Beste Zukunftschancen Wie man zum Embedded-Software-Spezialisten wird

Dr.-Ing. Torsten Klie, Geschäftsführer des Interdisziplinären Zentrums für Eingebettete Systeme an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Wer Eingebettete Systeme entwickeln will, muss sich in Hardware-Design und Softwareentwicklung auskennen. Einen speziellen Studiengang "Embedded Software Engineering" gibt es aber noch nicht, zum Leidwesen der Industrie.

Eigentlich sollte jetzt im Frühjahr in Freiburg der bundesweit erste Master-Studiengang "Embedded Systems Engineering " starten - doch nun wird es doch wohl erst zum Wintersemester 2012 soweit sein, wie der Studiengangleiter Prof. Bernd Becker von der Universität Freiburg berichtet. "Wir sind in der Tat, abgesehen vom Erasmus Mundus Program in Kaiserslautern, der in ähnliche Richtung im Rahmen eines europäischen Projektes geht, im Moment wohl der einzige Universitätsstudiengang 'Embedded Systems Engineering`.

Der Großteil der Mitarbeiter, die im Umfeld Embedded Systems arbeiten, haben eine Qualifikation als Elektrotechniker, rund ein Fünftel sind gelernte Informatiker.
Für die Industrieverbände ist es eine Herausforderung, hier ausreichend qualifizierter Fachkräfte zu bekommen. Denn um den speziellen Anforderungen bei der Entwicklung von Embedded Systems gerecht zu werden, bedürfe es interdisziplinärer Studienangebote an der Schnittstelle von Elektronik, Informatik und Mechanik.

Doch nur wenige Studiengänge integrierten die Bandbreite der für den Bereich Eingebettete Systeme notwendigen Wissensdomänen, so der ZVEI. Die derzeitige Ausbildung fokussiere entweder auf die elektrotechnische oder die Informatik-Sicht der Systeme. Aus beiden Bereichen rekrutierten die Unternehmen heute ihre Nachwuchskräfte - und bilden firmenintern fehlende Kenntnisse weiter.
In der klassischen Ausbildung sei der Bereich Systems-Engineering zu wenig verankert, moniert der Verband und fordert verstärkt koordinierte Anstrengungen einschließlich der beruflichen Weiterbildung.

Eine Podiumsdiskussion auf der Embedded world mit dem Thema "Engineering for Embedded-Systems - Welche Anforderung stellt die Industrie an die Ausbildung zukünftiger Ingenieure? am 1. März, Austellerforum in Halle 5, Beginn 13 Uhr,  soll diese Problematik verdeutlichen.

Der Geschäftsführer des Interdisziplinären Zentrums für Eingebettete Systeme an der Universität Erlangen-Nürnberg, Dr.-Ing. Torsten Klie, zweifelt allerdings kein bisschen an den Zukunftschancen seiner Studenten: »Die meisten Absolventen sind in der glücklichen Lage, viel Auswahl bei den  Arbeitgebern zu haben. Oft bekommen sie noch vor offiziellem Abschluss des Studiums Jobangebote.«

Dabei suche das ESI ja selbst ständig nach guten Absolventen: »Auch wir rekrutieren unsere Doktoranden ja vor allem aus den Diplom- und Master-Absolventen, daher wissen wir um die Problematik des Fachkräftemangels.« So wie andere Unternehmen auch, lockt das ESI Studierenden schon frühzeitig durch interessante Praktika, spannende Hilfstätigkeiten in der Forschung und Studien- und Abschlussarbeiten. Als besonders groß schätzt Thorsten Klie den Bedarf an Fachkräften ein, die sowohl über Hardware- als auch über Software-Know-How verfügen, »also am besten Elektrotechniker UND Informatiker sind«. Ein Studiengang "Informations- und Kommunikationstechnik (IuK)", der genau diese beiden Fachrichtungen verbinde, enthalte das ideale Rüstzeug.

Für Elektrotechniker oder Informatiker empfehle sich jeweils eine komplementäre Vertiefungsrichtung, d.h. ein E-Techniker sollte sich mit Informatik beschäftigen – etwa Mikroelektronik oder Informationstechnik studieren -, ein Informatiker hingegen mit Technischer Informatik, wie zum Beispiel Hardware-Software-Co-Design.

Letzteres sei ideal, denn im Bereich der Eingebetteten Systeme sollte der Entwurf der Hardware und der Software gleichzeitig erfolgen, so Klie: »Man entwirft das System als Ganzes, dafür stehen zunächst die Funktionen im Mittelpunkt. Die Frage, welche Komponenten in Hardware und welche in Software ausgestaltet werden, taucht im Entwicklungsprozess leider immer noch viel zu spät auf. Dafür reichen Hardware-Design-Kenntnisse alleine genauso wenig wie lediglich Software-Entwicklung.«

Wer Eingebettete Systeme entwickeln wolle, brauche beides. Studiengänge wie etwa "Informations- und Kommunikationstechnik (IuK)" böten Vertiefungsrichtungen zur Schulung dieser Synergien.

Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt vom Lehrstuhl für Industriebetriebslehre Erlangen hatte kürzlich  für eine Studie die Bedeutung von Eingebetteten Systemen in der Metropolregion Nürnberg untersucht. Er kennt daher die Anforderungen der Unternehmen an potenzielle Mitarbeiter: »Der Embedded-Bereich ist sehr heterogen. Einerseits werden System-Ingenieure gesucht, insbesondere Absolventen der Informations- und Kommunikationstechnik, oder der Informatik mit sehr guten Hardware-Kenntnissen, oder E-Techniker mit sehr guten Informatik-Kenntnissen.

In den speziellen Anwendungs-Domänen wie etwa Automatisierungstechnik oder Medizintechnik werden Mechatroniker, Maschinenbauer mit sehr guten Informatik- und E-Technik-Kenntnissen bzw. Medizintechniker gesucht. Insbesondere bei Mittelständlern sind natürlich Bewerber im Vorteil, die bereits über praktische Erfahrungen im zukünftigen Einsatzgebiet verfügen, also z.B. schon mit den gängigen Werkzeugen  vertraut sind, so dass sich die Einarbeitungszeit verkürzt.«