Kommentar Der olympische Hype und die Realität

5G wird kommen - aber wie und wann?

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea sollen zeigen, welche Revolution 5G bringt. Wie schnell die neue Technik wohl ins Alltagsleben Einzug hält?

Mit AR-Brillen können sich die Betrachter sogar in virtuelle Stadien versetzen lassen oder den Abfahrtslauf aus Sicht des Sportlers live miterleben. Neben dem koreanischen Telekommunikationsunternehmen TK bringen sich auch andere asiatische Anbieter in Stellung, vor allem auch in Hinblick auf die Sommerspiele in Tokio 2020. Denn diesmal will Asien ganz vorne mit dabei sein.

Aber auch die europäischen und US-Anbieter wollen sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. In der Öffentlichkeit herrscht denn auch Euphorie über 5G: Autonomes Fahren und Industrie 4.0 werden durch 5G erst möglich; die Konsumenten dürfen sich über die vielfältigen neuen Möglichkeiten fast unbegrenzter Bandbreiten freuen.

Die Euphorie steht in merkwürdigem Kontrast zu der Realität. Schon dass die Technik nicht ganz so revolutionär ausfallen wird wie gedacht, dafür aber schon früher Standards festgezurrt werden sollen, klingt eher ernüchternd. Noch seltsamer aber mutet an, dass sich die Provider und Netzbetreiber zurückhalten. Statt von den riesigen Möglichkeiten unbegrenzten Datenaustauschs zu schwärmen, äußern viele derzeit etwas kleinlaut die Befürchtung, dass es schlicht am Business-Case mangele.

Das klingt verzagt, aber realistisch. Denn Realität ist bisher, dass die Kunden allein für Bandbreiten kein Geld bezahlen wollen. Das zeigt der Preisverfall über die letzten Jahre. Die Kosten für die erforderlichen Geräte fielen langsamer, was keinen Betreiber freut. Warum sollten die Kunden im Zeitalter von 5G ihre Haltung plötzlich ändern? Die Telekomfirmen sehen offenbar selber in Ermangelung einer Killerapplikation keinen Grund.

Also sind sie vorsichtig: Wo fließen derzeit die 5G-Investitionen hin? Bauen die Netzbetreiber etwa fleißig die Infrastruktur aus, die erforderlich ist, um die Milliarden meist mobilen Dinge des IoT miteinander zu vernetzen? Zumeist beschränken sie sich auf den Ausbau fester Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen bestimmten Stationen. Und auf Regionen, wo tatsächlich für große Datenmengen bezahlt wird: In großen Städten (meist in Asien) oder ganz bestimmten industriellen Einsatzfeldern. Von hier aus kann dann die Evolution voranschreiten, wann auch immer.

Selbst die Anbieter abgespeckter Datenübertragungsversionen, etwa von Low-Power-Wide-Area-Networks (LoRa, NB-IoT, Sigfox) kämpfen darum, den Preis auf ein Niveau zu drücken, das IoT ermöglicht. Und wie Stream Technologies zeigt, gibt es weitere Alternativen. Das alles wäre aber fast das Gegenteil von dem, was ursprünglich mit dem mobilen 5G gemeint war.

Vielleicht können sich demnächst abergläubische Auguren bestätigt fühlen, die schon immer gewusst haben, dass sich „ungerade“ Telekommunikationsgenerationen eher verhalten entwickeln.