besitzen, bietet diese weitverbreitete digitale Technologie eine gute Plattform, um Infektionsketten nachzuverfolgen. Die Nähe von zwei Smartphones kann über Bluetooth oder ähnliche Kommunikationstechnologien mit extrem geringem Energieverbrauch erkannt werden. Diese Messungen können in einem Meldungssystem kartiert werden, das Personen direkt benachrichtigt, wenn sie durch die Nähe von anderen, die bereits positiv auf das Virus getestet wurden, einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren.

Die Arbeit der neuen ETSI-E4P-Gruppe beachtet die Empfehlung der Europäischen Kommission für ein gemeinsames Instrumentarium der Union für den Einsatz von Technik und Daten zur Bekämpfung und Überwindung der COVID-19-Krise, insbesondere für Mobil-Apps und die Verwendung anonymisierter Mobilitätsdaten. Sie berücksichtigt ebenfalls die Mitteilung der Europäischen Kommission über Leitlinien zum Datenschutz bei Mobil-Apps zur Unterstützung der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. Ferner wird sie das Know-how von ETSI unter anderem in den Bereichen Netzsicherheit, E-Health und Notfallkommunikation wirksam einsetzen.

Die neue Gruppe vereint bereits über 10 Organisationen globaler Telekommunikationsbetreiber, Anbieter und Forschungszentren aus verschiedenen Tätigkeitssektoren. ETSI rechnet damit, dass die Gruppe in der nahen Zukunft um weitere wichtige Akteure erweitert wird.

Die Beteiligung an technischen Gremien von ETSI unterliegt normalerweise der Bedingung der Mitgliedschaft. Dennoch können Nicht-Mitglieder in den Industry Specification Groups wie E4P, in Partnerschaftsprojekten und in Open Source Groups an den Tätigkeiten von ETSI mitwirken.