Ingenieur und Lebenslauf Worauf Hiring-Manager achten

Wie sollte ein Lebenslauf von Ingenieuren aufgebaut sein, was sollte drin stehen? Wir haben Annika Rehmet von Würth Elektronik, Bianca Homann von SmartRay und Renate Schuh-Eder von Schuh-Eder Consulting zum Karriere-Chat gebeten.

Markt&Technik: In bestimmten Branchen gibt es einen Trend zu graphischen Lebensläufen. Spielt das auch in der Elektronik eine Rolle oder darf man als Ingenieur diesen Trend zur Optik getrost ignorieren?

Renate Schuh-Eder: Das darf man! Ich kenne Ingenieure, die haben gar keinen. Sie kommen über Empfehlung zur neuen Aufgabe und keiner fragt nach einem CV geschweige denn nach Zeugnissen! Gleichzeitig haben wir Kunden, da kommt es ohne kompletten Zeugnissatz gar nicht zum ersten Gespräch. Und die Abi-Note bitte nicht schlechter als 2,0 - dass der CV klassisch und perfekt aufgebaut ist versteht sich dann von selbst.

Markt&Technik: Das sind dann aber hohe Ansprüche in Zeiten, in denen die Branche von Fachkräftemangel spricht?

Renate Schuh-Eder: Könnte man meinen! Dennoch machen  sie einen guten Job!

Markt&Technik: Was sollte rein in den Lebenslauf? Darf man Vorlagen wie unter Lebenslauf.com nutzen?

Bianca Homann: Vorlagen sollten mit Vorsicht verwendet werden. Copy & Paste kommt schlecht an, wenn es erkannt wird. Besser ist es, sich inspirieren zu lassen. Ein sehr guter CV zeigt dem Recruiter/Hiring Manager sehr schnell den Match mit der offenen Stelle auf. Das bedeutet: Bei jeder Bewerbung die Erfahrungen, die bei der angestrebten Stelle wichtig im Lebenslauf aufzeigen, wenn vorhanden. Gerade graphische Lebensläufe zielen auf Individualität ab.

Markt&Technik: Das bedeutet, bei Ihnen wäre ein individuell erstellter graphischer Lebenslauf ein Pluspunkt, Frau Homann?

Bianca Homann: Ich muss zugeben, dass ich mir bei graphischen Lebensläufen etwas mehr Zeit nehme. Ich bin neugieriger, den CV zu lesen. Klar ist aber, dass es trotz der ansprechenden Gestaltung erkennbar sein muss, dass eine passende Bewerbung vorliegt. Bei einem Software Developer erwarte ich beim ersten Blick auf den CV erkennen zu können, welche Programmiersprachen in welcher Tiefe vorhanden sind. Ich will die spannendsten Projekte erkennen können

Markt&Technik: Ich darf mit Ihnen einen aktuellen Link zum Ingenieur-Arbeitsmarkt teilen: Das klingt nicht so, als ob besondere Sorgfalt bei der Bewerbung von Nöten wäre? Gerade Softwareentwickler sind besonders gesucht.

Markt&Technik: Haben Sie genug Auswahl, Frau Homann?

Bianca Homann: Nein, leider ist es für uns sehr schwer gute Kandidaten zu finden. Ich habe in der Tat bisher sehr wenige graphische Lebensläufe erhalten. Aus Sicht der Bewerber kann ich trotzdem nur raten, keine Serienbewerbungen zu verschicken. Falscher Ansprechpartner, fehlende Unterlagen oder Rechtschreibfehler kommen auch bei Fachkräftemangel nicht gut an…

Markt&Technik: Wie sieht es mit Social Skills aus? Achten Sie auf Hobbies?

Annika Rehmet: Bei uns spielen Social Skills in der Auswahl tatsächlich eine wichtige Rolle. Neben der fachlichen Eignung legen wir Wert darauf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewinnen, die zum Team und ins Unternehmen passen. Hobbies werden im Vorstellungsgespräch durchaus angesprochen. Die Bewerbung weckt idealerweise in ihrer Gesamtheit meine Neugier, den Menschen hinter dem Lebenslauf kennenzulernen.

