Avnet auf der 'electronica experience' »Wir wollen den Sinn von Technik begreifbar machen«

Georg Steinberger, FBDi
»Wenn wir als Handel in der Zukunft eine vernünftige Rolle spielen wollen, müssen wir unser Geschäftsmodell permanent hinterfragen und optimieren.«
Georg Steinberger, Vice President Communications bei Avnet Electronics.

Avnet nutzt die neue electronica experience in Halle C6, um Nachwuchs für die Elektronik zu begeistern.

Markt&Technik: Herr Steinberger, das Konzept der neu konzipierten electronica experience soll Arbeitgeber mit ihren Produkten erlebbar machen. Was plant denn Avnet?
Georg Steinberger: Wir wollen den Sinn von Technik begreifbar machen. Warum gibt es einen Ingenieurmangel? Das Studium ist sehr hart im Vergleich zu anderen Disziplinen. Und gleichzeitig konkurrieren wir mit Vorbildern wie Youtubern. Millennials sind mit ihrem Smartphone heute geradezu verwachsen, können die Meisterleistung, die in seinem Inneren steckt, aber gar nicht wertschätzen. Für sie ist die Anwendung, die App entscheidend. Dem wollen wir auf der electronica begegnen. Wir haben im Rahmen der electronica experience einen Stand und 50 m2 Demofläche, auf der wir Technik zeigen wollen. Voraussichtlich werden es Anwendungen aus der Robotik sein, dazu sind wir gerade mit unseren Kunden im Austausch. Darunter Startups, mit denen wir teilweise sehr eng von der Idee bis zum Massenprodukt zusammenarbeiten. Robotik eignet sich gut, weil es bereits viele Anwendungsfälle gibt und nicht so abstrakt ist wie IoT, wo Use-Case-Theorien noch dominieren.

Intention neben erlebbarer Technik ist auch, Karrierechancen aufzuzeigen. Gilt eigentlich der Satz „Einmal Distribution, immer Distribution“ noch? Z.B. war EBV da immer die Ausnahme von der Regel, bekannt dafür, dass seine FAEs mit Entwicklern auf Augenhöhe sprechen können.
EBV ist einer unserer Geschäftsbereiche, Gleiches gilt aber für den ganzen Avnet-Konzern: Wenn wir FAEs und technische Kompetenz suchen, suchen wir nicht unbedingt nur die Schulabgänger, sondern auch Berufserfahrene, die beim Kunden schon mal in der Anwendungsentwicklung tätig waren. Sie können die Kunden besser beraten als jemand frisch von der Uni. Und ja, es gibt die Fälle, wo jemand von uns aus wieder zum Hersteller wechselt. Gerade in den letzten beiden Jahren haben Hersteller FAEs aus der Distribution abgeworben. Insofern würde ich den alten Headhunter-Spruch so nicht mehr unterschreiben. Ein FAE ist ja kein „Engineer light“, sondern hat innerhalb der Distribution die Möglichkeit, eine ganze Bandbreite an Technologien und Anwendungen abzudecken. Vielleicht hat er nicht immer die Tiefe wie ein Entwickler, klar. Aber der technische Background gepaart mit der Erfahrung aus vielen Kundenprojekten macht ihn für die Industrie attraktiv.

Welche Profile, welche Skills sind für Avnet interessant?
Ingenieure bei uns brauchen neben der technischen Detailkompetenz auch sehr viel kommerzielles Verständnis. Sie müssen die Märkte der Kunden verstehen, um die richtige Empfehlung abgeben zu können. Avnet ist ein interessanter Arbeitgeber, für viele aber noch ein unbekannter Riese im Markt. Somit nutzen wir die electronica experience auch für unser Employer-Branding. Wir ‘brainstormen’ gerade zusammen mit unserer Personalabteilung, ob wir unseren Stand auf der experience sogar vollständig in die Hände unserer Azubis und Young Professionals geben. Um sicherzustellen, dass die Ansprache die richtige ist, um unsere Botschaft zu vermitteln. Der Aufwand wäre zwar etwas höher, aber der Versuch ist es wert.

Sie kritisieren die Elektronik als viel zu männlich.
Ja, in der Tat sehe ich bei Frauen auch den größten Hebel, um den Fachkräftemangel zu lindern. Auf dem Vortragsforum im Rahmen der electronica experience werden wir diverse Slots haben. Ein Slot wird sich mit IoT beschäftigen; wir brauchen hier jemanden, der das den jungen Leuten anschaulich vermitteln kann. Für den zweiten Vortrag stelle ich mir eine Ingenieurin vor, die vermittelt, was an unserer Industrie für Frauen faszinierend sein kann. Wie man als Frau hier Karriere machen kann. Was die Randbedingungen sind, dass es gleichwertige Chancen gibt. Wir wollen die Frauen erreichen, die nicht Lippenstift-Millionärin auf Instagram werden wollen. Sondern die, die sich für Technologie faszinieren lassen. Natürlich werden wir den Frauenmangel in unserer Branche alleine nicht ändern, mit einer electronica.
Wenn zwei, drei oder vier später einen technischen Beruf ergreifen – dann haben wir ja schon was bewegt.

Auf der electronica Fast Forward ist Avnet Diamant-Sponsor. Wie steht Avnet zu Start­ups?
Startups sind wichtig, bei Avnet Silica und bei EBV Elektronik laufen eigene Startup-Initiativen. Wir beschäftigen Leute, die sich um Unternehmen mit Potenzial kümmern. Das können Startups sein oder kleine Unternehmen, da sind wir nicht so päpstlich. Letztlich geht es um die gute Idee, die jemand im Markt umsetzen will. Im Zuge von Fast Forward starten wir unseren internationalen Design-Contest, die „Board Games“. Teilnehmern stellen wir dazu kostenlos 450 Development-Kits zur Verfügung. Die besten Ideen werden nicht nur prämiert, sondern ggf. auch weiterentwickelt, indem wir bei der Umsetzung in Produkte helfen. Unsere Initiative läuft längerfristig, aber vielleicht können wir auf der electronica schon den einen oder anderen aussichtsreichen Kandidaten vorstellen. Wir wollen als Distributor den Kunden von der Idee bis zum Massenprodukt unterstützen und betreuen.

Avnet, Stand C5.101