Ausbildungsmarkt leidet unter Corona Trend zum Studium statt zur Lehre

Corona ist laut VDMA Fluch und Segen für die Automation zugleich: Der Branchenumsatz werde 2020 zwar stark einbrechen, die Lehre aus der offenbar gewordenen Anfälligkeit der Wertschöpfungsketten könne aber nur mehr Automatisierung sein.

Die Folgen der Corona-Pandemie hinterlassen am Ausbildungsmarkt deutliche Spuren: Erstmals seit 2013 ist die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgegangen, besonders in der Gastronomie und in einigen technischen Berufen. Bewerber entscheiden sich zudem eher für ein Studium, Lehrstellen bleiben frei.

Bereits vor der Corona-Pandemie hatten Bäckereien, Logistikunternehmen oder Autowerkstätten Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. In diesem Jahr ist die Lage allerdings noch schwieriger, zeigen aktuelle Berechnungen, die das IW gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) auf Basis von Arbeitsmarktdaten erstellt hat: So suchten im Juni gerade einmal rund 417.000 Bewerber eine Ausbildung, ein Rückgang von etwa 43.000 bzw. neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Unternehmen meldeten rund 482.000 freie Stellen, knapp 47.000 weniger als im Vorjahr. Folglich dürften viele Stellen unbesetzt bleiben.

Der Hauptgrund: Ähnlich wie in früheren Krisenjahren schauen sich Jugendliche vermehrt nach Alternativen zur klassischen Ausbildung um. Das Studium gilt mitunter als krisensicher, der kleine Ausbildungsbetrieb um die Ecke eher nicht. Die Sorge ist bezogen auf den einzelnen Betrieb nicht unbegründet: Besonders in der Gastronomie ist die Zahl der Ausbildungsstellen geschrumpft, allein im Juni 2020 meldeten die Gastronomen 16 Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr. Ähnlich stark sind die Auswirkungen im Maschinenbau und bei Logistikunternehmen. Recht krisensicher erweisen sich dagegen Betriebe in der Ver- und Entsorgung sowie im Tiefbau; diese Unternehmen bilden sogar mehr aus als in früheren Jahren. Generell gilt: Nach einer Ausbildung sind die Arbeitsmarktchancen für beruflich Qualifizierte sehr gut – sie sind sogar seltener arbeitslos als Akademiker.

Unternehmen und Auszubildende könne auf Hilfe von der Politik hoffen und etwa das neue Bundesprogramm »Ausbildungsplätze sichern« in Anspruch nehmen. Kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe erhalten eine Prämie in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro, wenn sie ihr Ausbildungsniveau halten oder gar erhöhen, Kurzarbeit vermeiden oder Auszubildende von insolventen Betrieben übernehmen. »Ob diese Ausbildungsprämie wirklich viele zusätzliche Ausbildungsplätze schafft und nicht nur Mitnahmeeffekte erzielt, muss sich aber erst noch zeigen«, sagt IW-Ausbildungsexperte Dirk Werner.

Sinnvoll sei es, die Prämie stärker auf Berufe mit Fachkräftemangel zu fokussieren und die Übernahme von Insolvenz-Azubis stärker zu fördern. Außerdem bräuchten viele Unternehmen Unterstützung bei der Vermittlung, die dieses Jahr durch die Corona-Pandemie stark verzögert abläuft.