Falsche Bewerber „Ziel ist es, den Lügner zu entlarven“

Manfred Lotze ist Inhaber der Detektiv-Institut Kocks GmbH aus Düsseldorf. Er schult Personaler auf ihm bekannte „Bewerbertricks“ und forscht auch mal konkret vor Ort nach, wenn eine Bewerbung unsauber erscheint.
Manfred Lotze ist Inhaber der Detektiv-Institut Kocks GmbH aus Düsseldorf. Er schult Personaler auf ihm bekannte „Bewerbertricks“ und forscht auch mal konkret vor Ort nach, wenn eine Bewerbung unsauber erscheint.

Manfred Lotze ist Inhaber der Detektiv-Institut Kocks GmbH aus Düsseldorf. Er schult Personaler auf ihm bekannte „Bewerbertricks“ und forscht auch mal konkret vor Ort nach, wenn eine Bewerbung unsauber erscheint.

Herr Lotze, Sie ermitteln als Detektiv kriminelle Delikte in der Wirtschaft.  Wann kommen Sie am häufigsten zum Einsatz?

Manfred Lotze: Häufig geht es um Finanzprobleme und Forderungen, oder wir werden beauftragt, Schuldner zu suchen. Außerdem machen wir Bewerbungs-Checks und überprüfen Bewerber oder Einkäufer auf Loyalität und ob ihre Angaben richtig waren. Aber auch Sicherheitsberatung und Lauschabwehr (also zum Beispiel "Wanzen" suchen), Diebstahl, Betrug, Unterschlagung, Untreue, Verrat von Geschäftsgeheimnissen, Angriffe auf das Image eines Unternehmens, Schwarzarbeit, Lohnfortzahlungsbetrug (Probleme wie "krank feiern") , Verstöße gegen Wettbewerbsverbot und Abwerbeverbot gehören zu unserem Geschäft.

Was sind die häufigsten Fälle von Kriminalität am Arbeitsplatz?

Diebstahldelikte haben von 2010 auf 2011 um 68 Prozent zugenommen, Verstöße gegen das Wettbewerbsverbot um 50 Prozent und Lohnfortzahlungsbetrug um 22 Prozent.

Sie sagen, die richtige Prävention beginnt bei der Bewerberauswahl. Kann man Kandidaten für „kriminelle Karrieren“ bereits im Bewerbungsverfahren erkennen?

Bedingt ja. Aufzuklären sind unter anderem kaschierte Lücken im Lebenslauf, manipulierte Zeiten, vorgetäuschte Kompetenzen, gefälschte Urkunden und gefälschte Unterschriften.   

Und wie machen Sie das?

Dazu bieten wir ein 2-stufiges Verfahren an: zuerst einen Bewerbungs-Check  und  dann eine Bewerber-Überprüfung. Beim Bewerbungscheck beschäftigen wir uns mit den vom Bewerber eingereichten schriftlichen Unterlagen und beziehen (evtl. schon getätigte) mündliche Aussagen mit ein.

Die Kenntnis um Bewerbertricks führen zu Randbemerkungen, wie "merkwürdig", "auffallend", „zweifelhaft", "unglaubwürdig"  bis hin zu  "VORSICHT!", wenn Verdacht oder Erkenntnis über eine Fälschung besteht.

Wir prüfen ferner die Vollständigkeit der Unterlagen zu den Daten im Lebenslauf, die Daten auf den Unterlagen, zum Beispiel in Bezug auf Feiertage, und vergleichen Diktatzeichen mit Unterschriften auf den Zeugnissen, erkennen stilistische Häufigkeiten und prüfen Angaben wie "ehemaliger Arbeitgeber existiert nicht mehr", "ich war selbstständig" (oder bei meinem Onkel).

Wenn nötig, folgt auf Wunsch eine Prüfung "vor Ort", in dem wir die beruflichen Spuren des Bewerbers nachvollziehen und auf diesem Wege klären können, ob es  sich um ein  „Gefälligkeitszeugnis" handelt, ob der Bewerber sein Zeugnis selbst erstellt hat, ob inhaltlich, vom Umfang und formell die Unterlage korrekt und die Unterschrift(en) original sind. Bei Diplom- und anderen Urkunden gehen wir analog vor.

Ziel ist es, den Lügner zu entlarven. Unsere Erkenntnis durch Prüfung der Bewerbungsunterlagen  n a c h  Überführung eines Täters hat in ca. 70 Prozent der Fälle ergeben, dass Einstiegsvoraussetzungen durch falsche Angaben, Manipulation, Urkundenfälschung etc. überwunden wurden.

Wann ist Bewerberüberprüfung noch zulässig, wo beginnt die Grauzone zu unzulässiger „Schnüffelei?“

Gesetzliche Pflichten für die Unternehmensführung (z.B. KonTraG und OWiG) zwingen dazu, Schaden für das Unternehmen zu verhindern bzw. zu begrenzen. Das ist die Legitimation für unsere Auftraggeber! Wir haben dabei die Aufgabe, z.B. Privates/Familiäres, Freizeitaktivitäten, Gesundheit, Abhängigkeiten, Gesinnung etc. komplett herauszuhalten. Wir erfragen es nicht und wenn uns jemand ungefragt solche Details mitteilt, erfährt sie der Kunde nicht.