Arbeitgeber und ihr Image Studie stellt Arbeitgeber-Rankings in Frage

Daimler, BMW oder doch lieber Continental? Die Automobilbranche ist für viele Nachwuchsingenieure attraktiv.

Eine neue Studie stellt den Sinn von Arbeitgeber-Rankings in Frage. Befragte kreuzen für solche Listen nämlich nach Image der Produktmarke an und nicht nach der Qualität der Arbeitgeberleistungen. Für den Mittelstand ist das eine gute Nachricht.

Employer Telling ist eine Unternehmensberatung für Arbeitgeberattraktivität. Dahinter stehen die beiden Kölner Sascha Theisen und Dr. Manfred Böcker, die sich als PR-Berater ausschließlich auf Arbeitswelt- und Personalmanagementthemen spezialisiert haben. Ihre Kritik, u.a. sichtbar in der 2015 veröffentlichten Analyse „Club der Gleichen – eine Analyse der Karriere Webseiten der DAX30“: In ihrem Dialogverhalten in Richtung Bewerber gleichen sich Arbeitgeber wie ein Ei dem anderen, alle schreiben das Gleiche. Der Nutzen für den Bewerber: Null.

Nun folgte eine weiter Analyse, diesmal wurden Arbeitgeber-Rankings auf den Prüfstand gestellt. Ergebnis: Die große Mehrheit der Bewerber in Deutschland hat gar keinen Wunscharbeitgeber. Sieben von zehn geben laut einer Umfrage an, über keinen Wunscharbeitgeber (“Employer of Choice“) zu verfügen. Bei den restlichen Befragten kommen selbst die meist genannten Arbeitgeber wie Google und BMW nur auf einen Gesamtanteil von knapp über 1 %.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Employer Telling. In deren Auftrag hat das Marktforschungsinstitut respondi 1.052 Menschen mit akademischem Hintergrund befragt, die sich in den vergangenen zwei Jahren beworben haben.

Auf die Frage „Bei welchem Arbeitgeber würden Sie am liebsten arbeiten?“ wählten 70,2 % der Befragten die Option „Ich habe keinen Wunscharbeitgeber“. 29,8 % machten von der Möglichkeit Gebrauch, ihren bevorzugten Arbeitgeber in einem Freitextfeld zu nennen. Selbst die am häufigsten genannten Unternehmen kamen hier nicht über einen Anteil an der Gesamtheit aller befragten Bewerber von knapp über ein Prozent hinaus. Neben Google und BMW wurde der „Öffentliche Dienst“ mit 11 Nennungen am häufigsten genannt.

Die Studie stellt damit die gängige Praxis von Arbeitgeber-Rankings in Frage: Verschiedene Anbieter legen Studierenden, Absolventen oder akademischen Berufsstartern Listen mit mehr als 100 Unternehmen vor, deren Attraktivität als Arbeitgeber sie bewerten sollen. Wer diesen Wettbewerb der gestützten Bekanntheit gewinnt, gilt fortan als „Employer of Choice“ oder als „Wunscharbeitgeber“ gefragter Kandidaten und wirbt mit diesem Titel beispielsweise auf Karriere-Webseiten oder Stellenanzeigen. Die Studie zeigt nun, dass eine solche Schlussfolgerung Fiktion ist, weil die Teilnehmer offenbar nur nach Bekanntheit der Produktmarke und nicht nach der Qualität von Arbeitgeberleistungen antworten.

Employer Branding auf dem Prüfstand

„Die handelsüblichen Rankings zeigen die Stärke von Unternehmens- Produkt- und Dienstleistungsmarken und treffen kaum eine Aussage über davon zu trennende ‚Arbeitgebermarken‘“, sagt Dr. Manfred Böcker, von Employer Telling. „Im Grunde stellt das Ergebnis den Begriff „Employer of Choice“ in Frage. Das ist eine gute Nachricht für den Mittelstand, weil Bewerber mehrheitlich nicht auf einen bestimmten ‚Traumarbeitgeber‘ festgelegt sind.“, so sein Kollege Sascha Theisen.