Zukunft der Arbeit Unternehmer führt den 5-Stunden-Tag ein bei gleichem Gehalt

Als bundesweit erster Unternehmer lässt Lasse Rheingans nur noch 5 Stunden arbeiten, bei gleichem Gehalt. Um 13 Uhr ist Schluss. Was denkt sich dieser Rheingans?

In Bielefeld, mitten in der so innovativen wie traditionsreichen Region Ostwestfalen-Lippe hat Lasse Rheingans etwas Radikales gewagt, ein Experiment:  in seiner Agentur Rheingans Digital Enabler müssen 13 Angestellte seit rund einem Monat nur noch 5 statt 8 Stunden am Tag arbeiten. Bei gleichem Gehalt, wohlgemerkt.

Wie das geht? Die Bertelsmann-Stiftung und Autor Alex Kahl haben sich mit der Thematik in ihrem Blog »Zukunft der Arbeit« auseinandergesetzt.

Durch smarte und effiziente Arbeit, erzählt der Unternehmer ZukunftderArbeit-Autor Kahl. Rheingans hebt den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität hervor: Effizienz bedeute, die »Dinge richtig« zu tun, Effektivität, die »richtigen Dinge« zu tun.

Was bedeute, dass man zwar sehr effizient Tätigkeiten erledigen könne, die einen aber mit Blick auf ein gemeinsames Ziel nicht unbedingt weiter brächten. Dann sei man zwar effizient, aber nicht effektiv.

In der industriell geprägten Wirtschaft, in der die Arbeitsleistung daran gemessen werden könne, wie oft ein und derselbe Handgriff im Zeitfenster von 8 Stunden durchgeführt wurde, war Effizienz eine sinnvolle Maßgabe.

Die digitalisierte Wirtschaft funktioniere aber anders. Hier müsse lösungsorientiert – also auch effektiv – gearbeitet werden. Ob die Lösung einen oder 1000 Handgriffe benötige und wie lange die Lösung dauere, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. Das habe Rheingans erkannt und nach Wegen gesucht, die richtigen Dinge besser zu tun und die falschen Dinge nicht mehr zu tun.

Herausgekommen ist das 5-Stunden-Experiment. Aber um drei Stunden einzusparen, muss die Zeit ja irgendwo reingeholt werden.

Dazu wurden Zeitfresser eliminiert, beispielsweise Meeting-Zeit. In Rheingans’ Agentur wurden Meetings auf den Standard von 15 Minuten statt einer Stunde verkürzt. Andere Zeitfresser wurden durch Eigenverantwortung abgelöst.

Rheingans denkt dabei an typische Büro-Traditionen wie erste Stunde eines Arbeitstages, die meist fürs Ankommen, Kaffee kochen und ratschen mit Kollegen draufgeht. Ähnliches gilt in gleicher Länge für die Zeit nach dem Mittagessen. Handy-Nutzung frisst weitere 5-15 Minuten, gleiches gilt für berufliche und private E-Mails und Social-Media-Kontakte. Und in der letzten halbe Stunde vor Arbeitsende sind viele Menschen bereits gedanklich im Feierabend.

Natürlich, so erzählt Rheingans, werde in seiner Firma auch mal Kaffee geholt und dabei geplaudert. Aber da allen Beteiligten klar sei, dass man um 13 Uhr nach Hause wolle, sorgt das offenbar für genug Disziplin, um das gemeinsame Ziel und Respekt gegenüber der Arbeitszeit jedes einzelnen nicht aus den Augen zu verlieren.

Die soziale Kultur leide laut Rheingans in der Bielefelder Agentur übrigens nicht. Als Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Methode vermutet Autor Alex Kahl »Menschen, die ihren Job lieben und intrinsisch motiviert sind«, etwa »Entwickler, die sich auch in ihrer Freizeit mit den neuesten Technologien und eigenen Projekten beschäftigen, oder Online-Marketer, die sich neben der Arbeitszeit privat und mit Spaß in Social Media Kanälen bewegen und so ganz natürlich die Mechaniken dieser Kanäle verstehen und ihre Erfahrung wieder mit in die Arbeit einbringen.«

Seit den ersten Zeitungsberichten über Lasse Rheingans‘ Methode steht das Telefon der Agentur nicht mehr still, zudem erreichten »viele hochkarätige Bewerbungen den Chef. »Und einige davon werden garantiert in die engere Wahl kommen.«

Möglicherweise möchten weitere Unternehmer ein eigenes Arbeitszeit-Experiment starten: Den gesamten Beitrag von Alex Kahl kann man hier nachlesen.

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