Arbeitsmarkt Sensorik und Messtechnik Zugpferde: Autonomes Fahren und elektrische Antriebssysteme

Bild 2. Zahlreiche Sensoren informieren das autonome Kraftfahrzeug über die Fahrzeugumgebung.

Sensoren und Sensorsysteme sind Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung, das Angebot an offenen Stellen wächst. Doch die stark mittelständisch geprägte Branche sitzt oft in der Region und tut sich schwer, Ingenieure zu gewinnen.

Das Branchensegment Sensorik und Messtechnik bietet zahlreiche berufliche Möglichkeiten und interessante Jobs für Ingenieure und Techniker. Von der Entwicklung und Qualifizierung der Messgeräte und Sensoren, über das Projektmanagement bis hin zum Vertrieb und Marketing der fertigen Produkte. Die Anzahl verbauter Sensoren wird in Zukunft weiter steigen, der AMA Verband für Sensorik und Messtechnik e.V. prognostiziert für die Branche  goldene Zeiten. Umsatz und Investitionen steigen seit Jahren, was mit einem erhöhten Personalbedarf und neuen Jobs einher geht.

Neuesten Zahlen von Joblift zufolge ist der Arbeitsmarkt für Sensorik und Messtechnik in den letzten 12 Monaten um 119.171 neue Stellen gewachsen - eine Steigerung um 5 Prozent. Die meisten Stellen waren dabei in Baden-Württemberg (25%) und Bayern (24%) ausgeschrieben, die beide damit jeweils rund ein Viertel des Gesamtarbeitsmarktes abdecken, gefolgt mit etwas Abstand von Nordrhein-Westfalen mit 11%.

Die Top-Standorte für Jobs im Zusammenhang mit Sensorik sind München, Stuttgart und Berlin, 46 Tage lang ist ein Stellenangebot im Schnitt online. Der Master wird in fast der Hälfte gewünscht, der Bachelor nur in 13 Prozent der Stellenanzeigen. Eine Berufsausbildung reicht den Unternehmen in 29 Prozent.

Die Auswertung zeigt, in welchen Bereichen Sensorik-Spezialisten gesucht sind, nämlich mit Abstand am häufigsten in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie, die Zugpferde sind autonomes Fahren oder elektrische Antriebssysteme.

Sensorik-Spezialisten werden aber auch für Medizintechnik oder Mechatronik, etwa Robotik, gesucht. Dabei haben die Großen wie Continental, Bosch, Sick oder Valeo in der Gunst der Ingenieure und Fachkräfte die Nase vorn, da sie nicht nur bekannter sind, besser bezahlen und oft tarifgebunden sind, sondern auch in den Ballungsräumen sitzen und nicht im Nordschwarzwald oder Nordostbayern.

Dabei ist die Sensorik-Branche aber zu einem Großteil klein- und mittelständisch geprägt: 23 Prozent der ausschreibenden Unternehmen beschäftigt weniger als 50 Mitarbeiter, 16 Prozent bis 200 und weitere 15 Prozent bis 1000 Mitarbeiter. Die andere knappe Hälfte der Gesuche (46 Prozent) stammt aus Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Meta-Suchmaschine Joblift.

Ein zukunftsträchtiges Einsatzfeld für Sensorik-Spezialisten ist zum Beispiel ‘Predictive Maintenance’: der sensorbasierte Dauer-Fitness-Check für Maschinen- und Anlagen, um Fehler frühzeitig zu entdecken und um teure Produktionsausfälle zu vermeiden. Dabei behalten Sensor-Systeme den Zustand von Maschinen pausenlos im Auge, stellen Diagnosen und kündigen an, wann ein Ersatzteil ausgetauscht werden muss.

Auf der Hannover Messe 2017 hat ein Forscherteam von der Universität des Saarlandes das Früherkennungs-Programm vorgestellt. Das Prinzip: Intelligente Sensoren sammeln permanent verschiedenste Messdaten aus dem Inneren der Geräte und vergleichen die Datenmuster mit Normwerten. Weichen die Muster ab, informiert das System sofort und meldet, was dagegen zu tun ist. Schon kleinste Veränderungen werden von den Sensoren erfasst und selbstständig Schadensabläufen zugeordnet.

Das funktioniert, weil sich Signalmuster – etwa die Frequenz von Schwingungen – bei typischen Schadens- und Fehlerzuständen verändern. Die Muster Tausender von Messdaten haben die Forscher untersucht und kategorisiert, um Schäden oder Verschleiß in Form von Abweichungen selbst zu erkennen. Eine externe Auswerteeinheit braucht es nicht mehr, das System wertet sich selbst aus. 

Die Saar-Uni hat dazu unter anderem mit Bosch Rexroth und Festo zusammen gearbeitet. Bei Bosch-Rexroth sollen die Sensoren den Zustand von Werkzeugmaschinen beobachten, bei Festo werden Linearantriebe wie elektromechanische Spindelachsen oder Elektrozylinder geprüft.

Bosch und Festo haben nicht zuletzt wegen solcher Innovationen als Arbeitgeber einen Namen. Für konkurrierende Hidden Champions jedoch schwindet die Anziehungskraft auf Bewerber mit jedem Kilometer weg von den Metropolen.

Young Professionals entdecken die Vorzüge mittelständischer Arbeitgeber erst, wenn Themen wie Familiengründung und Hausbau auf dem Plan stehen, denn dann locken gute Luft und die niedrigeren Grundstückspreise für das Häuschen auf dem Land.

Daher ist es ein Schritt in die richtige Richtung, was einige Maschinenbauer zusammen mit dem Landkreis Freudenstadt und der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald (IHK) auf die Beine gestellt haben: Sie gründeten einen Verein, der den Aufbau einer Hochschul- und Forschungseinrichtung als Außencampus der Universität Stuttgart zum Ziel hatte.

Seit kurzem bietet der neue Campus Schwarzwald erste Vorlesungen  für Maschinenbau-Masterstudiengänge an, die inhaltlich die Themen rund um die Digitalisierung der Produktion abdecken: Wissen über Datenanfall, Datenebenen und die wirtschaftliche Nutzung von Daten in Bezug auf die Produktion wird an Beispielen der am Campus beteiligten Firmen erläutert, darunter Homag, Arburg, Schmalz oder Fischer.

Eine Exkursion zu dem Mitgliedsunternehmen ermöglicht den Studenten Einblicke in die Praxis der Hochschulpartner und potenziellen Arbeitgeber. Nebeneffekt: wo man das Studentenleben genossen und Arbeitgeber bereits von innen kennengelernt hat, fällt die Entscheidung zu bleiben leichter. 

Renate Keinath, die für Personal zuständige geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauers Arburg zeigt sich zufrieden: ‘Natürlich steckt noch sehr viel Arbeit im Detail: Aber, wenn es der Campus Schwarzwald richtig macht, schlägt hier bei uns in Zukunft das Herz der Digitalisierung im Maschinenbau.’  Das Ziel aller Beteiligten: zu zeigen, dass sich Hightech und Tannenduft nicht ausschließen, die Urlaubsregion Nordschwarzwald nicht nur ein lohnendes Ziel für Studierende, sondern auch für die Fachkräfte von Morgen ist.