Studium Viele Bachelorabsolventen wollen auf den Master nicht verzichten

Phillip Hilpert arbeitet als Embedded-Software-Entwickler bei Weidmüller. Aus seiner Sicht sei der Bachelor an Tiefe mit dem aussterbenden FH-Diplom nicht zu vergleichen.
Phillip Hilpert arbeitet als Embedded-Software-Entwickler bei Weidmüller. Aus seiner Sicht sei der Bachelor an Tiefe mit dem aussterbenden FH-Diplom nicht zu vergleichen.

Knapp drei Viertel der Bachelorabsolventen entscheiden sich gegenwärtig für ein Masterstudium, anstatt in den Job zu starten. Sie tun dies in erster Linie, um ihre Berufschancen zu verbessern, sich persönlich weiterzubilden und ihren fachlichen Neigungen nachkommen zu können. Denn aus einer Berufstätigkeit heraus noch mal an die Uni zu wechseln, ist praktisch nicht so leicht, wie von den Bologna-Vordenkern gedacht.

Seinen fachlichen Neigungen besser nachkommen möchte zum Beispiel Phillip Hilpert. Der 24-jährige hat im Rahmen eines dualen Studiums als Förderstudent bei Weidmüller an der Hochschule Harz Wernigerode einen Bachelor-Abschluss gemacht. Heute arbeitet er in dem international tätigen Unternehmen mit Hauptsitz in Detmold als Embedded-Software-Entwickler, programmiert zum Beispiel Software für serielle Schnittstellen.

Die Arbeit sei sehr vielseitig und spannend – und doch sei es sein persönlicher Wunsch, technisch noch etwas nach zu satteln und den Master dranzuhängen, „um theoretische Grundlagen zu erweitern“, wie er erklärt. Aus seiner Sicht sei der Bachelor an Tiefe mit dem aussterbenden FH-Diplom nicht zu vergleichen.

An sich kein Problem – genauso so haben die Macher von Bologna sich das vorgestellt: nach einem ersten Abschluss in die Berufstätigkeit zu wechseln, um dann einige Zeit später mit einem Master zu vertiefen. Vom Arbeitgeber Weidmüller werden Hilperts Bestrebungen zur Weiterentwicklung auch unterstützt. Dem Familienunternehmen ist wichtig, dass Mitarbeiter ihr volles Potenzial entfalten.

In der Praxis ist die Entscheidung trotzdem nicht  ganz so einfach: Denn Hilpert möchte zwar den Master machen, aber weder finanzielle Einbußen hinnehmen noch den Anschluss an die sich ständig weiterentwickelnde Praxis und Forschung bei Weidmüller verlieren. Deswegen denkt er darüber nach, den arbeitsintensiven Weg über ein Fernstudium zu gehen.

Ähnliche Gedanken haben womöglich die drei Viertel der Bachelorabsolventen, die sich für ein Masterstudium entscheiden, anstatt gleich in den Job zu starten. Zu diesen Ergebnissen kommt zumindest eine neue Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF).

Vor allem Bachelorabsolventinnen und -absolventen von Universitäten entscheiden sich für das Weiterstudieren, weniger die Kommilitonen an den Fachhochschulen. Dennoch streben auch an den Fachhochschulen deutlich mehr als die Hälfte der Bachelorabsolvent den Masterabschluss an. Etwa ein Fünftel aller FH-Bachelors entscheidet sich für ein universitäres Masterstudium. Die Bachelorabsolventen der Universitäten wechseln hingegen nur in Ausnahmefällen für das Masterstudium von der Universität an eine Fachhochschule.

Die höchsten Übergangsquoten in das Masterstudium weisen die Bachelors der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften auf. In einzelnen Studienbereichen dieser Fächergruppe reichen die Übergangsquoten nah an die 100%-Marke heran.

Bei der Wahl der Hochschule für das Masterstudium zeigen sich die Bachelorabsolventen insgesamt regional sehr mobil. Nahezu alle Bachelorabsolventen können gegenwärtig ihr Masterstudium im Wunschfach und an der Wunschhochschule aufnehmen. In den MINT-Fachrichtungen ist die Passfähigkeit besonders hoch. Studienautor Christoph Heine rechnet allerdings damit, dass mit der wachsenden Zahl von Bachelorabsolventen und anhaltend hohen Übergangsquoten in das Masterstudium auch Zulassungsbeschränkungen zahlreicher werden.

Die Möglichkeit, im Master ein ganz anderes Fach zu wählen als im Bachelor – sich also „hybrid“ weiterzuqualifizieren, nutzen die Bachelors noch relativ selten. Der wichtigste Beweggrund für die Aufnahme eines Masterstudiums ist für die Bachelorabsolventen aller Hochschularten und Fachrichtungen die Verbesserung der eigenen Berufschancen. Fast ebenso wichtig ist das Motiv, sich persönlich weiterzubilden und den eigenen fachlichen Neigungen besser nachkommen zu können. Bachelorabsolventen, die sich gegen die Aufnahme eines Masterstudiums entscheiden, wollen in erster Linie möglichst bald Geld verdienen, sehen gute Berufschancen mit dem Bachelorabschluss oder haben ein festes Berufsziel vor Augen, das kein weiteres Studium voraussetzt.

Für die Untersuchung hat Autor Christoph Heine die verfügbaren Daten der Amtlichen Hochschulstatistik sowie Ergebnisse aktueller Untersuchungen und Analysen aus der empirischen Hochschulforschung vertiefend ausgewertet. Die Studie ist im Rahmen des Konsortiums „Bildungsindikatoren und technologische Leistungsfähigkeit“ entstanden und hatte einen besonderen Fokus auf die MINT-Fachrichtungen.