Samsung adressiert bei Smartcard-ICs alle Applikations-Bereiche »SIM-Karten sind der Schlüssel für NFC«

Jörg Suchy, Samsung: »Es gibt keinen Smartcard-IC-Bereich, den wir nicht abdecken.«
Jörg Suchy, Samsung: »Nicht nur die Produktflexibilität ist für Samsung wichtig, wir setzen ausschließlich auf offene Standards.«

Im Segment der Smartcard-ICs fokussiert die koreanische Samsung zwar auf SIM-Karten, »doch es gibt keinen Bereich, in dem nicht auch eines unserer Smartcard-ICs im Einsatz ist«, betont Jörg Suchy, Senior Manager Strategic Business Development EMEA für Chipkarten und NFC bei Samsung Semiconductor Europe. Bei SIM-Karten wolle man die führende Position auch künftig behaupten, zumal sie der »Schlüssel für Near Field Communication sind«, um bei NFC-Applikationen die notwendige Sicherheit bereitzustellen.

Markt&Technik: 2010 lag Samsung laut IMS Research bei Smartcard-ICs weltweit hinter Infineon (27 Prozent) zusammen mit NXP auf Rang 2 (je 21 Prozent). Wie lauten angesichts dieser Rangefolge die Ziele?

Jörg Suchy: Samsung ist weltweit vor allen Wettbewerben positioniert, wenn es um Liefermengen geht. Seit Jahren führen wir das Feld für SIM-Karten an. Dieses Ziel verfolgen wir auch für die Zukunft.

SIM-Karten machen derzeit das umsatzstärkste Segment aus, laut IMS entfallen darauf nicht ganz 50 Prozent des weltweiten Smartcard-IC-Umsatzes. Sind SIM-Karten für Samsung das wichtigste Segment, und wie sieht es mit den anderen Bereichen wie Banking und E-Government aus?

SIM-Karten sind und bleiben ein wichtiger Bestandteil, denn für uns stellen SIM-Karten den Schlüssel für zukünftige Applikationen dar. Besonders die NFC-Technologie wird SIM-Karten für die notwendige Sicherheit der Applikationen benötigen. Weil wir unseren Kunden eine komplette Produktpalette anbieten, sind wir aus diesem Grund seit Jahren in allen Smartcard-Bereichen etabliert. Es gibt keinen Bereich, in dem nicht auch einer unserer Smartcard-ICs im Einsatz ist.

IMS Research listet für 2010 insgesamt 6,5 Mrd. Smartcard-Chips auf, allein für SIM-Karten knapp 4,2 Mrd. Einheiten, was doch zu hoch gegriffen scheint...

Es gibt regionale Märkte, in denen der Nutzer bis zu drei SIM-Karten besitzt und auch nutzt. Spezielle Handys wurden für diese Märkte entwickelt, damit der Nutzer von einer SIM-Karte zur andern wechseln kann.

Gerade bei Banking und vor allem E-Government wird Sicherheit groß geschrieben, denn die Chips müssen auf lange Sicht diversen Angriffsszenarien standhalten. Infineon preist seine komplette Verschlüsselung des Datenpfads an, NXP hält mit diversen Sicherheitskonzepten dagegen: Hat auch Samsung die dafür nötige Lösung?

Alle unsere Produkte werden der EMVco- und der Common-Criteria-Zertifizierung für EAL5+ high unterzogen. Demzufolge erfüllen wir die Sicherheitsstandards der Industrie. Vor allem im Banking- und E-Government-Bereich setzen wir auf unsere eigene CPU-Entwicklung, um ein noch höheres Sicherheitsmaß zu erreichen.

Welche grundsätzlichen technischen Trends bei Smartcard-ICs lassen sich in puncto Performance beobachten?

Im Bereich der SIM-Karten setzen wir auf die Flash-Technologie, der Speicherbedarf erstreckt sich dabei von 80 KByte bis hin zu 1,3 MByte. Banking- und E-Government-Produkte unterstützen wir mit EEPROM-basierenden Produkten, deren Speicherkapazität von 4 bis hin zu 144 KByte reicht.

In puncto Interface: Geht der Trend klar zum Dual-Interface, also kontatklos und kontaktbehaftet?

Bei SIM-Karten sehen wir ein stetiges Wachstum des Bedarfs, und das ist auch ein Zeichen für die Verbreitung des SWP-Interfaces (Single-Wire-Protocol) für die NFC-Funktionalität. In den Bereichen Banking, E-Government und Transport steigen die Zahlen für die kontaktlose Technologie.

