"Und irgendwann wartet das Publikum nur noch auf den nächsten Versprecher" Über das A und O einer guten Rede

Jetzt beginnt die Zeit der Jahresabschluss- und Weihnachtsfeier-Reden. Damit der Vortrag die Zuhörer nicht anödet und Sie eine gute Figur machen, hier einige Tipps von Rhetorik-Trainer Ingo Vogel.

Reden halten ist Pflicht für Chefs. Ihre Ansprache gehört zum Standardprogramm jeder Weihnachtsfeier. Der Erfolg einer Rede hängt vor allem davon ab, wie sympathisch der Redner den Zuhörern ist. Aber auch der Aufbau und  die dramaturgische Gestaltung sind wichtig. „Was der Redner sagt, ist hingegen eher zweitrangig“, sagt Rhetorik-Trainer Ingo Vogel.  

Wie gewinnt ein Redner die Sympathie der Zuhörer? „Vor allem dadurch, dass er authentisch wirkt. Hierfür muss die Rede ihm auf den Leib geschneidert sein. Wenig glaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert. Oder ein Einzelkämpfer sich verbal mit allen Anwesenden verbrüdert. Das ist und wirkt nicht authentisch. Also gehen die Zuhörer auf Distanz.“

Die Zuhörer auf eine „Gedankenreise“ mitnehmen

Ein Redner gleiche einem Reiseführer, so Vogel. Er nehme seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise – zum Beispiel durch das vergangene Jahr. Also sollte er im Vorfeld überlegen: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, planen, empfiehlt Vogel.

Je nach Anlass gibt es dabei Unterschiede: Eine Ansprache bei einer Weihnachtsfeier sollte anders als eine Neujahrsrede konzipiert sein. Bei einer Weihnachtsfeier steht das gemeinsame Feiern zentral, bei einem Neujahrsempfang hingegen sollen die Zuhörer meist schon auf die Herausforderungen im neuen Jahr eingestimmt werden. „Also kann die Rede mehr Information enthalten und einen stärker appellativen Charakter haben“, rät Vogel.

Die richtige Planung

Beim Planen der Rede sollte der Redner wissen: Wer sitzt mir gegenüber? Sind die Zuhörer vorwiegend Mitarbeiter, die den Chef nur ein, zwei Mal pro Jahr sehen, sollte die Rede anders konzipiert sein, als wenn im Auditorium der engste Führungskreis sitzt. Ebenfalls wichtig ist: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Kennen sie sich gut oder treffen sie sich nur einmal jährlich? Gehören sie derselben Organisation an oder nicht? Denn wenn die Anwesenden Tag für Tag zusammenarbeiten, haben sie auch gemeinsame Erfahrungen. Auf diese kann der Redner sich beziehen. Sehen Sie sich hingegen nur einmal im Jahr, muss er auf andere Elemente zurückgreifen, um ihr Ohr zu finden. Zum Beispiel die Entwicklung in der Branche. Oder die gemeinsamen Befürchtungen aufgrund der aktuellen Eurokrise.