Ingenieurarbeitsmarkt Was Unternehmen jetzt tun müss(t)en

Die konjunkturelle Abkühlung ist am Arbeitsmarkt angekommen. Von Hiring-Freeze ist zwar nicht die Rede, doch die Ansprüche an Kandidaten steigen wieder.

»Man ist wieder etwas vorsichtiger mit Einstellungen«, beobachtet Personalberaterin Renate Schuh-Eder. Die Sorge der Recruiter zeige sich darin, dass frei werdende Positionen aktuell nicht nachbesetzt werden, die Ansprüche an die Passung der Bewerber wieder Richtung 100 Prozent gehen. Und wo Stellenbesetzungen „on hold“ sind, wird auch Personalmarketing und Employer-Branding häufig auf Eis gelegt.

Strategisch ist das allerdings ein Fehler, dafür reicht der Blick auf den Mikrozensus. »2030 wirkt sich der ‚Pillenknick‘ voll aus«, warnt Prof. Gunter Olesch, Geschäftsführer Personal, Informatik und Betriebstechnik bei Phoenix Contact. Zu Beginn seiner Karriere bei Phoenix Contact wurde Prof. Gunther Olesch belächelt, wenn er seine Vision skizzierte, ein attraktiver, „der beste“ Arbeitgeber werden zu wollen. Um der Demografie die Stirn bieten zu können im Kampf um Talente aus ganz Deutschland.

Heute lacht keiner mehr, im Gegenteil. Es sei nun »Schluss mit lustig«, warnte Prof. Michael Berger von der Fachhochschule Westküste, Vorsitzender des VDE-Bundesausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft bereits vor ein paar Monaten angesichts des »bereits mittelfristig« ernsten und flächendeckenden Fachkräfteproblems. Oleschs Prognose zufolge könnte dies in wenigen Jahren sogar Unternehmen in ihrem Fortbestand gefährden, weil sie schlicht nicht mehr genügend gute Leute bekommen. Gewinnen würden stattdessen die, die »ein gutes Arbeitgeber-Image haben«. Doch das könne man nicht mal eben auf die Schnelle verändern oder aufbauen, davon kann Olesch aus eigener Erfahrung ein Lied singen. »Das braucht Jahre und einen langen Atem.« Wer nicht spätestens jetzt anfange, so Olesch, für den könnte es daher bald zu spät sein.

Umso wichtiger, die bestehende Mannschaft digital fit zu machen und nicht zu verlieren. Im 2016 eröffneten Bildungszentrum lässt Phoenix Contact rund 14.000 Teilnehmer pro Jahr schulen, größtenteils zu Digitalisierungsthemen. Führungskräfte bei Phoenix Contact werden daran gemessen, ob sie Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter auch umsetzen, ob sie von der Belegschaft akzeptiert werden: »Gibt er mir Feedback? Informiert er mich? Lobt er? Kritisiert er mich sachlich? Das alles wird sehr detailliert abgefragt.«

Zum ausführlichen Interview mit Prof. Olesch geht es hier.