Geschäftsmodell: Strom aus Abwärme Von der Uni zum Unternehmensgründer

So sehen Gründer aus (v.l.n.r.): Florian Ries (Dipl.-Ing (FH) Chemieingenieurwesen), Patrick Dörnhofer (M.Sc. Automatisierungstechnik), Jochen Friedemann 
(M. Sc. Verfahrenstechnik), Prof. Dr. Matthias Rädle und Timon Schumacher 
(M. Sc. Wirtschaftsingenieurwesen.)
So sehen Gründer aus (v.l.n.r.): Florian Ries (Dipl.-Ing (FH) Chemieingenieurwesen), Patrick Dörnhofer (M.Sc. Automatisierungstechnik), Jochen Friedemann (M. Sc. Verfahrenstechnik), Prof. Dr. Matthias Rädle und Timon Schumacher (M. Sc. Wirtschaftsingenieurwesen.)

Der Weg aus der Universität muss nicht immer in eine Arbeitnehmer-Festanstellung münden, wie das Beispiel von “heat2power“ zeigt. Das fünfköpfige Team der Hochschule Mannheim hat eine Methode entwickelt, wie man vergleichsweise kostengünstig aus Abwärme elektrische Energie erzeugen kann. Zwei Preise haben sie dafür schon eingeheimst. Die Unternehmensgründung ist für nächstes Jahr angepeilt.

Abwärme ist viel zu schade, um sie ungenutzt an die Umgebung zu verlieren. So wird Abwärme inzwischen zum Beispiel häufig zur Gebäudeklimatisierung genutzt. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit, die Abwärme wieder zu verstromen. Geräte dazu sind allerdings teuer und lohnen nur für sehr große  Anlagen. Je kleiner die Anlage, umso teurer ist diese Form der Stromerzeugung.  

Noch, denn in diese Marktlücke will das fünfköpfige Team um Prof. Matthias Rädle von der Hochschule Mannheim stoßen: Statt einer teuren Turbine setzt es auf einen umgebauten Abgasturbolader aus der Automobilindustrie. Bei dem Verfahren wird ein organisches Arbeitsmedium mit der Abwärme verdampft, in dem umgebauten Abgasturbolader entspannt und hierbei elektrische Energie erzeugt. Je nach Temperaturniveau können mit solch einem ORC-Kreislauf (Organic Rankine Cycle) etwa 10 Prozent der Abwärme in elektrische Energie gewandelt werden. „Im Bereich zwischen 10 und 100 kW elektrisch sind wir damit um einen Faktor 2 günstiger als am Markt befindliche Systeme“, sagt der Diplom-Chemieingenieur Florian Ries, auf dessen Masterarbeit die Geschäftsidee im Wesentlichen zurückgeht. Da ein normaler Turbolader mit etwa 250.000 Umdrehungen pro Minute rotiert – zu viel für gewöhnliche elektrische Generatoren – haben die jungen Ingenieure ein spezielles Getriebe entwickelt und kürzlich erst zum Patent angemeldet.  

Das Ziel des Uni-Spin-offs: Blockkraftheizwerke noch effizienter zu machen. „Dadurch erhöhen wir die Stromausbeute um 10 Prozent“, erklärt der Wirtschaftsingenieur Timon Schumacher, im interdisziplinär zusammengesetzten Hochschulteam für Geschäftsführung, Finanzen, Marketing und Vertrieb zuständig.

Neben Ries und Schumacher arbeiten im heat2power-Team auch der Ingenieur für Automatisierungs- und Energietechnik Patrick Dörnhofer (Produktion und R&D) und der Verfahrenstechniker Jochen Friedemann (Geschäftsführung Technik und Projektmanagement), fachlich und persönlich unterstützt von Mentor Prof. Matthias Rädle, der beim Spin-off unentbehrlich ist für Business Development und Networking.

Das umfangreiche Netzwerk von Rädle ist wertvoll für die Gründer, denn ohne weiterhelfende Kontakte zu potenziellen Kunden, dem Gründerverbund und zur örtlichen IHK würde es schwer: Als nächstes steht nämlich die Bewerbung um Fördergelder des BMWi im Rahmen von »Exist Forschungstransfer« auf dem Programm. Auch mit dem High-Tech-Gründerfonds (HTG) ist man im Gespräch.

Die Situation scheint komfortabel, auch mit Blick auf das Risiko eines unverhofften Scheiterns des Geschäftsmodelles, denn neben Prof. Rädle arbeiten alle anderen vier als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Hochschule Mannheim. Man habe in der Zwischenzeit auch schon das eine oder andere Angebot aus der Indus-trie abgelehnt, erzählen Ries und Schumacher, und sei damit – abgesehen vom Ingenieurmangel – in einer wahrlich luxuriösen Situation: Im Falle eines Scheiterns könne man an der Uni weiterarbeiten. Was verloren wäre – und das wöge wohl doch schwer –, seien Zeit und Herzblut, die

in das Projekt geflossen sind, denn ein Spaziergang sei  solch ein Spin-off-Projekt nicht: So mancher Urlaub und so manches Wochenende sei dafür draufgegangen. Ohne das Team, so befinden die jungen Gründer, sei die Idee weder fachlich noch zeitlich zu stemmen. „Ein 9-to-5-Job ist das nicht.“