Worin unterscheidet sich denn Samsungs Strategie bei SIM-Karten- bzw. bei Smartcard-ICs im Vergleich mit den Wettbewerbern?

Wir setzen auf die Flexibilität von Produkten und Lösungen. Für SIM-Karten wird Flashtechnologie genutzt, und die Produkte sind universell einsetzbar dank der umfangreichen Zertifizierung (EMVco und CC EAL5+ high). Wir geben den Kunden die Möglichkeit, unsere Produkte als Standard-SIM-Karte, aber auch als Secure Element in NFC-Telefonen zu nutzen. Diese Flexibilitätmerkmale beinhaltet auch unser Secu-NFC-Chip, bei dem unser SIM-Karten-IC mit 760 KByte Flash zusammen mit dem NFC-IC in einem Gehäuse untergebracht ist. Somit können die Kunden auch hier ihre Entwicklungen für den 760-KByte-Baustein erneut verwenden. Doch nicht nur die Produktflexibilität ist für uns wichtig, wir setzen ausschließlich auf offene Standards, die in allen unseren Zielsegmenten verwendet werden können. Aus diesem Grund ist Samsung der OSPT-Alliance beigetreten, um dazu beizutragen, den derzeit proprietär dominierten Transportmarkt zu öffnen.

Seit wann fertigt Samsung denn NFC-ICs?

Wir haben 2010 den ersten NFC-Chip in den Massenproduktionsstatus gebracht. Dieser Baustein kann über SWP und andere gängige Schnittstellen mit Secure Element und NFC-Handy kommunizieren. Auch hier setzen wir auf Standards und erfüllen die Standards von NFC-Forum, ETSI und ISO. 2011 haben wir unser Produkt als Secu-NFC etabliert, der gemäß EMVco und Common Criteria EAL5+ high zertifiziert ist. Unsere NFC-Bausteine können für alle gängigen Mobiltelefon-Betriebssysteme eingesetzt werden.

Samsung ist inzwischen auch ein großer Hersteller von Smartphones, in die derzeit NFC als diskreter Baustein implementiert wird. Erwarten Sie, dass möglicherweise die Funktion des noch diskreten NFC-Chips in den RF-Chip integriert werden wird und somit zumindest in Handys diskrete NFC-ICs obsolet werden könnten?

Es ist zu erwarten, dass sich die NFC-Technologie über die Jahre weiterentwickeln wird. Unserer Ansicht nach wäre es aber vermessen, bereits heute über das Ende des diskreten NFC-ICs zu sprechen. Der Grund: Smartphones stellen nicht den einzigen Markt für NFC-ICs dar, zudem benötigen andere Märkte auch nicht die gleiche Tiefenintegration wie ein Smartphone.

NXP (als NFC-Erfinder zusammen mit Sony) ist im NFC-Segement sehr aktiv, vor einem Jahr etwa hat Maxim ebenfalls erste Produkte vorgestellt. Wo sieht sich Samsung im Reigen der Mitbewerber?

Wir sind bereits heute einer der wichtigsten Lieferanten für dieses Marktsegment. Wegen unser führenden Position für SIM-Karten arbeiten wir seit Jahren mit unseren Kunden eng zusammen, um die NFC-Technologie zu etablieren. Wir setzen ausnahmslos auf eigene Produktionsstätten, und hierin sehen wir einen großen Marktvorteil. Wir werden auch in den kommenden Jahren in Fabriken investieren, um der steigenden Nachfrage nach Smartcard- und NFC-Chips gerecht zu werden. Der Mix aus Technologie, Produktionskapazitäten, Marktführerschaft für SIM-Karten und Unterstützung von offenen Standards für den Transportmarkt wird uns zu einem der wichtigsten Lieferanten für NFC-Produkte machen.

Welche Applikation wird Ihrer Ansicht nach NFC puschen?

Applikationen rund um das Smartphone werden den NFC-Markt an Anfang vorantreiben. Hier werden auch nach unserer Einschätzung mobile Payment/Micropayments, Loyalty und Ticketing die Kernapplikationen darstellen. Jedoch beinhaltet unserer Meinung nach auch das Segment ’Social Networking’ großes Potential. Abseits der Smartphones sehen wir Entwicklungen in der Automobilindustrie, Consumerelektronik, Medizintechnologie und Mestechnik, die ihrerseits das NFC-Segment sehr interessant gestalten. Der Markt befindet sich aktuell in der Findungsphase. Wir gehen davon aus, dass künftig auch Applikationen für NFC entstehen werden, von denen der Markt heute noch nicht spricht.