Selbstoptimierung im Lebenslauf Wann lügen den Job kosten kann

"Ich rate zu offenem Visier"

Dr. Sandra Flämig (auf Twitter kann man ihr unter @Kanzlei_Flaemig folgen) ist als Arbeitsrechtlerin Expertin auf dem Gebiet. Markt&Technik hat sie um eine Einschätzung gefragt: Wo verläuft die Grenze, ab wann droht gar Jobverlust?

Dr. Sandra Flämig: »Wenn ein Arbeitnehmer beim Bewerbungsgespräch oder im Lebenslauf lügt, stellt sich immer die Frage, ob der Arbeitgeber den geschlossenen Arbeitsvertrag wegen Täuschung anfechten und ggf. auch Schadensersatz vom Arbeitnehmer verlangen kann. Das richtet sich danach, ob der Arbeitnehmer bestimmte Dinge von sich aus offenbaren muss (ungefragt) oder ob der Arbeitgeber danach fragen darf.

Wenn es sich um Dinge handelt, die offenbart werden müssen oder nach denen berechtigter Weise gefragt wurde, dann muss der Arbeitnehmer wahrheitsgemäß antworten. Aber auch bei den Angaben im Lebenslauf muss der Arbeitnehmer grundsätzlich die Wahrheit sagen.
 
Grundsätzlich heißt: Es gibt Einschränkungen zum Anfechtungsrecht des Arbeitgebers. Es muss sich um Angaben handeln, die für die Entscheidung "Einstellung" / "keine Einstellung" maßgeblich sind. Ihre Befragten hatten also schon den richtigen Riecher. Jedoch kommt es immer auf den Einzelfall an. So kann es sein, dass eine gemeinnützige Organisation, die vielleicht durch Spenden finanziert wird, ein großes Interesse daran hat, wie groß das ehrenamtliche Engagement des Bewerbers ist. Eine Lüge an der Stelle könnte den Arbeitgeber zur Anfechtung berechtigen.
 
Ganz unerheblich davon, ob eine Lüge zur Anfechtung berechtigt, sind Arbeitgeber nicht blöd. Einen Blender erkennt man innerhalb der Probezeit und die dauert 6 Monate. Innerhalb der Probezeit ist leichter kündigen und dann war es das. Doch selbst wenn der Arbeitgeber es nicht in der Probezeit merkt sondern später und ihn die Lüge nicht zur Anfechtung berechtigen würde, hat das Ganze doch ein "G´schmäckle" das Vertrauen ist dahin, denn "Wer einmal lügt…" Ich rate zu offenem Visier. Lassen Sie sich lieber coachen, wie Sie mit vermeintlichen "Makeln" offen umgehen.«

Dr. Sandra Flämig hat dazu auch ein Video aufgenommen, hier geht’s lang.