Nachbesserung mit Problemen Kritik an Vectoring-Regulierung

Durch die „Vectoring“-Technik lassen sich die Übertragungsraten, wie hier im Downstream, für VDSL2-Verbindungen deutlich erhöhen. (Bild: Lantiq)

Auch der zweite Entwurf der Bundesnetzagentur zur Regulierung der VDSL2-Technik „Vectoring“ stößt bei Industrieverbänden auf deutliche Kritik und Forderungen nach eingehenden Prüfungsverfahren.

Eigentlich ist Vectoring eine gute technische Idee: Durch geschickte Kanalkodierung soll die Vectoring-Technik das Übersprechen zwischen Leitungspaaren reduzieren und so mehr Bandbreite für VDSL2-Übertragungen über bestehende Kupferkabel schaffen. Dazu müssen, auf dem „letzten Kilometer“, der DSL-Zugangsmultiplexer (DSLAM) und das Kundenmodem diese Technik beherrschen. Dann sind Übertragungsraten von über 100 MBit/s im Downstream und 40 MBit/s im Upstream für sehr viele bestehende Kupferkabelstrecken möglich. Seit geraumer Zeit sind auch schon die entsprechenden Halbleiter und Baugruppen erhältlich und installiert. Für „G.fast“, den Nachfolgestandard von VDSL2, ist die Vectoring-Technik ebenfalls von zentraler Bedeutung.

Da die rund 8000 DSLAMs fest in der Hand der Deutschen Telekom sind und den anderen Anbietern von dort aus der Zugriff auf die Teilnehmeranschlussleitungen verwehrt ist, befürchtete die EU-Kommission – unterstützt von Wirtschaftsverbänden und Teilen der Politik - bereits beim ersten Entwurf der Bundesnetzagentur eine Verzerrung des Wettbewerbs. Es kam daher zu einer Nachbesserung mit einem zweiten Entwurf, der nun ebenfalls in der Kritik steht.

»Der „neue“ Entwurf bedeutet keine Verbesserung, sondern dürfte in vielen Fällen sogar zu einer weiteren erheblichen Verschlechterung der Situation führen. Das betrifft auch die Vorleistungsprodukte, die dringend marktgerecht ausgestaltet werden müssen, da nur so der Wettbewerb aufrechterhalten werden kann. Auch mit dem zweiten Entscheidungsentwurf erhalten die Investoren nicht die von der Bundesnetzagentur versprochene Planungssicherheit«, erklären die Verbands-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers (BREKO), Jürgen Grützner (VATM) und Wolfgang Heer (BUGLAS): »Wir machen uns Sorgen um den Standort Deutschland. Ohne Gigabit-Netze, die schon jetzt geplant und schnellstmöglich ausgerollt werden müssen, können wir mit anderen Industrienationen auf Dauer nicht Schritt halten. Wir gehen davon aus, dass die EU-Kommission in jedem Fall auch hinsichtlich der vorgenommenen Veränderungen eine genauere Überprüfung einleitet.« Dafür gebe es gleich mehrere Gründe:

»So sind die zwischenzeitlich bekannt gewordenen Bedenken des europäischen Regulierergremiums BEREC definitiv in keiner Weise ausgeräumt worden. Ebenso blieben die im laufenden Verfahren geäußerten deutlichen Kritikpunkte von Bundeskartellamt und Monopolkommission nahezu unberücksichtigt - im Gegenteil, es kann aufgrund der neuen Regelungen sogar zu einer weiteren Reduzierung der Ausbaumöglichkeiten für die Wettbewerber kommen«, erläutern Dr. Albers, Grützner und Heer. Diesbezügliche Anfragen aus dem Kreis des BNetzA-Beirats an die Bundesnetzagentur laufen derzeit. Zudem wurden die Marktteilnehmer erst nach der Notifizierung von der BNetzA zur Stellungnahme aufgefordert. Die Einbeziehung der Stellungnahmen und der Bewertung durch die Bundesnetzagentur sollten in jedem Falle von der EU-Kommission geprüft und berücksichtigt werden können.

Letztere hat sich zwischenzeitlich entschieden und ist der Meinung, dass der nachgebesserte Plan den erforderlichen Wettbewerbsschutz enthält, den sie gefordert hatte, um für einen Ausgleich zwischen der Verbesserung der Netzleistung und einem fortgesetzten wirksamen Wettbewerb durch alternative Anbieter zu sorgen, die beide gleichermaßen den Internetznutzern zugutekommen.

Die EU-Kommission hat die Bundesnetzagentur jedoch auch darauf hingewiesen, dass sie die Bedingungen verbessern muss, zu denen andere Anbieter auf dem modernisierten, mit Vectoring-Technologie ausgestatteten Netz der Deutschen Telekom den Zugang zum Internet bereitstellen können. So muss die deutsche Regulierungsbehörde der Kommission zusätzlich detaillierte Pläne vorlegen, die die technischen Parameter und die Preise für das Produkt, das diesen Zugang ermöglicht, ausweisen. Diese Pläne sollen zum Herbstbeginn vorliegen und werden von der Kommission sorgfältig insbesondere hinsichtlich auf ihre Auswirkungen auf den Wettbewerb geprüft. Die Kommission wird diese Vorschläge vor dem Hintergrund ihrer früheren Leitlinien und der in ihrem heutigen Beschluss formulierten Erwartungen bewerten.