Markt&Technik Roundtable Wie flexibel kann die Arbeitswelt in der Industrie werden?

Was sagen Startups?

Lin Sebastian Kayser ist Softwareentwickler und Seriengründer und hat sein ganzes Arbeitsleben in Startups verbracht. Aktuell ist er CEO von Hyperganic Technologies, einem Münchner Startup für industriellen 3D-Druck. »Wir machen die Software dafür, ein komplett neues Software-Ökosystem für diesen Bereich«.

New Work ist für Kayser »Selbstverständlichkeit. Zum Beispiel dezentral arbeiten können, dass Leute nicht im Büro sein müssen, dass man kleine Teams hat und die Hierarchien flach hält. Das ist alles selbstverständlich, das mache ich seit 25 Jahren so.«
Kayser bemerke, dass Arbeit gerade einen fundamentalen Wandel erfahre, »wie wir Arbeit sehen und wie Arbeit ist. Wir gehen weg vom alten Modell, wo es oben den Chef gibt und unten Leute, die zur Arbeit trotten und etwas tun, was sie eigentlich gar nicht wollen.« Hin zu etwas, wofür Menschen sich begeistern und aus einem bestimmten Grund morgens aufstehen und zur Arbeit gehen.

Spricht da vor allem der freie Gründergeist, der machen kann, was er will? »Nicht jeder muss dafür ein Gründer sein. Ich sehe einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten müssen, wie Führungskräfte arbeiten müssen: weniger organisieren und dann hierarchisch anordnen, sondern für das Thema begeistern und mitnehmen! Führung, die aus dem Dialog heraus neue Ideen schöpfen kann. Das ist für mich relevant für die Zukunft.«

Dafür brauche es ein Grundinteresse an Menschen. »Erst das Businesskonzept, und dann Human Resources finden, die das umsetzen – ich habe eigentlich immer umgekehrt gedacht! Das ist für mich die Zukunft der Arbeit: Menschen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln, innerhalb des Rahmens dessen, was man eben machen kann, Aufgaben auszufüllen, die sie für sinnvoll halten. Das ist für mich der Trend und was mich beschäftigt. Und wo man noch viel umdenken muss, was das Management anbelangt.«

Robert Lee kann alldem beipflichten. Der gebürtige Ire ist CFO von Eluminocity, einem schnellwachsenden Start­up, das LED-Straßenbeleuchtung mit Elektro-Ladesäulen für E-Autos kombiniert. »Wir arbeiten mit Infineon und BMW zusammen, auch mit Intel. Ich arbeite sehr gerne mit solchen großen Unternehmen zusammen. Warum? Weil die sehr gerne mit Startups arbeiten möchten!« erzählt Lee. Man biete etwas, was die Konzerne nicht hätten, und sei damit auf Augenhöhe.

Arbeiten im Startup

Lee: »Jeder muss seine Rolle finden und zusammenarbeiten, sehr wichtig, weil man es ständig mit neuen Leuten und Kollegen zu tun hat. Seine Rolle finden, schnell lenken können und es gerne tun. Denn es kann gut sein, dass jemand bei Eluminocity in einer Rolle anfängt und sehr schnell etwas ganz anderes macht.«

Lee selbst sei dafür ein gutes Beispiel, da er im Moment Finanzen, HR und IT gleichzeitig verantworte. »Montag und Dienstag HR, Mittwoch und Donnerstag IT und zum Schluss ein bisschen Finance, wie es mein Titel CFO eigentlich spiegelt«, erklärt Lee.

»Sicher werden wir bald neue Leute brauchen und HR-Fachleute; das wird dann der Zeitpunkt sein, wo ich einen Teil meiner Aufgaben aufgeben muss. Das ist typisch, dass Leute anfangs vier oder fünf Hüte aufhaben und vier oder fünf Rollen ausüben, um dann mit weiterem Wachstum die Rollen abzugeben.«