Entwicklungen bei Schnittstellen und Bus-Systemen Mehr Tempo, aber auch mehr Nutzen?

Thunderbolt bietet PCI Express und DisplayPort über ein Kabel.
Thunderbolt bietet PCI Express und DisplayPort über ein Kabel.

Ein Zuwachs beim Datendurchsatz bedeutet noch lange nicht, dass der Anwender davon auch einen echten Nutzen hat - der Umgang mit einigen Schnittstellen scheint mittlerweile eher dem Protektionismus zu dienen.

Der »SuperSpeed«-USB-Standard (USB 3.0) bietet eine sehr hohe Übertragungsrate von bis zu 5 GBit/s und hat für viele eine glänzende Zukunftsperspektive. So erwarten die Marktforscher von In-Stat, dass im Jahr 2014 über eine Milliarde Geräte mit USB 3.0 ausgeliefert werden. Zum Vergleich: 2011 lag die Stückzahl bei 70 Millionen. Für In-Stat wird diese Entwicklung durch die Consumer-Elektronik getrieben, deren Geräte zum Teil einen signifikanten Anstieg der Übertragungsbandbreite benötigen. Mit der Rückwärtskompatibilität zu den praktisch allgegenwärtigen USB-Versionen 2.0 und 1.0 fügt sich SuperSpeed entsprechend gut in diese installierte Basis ein. »Natürlich wird der zehnfache Datendurchsatz von SuperSpeed- gegenüber High-Speed-USB nicht von jedem Gerät benötigt. Die Implementation wird daher anfänglich nicht ganz so breit sein wie die für Full- und High-Speed-USB«, erklärt Brian O‘Rourke, Research Director von In-Stat. »In den Bereichen, die die Transferraten tatsächlich benötigen, wird die anfängliche Marktdurchdringung jedoch erheblich sein. Dieser Prozess läuft bereits - die Zertifizierung von Intel ist ein Beleg dafür«.

Den Glauben an eine Zertifizierung von Intel hatten etliche Marktbeobachter bereits verloren, weil es eine zu lange Vorgeschichte gab: Bereits Mitte September 2007 demonstriert Pat Gelsinger, damals CTO von Intel, erstmals USB 3.0 auf dem Intel Developer Forum. Die offizielle Standardisierung gibt die USB 3.0 Promoter Group allerdings erst Mitte November 2008 bekannt und übergibt die weitere Entwicklung an das USB Implementers Forum (USB-IF). Mitte Mai 2009 stellt NEC Electronics dann mit dem µPD720200 den ersten USB-3.0-Host-Controller vor, beginnt bald mit der Auslieferung und wird so zur Referenz der Branche. Die zieht dann Anbieter für Anbieter nach - Intel jedoch nicht. Im Frühjahr 2011 erklärt dann Kirk Skaugen, Vice President und General Manager, Data Center Group von Intel, dass 2012 die Auslieferung von USB 3.0 mit Intels Chipsätzen erfolgen wird.

Diese Nachricht hörten viele, doch etlichen mangelte der Glaube. Umso überraschender als unlängst das USB Implementers Forum meldete, dass die kommende Intel-Chipsatz-Serie 7 und die Intel-C216-Chipsatz-Familie die SuperSpeed-USB-Zertifizierung erhalten haben. Zu der zertifizierten Lösung gehören vier in den Chipsatz integrierte SuperSpeed-USB-Ports. »Die Tatsache, dass Intel SuperSpeed-USB in den neuen Core-Logic-Chipsatz einbaut, ist sehr wichtig, weil es kostenbewussten PC-OEMs die Möglichkeit bietet, die Technologie in einem wettbewerbsfähigen Preissegment anzubieten«, kommentiert O’Rourke. Mit der Markteinführung der Chipsätze ist im Frühjahr dieses Jahres relativ sicher zu rechnen, weil speziell die 7er-Chipsatzserie für die kommenden Ivy-Bridge-CPUs konzipiert ist.

Während Intel seine ersten USB-3.0-Chips vorbereitet, sind andere Anbieter bereits dabei, ihre zweite bzw. dritte Bausteingeneration zu starten. Um sich dabei vom Wettbewerb zu differenzieren, werden auch schon mal proprietäre Techniken genutzt. VIA Labs beschreitet beispielsweise mit »USB2Expressway« eigene Pfade, um die Performance-Vorsprünge von USB 3.0 besser den vorhandenen USB-2.0-Geräten zur Verfügung zu stellen:
USB 2.0 bietet einen realen Datendurchsatz von 30 bis 40 MByte/s, den sich die angeschlossenen Geräte auch noch teilen müssen. Mit USB2Expressway kann nun jedes USB-2.0-Geräte die volle Bandbreite für sich in Anspruch nehmen und so einen USB-3.0-Hub besser auslasten. »Selbst beim Dateikopieren zwischen zwei USB-2.0-Laufwerken kann USB2Expressway die Übertragungszeit auf ein Fünftel reduzieren«, betont Terrance Shih, Produkt Manager von VIA Labs, »wir unterstützen dazu das simultane Lesen und Schreiben von Daten - das bläst neues Leben in die bestehen USB-Geräte ein.«