Soziale Kompetenzen Wie man an 'VUCA' nicht verzweifelt

Wolfgang Fiebig begleitet und unterstützt Unternehmen bei ihren Transformationsprozessen. In Großgruppenveranstaltungen, Teamentwicklungen und Einzelcoachings – von der Geschäftsführung bis zum Mitarbeiter.

Welche Bedeutung haben soziale Kompetenzen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und wie kann man sie fördern? Transformations-Coach Wolfgang Fiebig über den Nutzen von Mitarbeitern, die sich eingebunden fühlen.

Markt&Technik: Herr Fiebig, alle reden von Sozialkompetenzen. Manche behaupten, diese seien für Ingenieure mittlerweile sogar wichtiger als Fachkompetenz, weil wesentlich schwerer zu vermitteln. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Wolfgang Fiebig: Ich stimme zu. Vor allem mit Bezug auf Kommunikationsfähigkeit, die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung und die Fähigkeit, mit permanenter Unsicherheit und Volatilität – Stichwort VUCA: Volatility (Volatilität), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) – zu leben und zu arbeiten.

Welche Erfahrungen machen Sie diesbezüglich als Coach? Vor welchen Schwierigkeiten oder Herausforderungen stehen denn Ihre Kunden?

Fast immer ist es Wettbewerbs- oder Kostendruck. Meine jüngste Klientin ist 23-jährige Nachwuchsführungskraft und mein ältester war ein 70-jähriger Unternehmer. Beide sagen von sich, dass lebenslanges Lernen für sie heute immens wichtig ist. Wer die Bereitschaft und Fähigkeit mitbringt, sich lebenslang weiterzubilden, bringt gute Voraussetzungen mit, um in der VUCA-Welt zurechtzukommen.

Gibt es so etwas wie einen roten Faden in Ihren Coaching-Terminen?

Ja, den gibt es durchaus. Über alle Hierarchieebenen hinweg erlebe ich Menschen, die mit dem permanenten Druck – höher, schneller, weiter – zunehmend Schwierigkeiten bekommen. Das zeigt sich einmal direkt in Überlastungserscheinungen: »Ich schaffe das Pensum nicht mehr so, wie ich es früher konnte« oder in mittelbaren Auswirkungen. Die Nerven liegen blank, und die Menschen werden dünnhäutiger. Das wiederum geht auf Kosten der Kommunikation. Typische Sorgen kann ich allerdings nicht festmachen, das hängt immer stark von der Persönlichkeitsstruktur ab.

Wie erleben Ihrer Erfahrung nach Führungskräfte die Herausforderung „Digitalisierung“ oder „New Work“?

Digitalisierung ist nach meiner Sicht auch bei erfahrenen Führungskräften angekommen. Von „New Work“ hingegen höre ich bei meinem Kundenkreis weniger. Das Bewusstsein, etwas tun zu müssen, erlebe ich bei Führungskräften durchaus. Es äußert sich typischerweise in klassischen Schulungsmaßnahmen. Mit diesem ersten Schritt befinden wir uns aber noch in der klassischen linearen Denkwelt.