Apple kombiniert Der Weg aus der iPhone-Abhängigkeit

Apple kann die Rückgänge im iPhone-Geschäft zunehmend besser durch Zuwächse in anderen Bereichen ausgleichen.
Apple kann die Rückgänge im iPhone-Geschäft zunehmend besser durch Zuwächse in anderen Bereichen ausgleichen.

Mit einer Kombination aus Online-Diensten und neuen Produkten will Apple sich von der iPhone-Abhängigkeit befreien. Nebenbei erklärt der CEO die Lieferkette.

Die iPhone-Erlöse fielen im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 12 Prozent auf knapp 26 Mrd. Dollar. Apple gelang es aber dennoch, den Konzernumsatz um ein Prozent auf 53,8 Mrd. Dollar zu steigern.

Unterm Strich verdiente Apple in dem Ende Juni abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal gut 10 Mrd. Dollar, das war ein Rückgang von rund 13 Prozent im Jahresvergleich. Der Konzern schloss das Quartal mit Reserven von 211 Milliarden Dollar ab – obwohl allein in dem Vierteljahr 21 Milliarden Dollar an Anteilseigner gingen, vor allem durch Aktienrückkäufe.

Das iPhone bleibt immer noch das wichtigste Apple-Produkt. Aber sein Anteil am gesamten Geschäft fiel auf 48 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit vielen Jahren – es waren auch schon über 60 Prozent gewesen.

Services wachsen

Dagegen wuchs der Umsatz der Online-Dienste wie der Streaming-Service Apple Music, der Bezahldienst Apple Pay und iCloud-Speicherplatz auf Apples Servern von 10,2 im Vorjahr auf jetzt knapp 11,5 Mrd. Dollar. Apple hat inzwischen 420 Mio. Abo-Kunden. Demnächst kommen noch weitere Angebote wie das Spiele-Abo Apple Arcade und der Videostreaming-Dienst Apple TV+ dazu. In den USA wird im August eine Apple-Kreditkarte eingeführt.

Apple macht bisher sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Geräten, wodurch er sich zum Beispiel von Tech-Rivalen wie Facebook und Google abgrenzen kann, die sich durch Werbung finanzieren und dafür auf Nutzerdaten angewiesen sind. Bei Apple dienten Online-Angebote ursprünglich dazu, als Ergänzung die eigenen Geräte attraktiver zu machen. Jetzt sind sie aber ein eigenständiger wirtschaftlicher Faktor mit zunehmender Bedeutung. Es ist zum Beispiel finanziell lukrativ für Apple, wenn Nutzer viel Geld in Spiele-Apps ausgeben oder größere Mengen Online-Speicherplatz brauchen.

Geräte legen am meisten zu

Den größten Umsatzsprung gab es im vergangenen Quartal aber in der Sparte, in der das Geschäft mit der Apple Watch, den AirPods, den vernetzten HomePod-Lautsprechern sowie Zubehör zusammengefasst ist. Dort stiegen die Erlöse von 3,7 auf 5,5 Mrd. Dollar. Apple nennt keine Absatzzahlen für seine Geräte, bei der Watch war aber von Millionen neuen Nutzern die Rede – im vergangenen Quartal seien drei Viertel der verkauften Uhren an Erstkäufer gegangen. Bei den Mac-Computern legten die Erlöse von 5,3 auf 5,8 Mrd. Dollar zu und beim iPad von 4,6 auf gut 5 Mrd. Dollar.

17 Prozent plus ohne iPhone

Ohne iPhone wuchs das restliche Geschäft des Konzerns um 17 Prozent. Die iPhone-Umsätze sind schon seit mehreren Quartalen rückläufig nach schwächeren Verkäufen in China sowie einer Abkühlung des Smartphone-Marktes insgesamt. Zuletzt sei das iPhone-Geschäft aber wieder besser gelaufen, sagte CEO Tim Cook.

Umsatzerwartungen für laufendes Quartal höher als erwartet

Für das laufende Quartal stellte Apple einen Umsatz zwischen 61 und 64 Mrd. Dollar in Aussicht. Im Vorjahresquartal waren es 62,9 Mrd. Dollar gewesen. Auch angesichts dieser Prognose, die Erwartungen von Analysten übertraf, legte die Aktie im nachbörslichen Handel am Dienstag zeitweise um mehr als 4 Prozent zu.

Die Geheimnisse der Lieferkette

Apple wird laut Cook die neue Generation des Profi-Computers Mac Pro in den USA montieren. Das sei der Grund, warum der Konzern beantragt habe, chinesische Bauteile für das Gerät von den 25-prozentigen US-Strafzöllen auszunehmen. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche erklärt, der Konzern werde keine Befreiung von den Strafzöllen bei chinesischen Bauteilen bekommen. »Baut sie in den USA, keine Zölle«, twitterte Trump. Dennoch bleibe Apple dabei, seine Position gegenüber der Regierung zu erklären und hoffe auf eine Bewilligung des Freistellungsantrags, wie Cook erklärte.

Apple montiert das bisherige Mac-Pro-Modell seit 2013 in Texas. Nach der Vorstellung der neuen Generation im Juni hatten das »Wall Street Journal« und die »New York Times« geschrieben, die Endfertigung solle nach China verlegt werden. Cook sagte, die meisten Apple-Produkte würden gewissermaßen überall produziert, mit Beiträgen etwa aus den USA, Europa, Südkorea, Japan und China. »Das liegt in der Natur einer globalen Zuliefererkette.«