Bundesweit erster IHK-Lehrgang Weiterbildung zur Fachkraft für Industrie 4.0

Die ersten zwölf Teilnehmer aus dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach haben die Weiterbildung bereits erfolgreich abgeschlossen. Weitere Kurse bieten verschiedene IHKs ab 2019 deutschlandweit für alle Unternehmen an.
Die ersten zwölf Teilnehmer aus dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach haben die Weiterbildung bereits erfolgreich abgeschlossen. Weitere Kurse bieten verschiedene IHKs ab 2019 deutschlandweit für alle Unternehmen an.

Bosch hat gemeinsam u.a. mit der IHK Region Stuttgart einen Lehrgang zur »Fachkraft für Industrie 4.0 (IHK)« entwickelt. Es ist bundesweit der erste IHK-Lehrgang, der sich direkt an Facharbeiter richtet und diese für die Arbeit in der vernetzten Fertigung qualifiziert.

Der neue Zertifikatslehrgang richtet sich an Facharbeiter mit Berufserfahrung in Produktion oder Logistik. Es gibt keine formalen Zugangsvoraussetzungen. Der Kurs besteht aus fünf Modulen mit einem Umfang von 104 Stunden. Theorie und Praxis sind gleich gewichtet.

Die Teilnehmer lernen nicht nur Technologien kennen, mit denen sie Industrie 4.0 Anwendungen umsetzen können, sondern auch agile Arbeitsmethoden. Die ersten zwölf Teilnehmer aus dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach haben die Weiterbildung bereits abgeschlossen. Weitere Kurse bieten verschiedene IHKs ab 2019 deutschlandweit für alle Unternehmen an.

Im Fokus stehen zum Beispiel vernetzte Geschäftsmodelle in der Fertigung: Welche Technologien gibt es? Wie werden Daten übertragen? Wie funktionieren Logistik und Supply Chains in einer digitalen Welt? Technologische Inhalte sind ein Schwerpunkt, Arbeitsmethoden wie Scrum ein anderer.

»Technische Lösungen sind nur die eine Seite der Medaille. Den Unterschied bei Industrie 4.0 machen die Mitarbeiter. Ihre Fähigkeiten, situativ auf Probleme zu reagieren und neue, kreative Lösungswege zu finden, rücken in der Fabrik der Zukunft in den Mittelpunkt«, erklärt Dr. Stefan Aßmann, Leiter der Geschäftseinheit Bosch Connected Industry, in der das Unternehmen seine Industrie 4.0-Aktivitäten in den Bereichen Software und Services bündelt.

Bülent Cevran arbeitet seit 20 Jahren bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach und ist einer der ersten Absolventen des Lehrgangs. Der gelernte Industriemechaniker ist als Schichtführer dafür zuständig, dass immer genügend Teile für die Fertigung an den Produktionslinien vorrätig sind.

»Meine Arbeit hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Früher haben wir die benötigten Teile mühsam von Hand ermittelt und zugeordnet. Heute geht das vollautomatisch. Wir haben unser Vorratslager mit den Fahrern vernetzt, die uns den Nachschub bringen. So wissen sie jederzeit, wann wo was benötigt wird«, beschreibt Cevran den Wandel. »Durch den Lehrgang bin ich jetzt in der Lage, die Vernetzung innerhalb des Werks selbst mitzugestalten. Mein erstes Projekt nach der Fortbildung wird sein, die Vernetzung mit den Fahrern auszubauen und um zusätzliche Anwendungsfälle zu erweitern, zum Beispiel den Abtransport leerer Kisten auf Bodenrollern.«

Bosch-Mitarbeiter können freiwillig an der Weiterbildung teilnehmen und verschiedene Fördermöglichkeiten des Unternehmens wie freie Zeit oder einen Kostenzuschuss in Anspruch nehmen. Die Kosten für den Piloten hat das Unternehmen übernommen. Ein Großteil der Qualifizierung findet während der Arbeitszeit statt, rund 20 Prozent in der Freizeit.

IIndustrie 4.0-Experten von Bosch haben die Kursinhalte mitentwickelt und übernehmen nun Lehrtätigkeiten im Rahmen der Weiterbildung.  »Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen für die Betriebe. Wir als IHK unterstützen mit konkreten Angeboten wie der Qualifizierung zur Fachkraft Industrie 4.0. Dass wir mit Bosch einen hervorragenden Partner gewinnen konnten, um diese Qualifizierung zu entwickeln und erfolgreich einzuführen, freut mich ganz besonders. Viele andere Unternehmen werden davon profitieren«, sagt Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart.

Auch die deutsche Auslandshandelskammer bietet künftig die Weiterbildung zur »Fachkraft für Industrie 4.0« an – zum Beispiel in China.