Markt&Technik Roundtable Wie flexibel kann die Arbeitswelt in der Industrie werden?

Wie Thomas Sattelberger über New Work denkt

Der ehemalige Top-Manager und Personalvordenker Thomas Sattelberger sitzt inzwischen für die FDP im Bundestag.  »Ich komme aus der alten Welt und habe dort 40 Jahre lang Veränderungen und Prozesse miterlebt, als Opfer wie als Täter, in großen Schlachtschiffen. Beim Thema New Work sage ich mit einer gewissen Eitelkeit, dass ich das begründet habe,  zumindest in Deutschland.«

Seit wann sehen Sie diese Entwicklung zu New Work, Herr Sattelberger?

»Wenn man jetzt nicht zu den Frühsozialisten wie Charles Fourier geht, die ja tatsächlich Jahrzehnte vor Karl Marx solche utopischen neuen Wege des Zusammenlebens von Menschen diskutiert haben, dann kann man es relativ gut verorten: bei Frithjof Bergmann. Interessant dabei:  Auch er hat eher den  New Worker definiert: »Work, what you really, really want to do«.

Und das zu einer Zeit der Untergangswellen in Detroit Mitte der 90er Jahre, als die Automobilbranche dort »in Scherben lag und Effizienzwellen drüber rasten. Er hat das im Grunde für die klassische, alte Industriegesellschaft formuliert und nicht für die digitale Welt«, so Sattelberger.

Bergmann habe die lokale Ökonomie  im Grunde schon in den 90er Jahren skizziert, die Keimzelle von New Work, und schon damals auf das Maker-Potenzial von 3D-Druckern gesetzt, genannt »Personal Fabricator«. Auch wenn Bergmann  »für meinen Geschmack etwas zu linkslastig ist:  er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Unternehmer. Immer noch.«

Und heute?  Vieles an der Diskussion zu »New Work« erinnere ihn an »fast marxistische Arbeitskonzepte, die über Menschen verhängt werden und wo das Individuum - wie üblich - zu kurz kommt«. Auch hänge New Work nicht zwingend mit Digitalisierung zusammen. 

Daher sei er von der Begrifflichkeit weg gekommen, spreche heute lieber vom »New Worker«, von der »New Workerin«, der seine oder ihre Talente,  Inspiration und Kreativität voll ausschöpfe und etwas Neues, Sinnvolles schaffe. »Sinn  für mich wie für andere«.