Kommentar Der 5G-Konflikt

Ingo Kuss, Chefredakteur Markt&Technik

Die Bedingungen für die Versteigerung der 5G-Frequenzen sind zum Zankapfel zwischen Netzbetreibern, großen Industrieunternehmen und der Politik geworden. Während in Deutschland noch diskutiert wird, haben andere Länder bereits Fakten geschaffen.

Die Erwartungen an die nächste Mobilfunkgeneration 5G sind ebenso hoch wie widersprüchlich. Für die Automobilindustrie etwa geht es vor allem um eine lückenlose Abdeckung der Verkehrswege. Darüber hinaus wollen Autohersteller wie BMW, Daimler oder VW eigene lokale 5G-Lizenzen nutzen, um die drahtlose Vernetzung ihrer Produktionsstandorte zu verbessern. Auch andere Industriekonzerne wie Siemens, ABB oder BASF haben Interesse an einer lokalen 5G-Lösung gezeigt.  

Die drei großen Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica wiederum befürchten, dass das „regionale Spektrum zu einer Hintertür für einen vierten Netzbetreiber werden könnte, der kaum investieren muss“, wie es Vodafones Deutschlandchef Hannes Ametsreiter formuliert. Zudem verringern sich durch lokale Netze die für die bundesweiten Bieter nutzbare Bandbreite und die Übertragungskapazität. Auch ein nationales Roaming, wie es etwa von United Internet als Hilfe für Neueinsteiger gefordert wird, lehnen die führenden Netzbetreiber ab, um ihre Investitionen zu schützen. 

Und dann gibt es natürlich auch noch die politische Ebene: Einerseits soll die Versteigerung der 5G-Lizenzen im nächsten Jahr einen möglichst hohen Betrag in die Staatskasse spülen – von rund 12 Milliarden Euro war einmal die Rede. Andererseits kommen aus den Reihen von CDU und CSU Forderungen nach einer Verschärfung der Vergaberegeln. Dort steht bislang eine Quote von mindestens 98 Prozent der deutschen Haushalte, die bis Ende 2022 mit einem 5G-Zugang versorgt sein müssen. Bundesinnenminister Horst Seehofer etwa bemängelte, dass in diesem Fall 15 bis 20 Prozent der Fläche der Bundesrepublik ohne schnellen Netzzugang bliebe. 

Eine vollständige Versorgung in der Fläche erhöht jedoch den Investitionsbedarf der Netzbetreiber massiv, ohne dass sich die Ertragsmöglichkeiten dadurch nennenswert vergrößern würden. Schon jetzt haben die Vorgaben der Bundesnetzagentur die Erwartungen an die Auktionseinnahmen gehörig gedämpft, laut Branchenexperten auf nur noch zwei bis drei Milliarden Euro. Eine weitere Verschärfung der Vergaberegeln könnte sogar den gesamten Auktionsprozess in Frage stellen.

Mit Maximalforderungen – egal von welcher Seite – wird sich der 5G-Konflikt auf jeden Fall nicht lösen lassen. Vielleicht hilft zur Motivation aller Beteiligten bei der Kompromisssuche ja ein Blick auf Lesotho: In dem afrikanischen Land mit zwei Millionen Einwohnern ist 5G schon seit August verfügbar.