Interview Software-Defined-Radio setzt neue Impulse für Multimedia im Auto

Mit Software-Defined Radio eröffnet sich ein neuer, revolutionärer Ansatz für Unterhaltungselektronik, Vernetzung und Multimedia im Auto. Microtune-CEO James A. Fontaine erläutert das Potenzial dieser Technologie für Automobil-Hersteller und Nutzer.

Markt&Technik: Microtune hat im Vorjahr rund ein Viertel seines Umsatzes gegenüber 2008 eingebüßt. Welche Erwartungen hegen Sie für das Jahr 2010?

James A Fontaine: Mit 74,6 Mio. Dollar haben wir im Vorjahr einen deutlich niedrigeren Umsatz erzielen können als 2008, als wir 103 Mio. Dollar erreicht haben. Der Abschwung hat alle Absatzsegmente und -märkte in etwa im gleichen Umfang betroffen. Ein Unterschied besteht nur insofern, als wir im Kabel-Geschäft, das Cable-TV, -Modems und -Set-Top- Boxen umfasst, seit Beginn des 3. Quartals eine Erholung des Marktes beobachten konnten. Der Kabel- Bereich macht etwa 65 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Im Gegensatz dazu haben wir im Automotive-Bereich über das gesamte Jahr hin einen Umsatzeinbruch von 25 bis 30 Prozent verzeichnet. Für das erste Quartal 2010 zeichnet sich nun für das Gesamtproduktspektrum unseres Unternehmens ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich ab.

Nach den Produktionsanpassungen des letzten Jahres haben derzeit einige Halbleiterhersteller Probleme, ihre Produktion rechtzeitig in ausreichendem Maße wieder hochzufahren. Kämpft Microtune mit ähnlichen Problemen?

Nein, wir haben absolut keine Lieferprobleme. Wir nutzen unter anderem IBM und Tower Semiconductor als Foundries, aber auch andere Unternehmen. Dass ist aber nicht der einzige Grund, warum wir nun schnell aus der Krise herauskommen. Wir haben, basierend auf Markterfahrungen, zu einem gewissen Teil über die Bedarfsanmeldungen unserer Kunden hinaus produziert, das verschafft uns nun ein hohes Maß an Lieferfähigkeit. Gleichzeitig sind wir in der Lage, die Produktionszahlen zügig wieder der gestiegenen Marktnachfrage anpassen zu können. Wir wurden vor kurzem mit dem »Cisco Supplier- Award of the Year« ausgezeichnet. Eine solche Auszeichnung erhalten Sie nicht, wenn Sie Probleme mit der Supply-Chain haben!

Speziell der Automotive-Markt war ja weltweit von drastischen Bedarfseinbrüchen gekennzeichnet, die bereits im 4. Quartal 2008 begannen. Bis wann rechnen Sie mit einer Erholung dieses Marktsegments?

Wir gehen nicht davon aus, dass in diesem Jahr der Aufschwung dort bereits massiv einsetzt. Wir erwarten eine deutliche Steigerung der Nachfrage wieder für die Jahre 2011 und 2012. Diese Erwartung spiegelt auch die langen Design-in-Zeiten im Automotive- Bereich wider. Nachdem Ende 2008, Anfang 2009 auch in den Entwicklungsabteilungen der Automotive- Hersteller vieles reduziert wurde, kommt es nun eben zu einem gewissen Zeitversatz, speziell was neue Projekte betrifft.

 

Mit dem MicroDigitzer MT-3511RF, einem Single-Chip, der die Funktion eines Tuners und eine A/D-Wandlers verbindet, haben Sie zum Jahreswechsel eine Schlüsselkomponente für zukünftige Software-Defined- Radio-Plattformen vorgestellt. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz Ihren Kunden?

Bisher wurden im Automotive- Markt Produkte entwickelt, die sich über einen Zeitraum von fünf oder sieben Jahren nicht veränderten. Das gilt auch für den Bereich Autoradio oder Infotainment. Mit Software-Defined Radio bietet sich Automobilherstellern, aber auch ihren Tier-Ones, nun die Möglichkeit, ihre Produkte draußen im Feld zu modifizieren. Consumer-Applikationen wie der iPod oder das iPhone haben die Nutzer daran gewöhnt, dass er die angebotenen Geräteeigenschaften auch modifizieren kann und neue Applikationen hinzufügen kann. Software-Defined Radio bietet den Automobilherstellern damit die Möglichkeit für einen ganz neuen Ansatz, betreffend Unterhaltungselektronik, Vernetzung und Multimedia im Auto.