Markt&Technik: Legen Sie Wert auf die Form des Lebenslaufs, Frau Rehmet? Also zum Beispiel in moderner graphischer Form statt tabellarisch? Was sind Pluspunkte, auf die Sie besonders achten? Und was No-Gos?

Annika Rehmet: Die Form kann meine Erstauswahl positiv beeinflussen, wenn eine Anforderung an den zukünftigen Mitarbeiter ist, z.B. Präsentationen vor Kunden zu halten. Eine schöne Form ersetzt jedoch nicht Fachwissen.

Markt&Technik: Akzeptieren Sie auch automatisch erstellte Lebensläufe aus Xing oder LinkedIn oder soll es individueller sein?

Annika Rehmet: Grundsätzlich habe ich nichts gegen Lebensläufe, die über das Xing oder LinkedIn Profil generiert werden. Was mir positiv auffällt, ist, wenn der Lebenslauf insofern auf meine Position angepasst ist, dass ich schnell und gut erkennen kann, warum der Bewerber oder die Bewerberin geeignet ist. Diese Art von Individualität wünsche ich mir.

Markt&Technik: Manche Firmen gehen auch dazu über, auf das bei Bewerbern unbeliebte Motivationsschreiben zu verzichten. Was sagen Sie dazu?

Annika Rehmet: Das Anschreiben oder Motivationsschreiben finde ich nicht unwichtig. Der Bewerber oder die Bewerberin sollte es nicht als lästige Pflicht sehen, sondern als Chance sich mit seinen Stärken zu präsentieren.

Markt&Technik: Gibt es ein paar konkrete Beispiele, was Ihnen da gefallen würde? Stärken meine ich? Was ist wichtig?

Annika Rehmet: Wie Frau Homann bereits sagte: auch ich mag es, wenn ich schnell den Match mit der offenen Stelle erkenne. Wird also Bezug auf Punkte aus der Stellenausschreibung genommen, warum er oder sie die Anforderungen erfüllt, dann erleichtert mir das den Einstieg. Toll ist auch, wenn ich nach dem Anschreiben weiß, wo im Lebenslauf ich schauen muss, um entsprechende Erfahrung wiederzufinden. Gleichzeitig erfahre ich im Motivationsschreiben hoffentlich etwas über die Motivation der Person für die Stelle, für unser Unternehmen und ggf. warum ein Wechsel oder eine Veränderung angestrebt wird. Für uns ein enorm wichtiger Punkt in der Auswahl! Wichtiger als eine möglichst innovative Form ist mir Authentizität.

Markt&Technik: Frage an alle: Angeblich brauchen Hiring-Manager nur 6 Sekunden, um einen CV zu bewerten. Ich tippe auf diese Reihenfolge: Abschluss/Noten, letzte Position, Firmen/Arbeitgeber-Historie. Lieg ich damit richtig?

Renate Schuh-Eder: Hm, ich kenne keinen, der in sechs Sekunden einen CV bewertet. Aber ja, schnell geht es schon! Meine Reihenfolge: Aktuelle Position und aktueller Arbeitgeber, dann wichtig: Wechselhäufigkeit (alle zwei Jahre woanders ist genauso ungut wie 20 Jahre bei einem AG), dann die Ausbildung, Standort (wegen Umzug oder täglicher Fahrstrecke). Das Gehalt ist weniger wichtig – das wird in der Bewerbung so oft gar nicht erwähnt.

Annika Rehmet: Natürlich gehört es zu meiner täglichen Arbeit, Bewerbungen zu prüfen und durch die Routine geht eine erste Sichtung relativ schnell. Auf welche der von Ihnen beiden genannten Punkte ich in welcher Reihenfolge und Gewichtung achte, ist jedoch von den Anforderungen der Stelle abhängig und was für eine Bewerbung mir vorliegt (Einsteiger oder Professional). Aber 6 Sekunden? Puh, das kann ich mir kaum vorstellen. Außerdem wäre das in meinen Augen nicht fair - der Bewerber – er oder sie – hat sich die Mühe gemacht Unterlagen zu erstellen, also sollte ich die nötige Wertschätzung entgegenbringen und diese nicht nur ein paar Sekunden lang überfliegen, sondern gewissenhaft prüfen.

Mehr Tipps für die Erstellung eines Lebenslaufes und Vorlagen für Ingenieure gibt es hier auf mut-job.de.