Arbeitsmarkt Studie: Deutschlands Arbeitsmarkt ist zu unflexibel

Um passende Nachwuchskräfte und erfahrene Spezialisten zu gewinnen, sind Unternehmen immer häufiger auf flexible Arbeitsmodelle angewiesen - aber dies wird ihnen in Deutschland immer noch schwer gemacht, heißt es in der Analyse. 

Der Contingent Workforce Index (CWI) der Manpower Group, ein weltweit agierender Personaldienstleister, stellt dem deutschen Arbeitsmarkt ein schlechtes Zeugnis aus. Es mangelt an Flexibilität, meinen die Autoren. Spitzenreiter in Europa ist Großbritannien.

Im aktuellen CWI liegt Deutschland mit einem Indexwert von 2,17 weltweit auf Rang 48. Andere große Wirtschaftsnationen schneiden hier deutlich besser ab, etwa die USA (Platz 6) oder China (Platz 13). Auch im Ranking der europäischen Staaten erreicht Deutschland lediglich Platz 24 und liegt damit nur knapp vor den Schlusslichtern Schweden, Italien und Frankreich. 

Unternehmen auf der ganzen Welt stehen komplexen Herausforderungen und einem tiefgehenden strukturellen Wandel der Gesellschaft gegenüber. Das zeigen die Indexdaten eindrucksvoll: Während Weltmarktführer wie die USA aus den Top 5 verschwunden sind, ist Indien innerhalb eines Jahres von Rang 24 auf Rang 5 aufgerückt. Auch die asiatischen Tigerstaaten Singapur und die Philippinen sind nun in den Top 5 vertreten.

Der demografische Wandel macht sich jetzt deutlich bemerkbar. Um passende Nachwuchskräfte und erfahrene Spezialisten zu gewinnen, sind Unternehmen immer häufiger auf flexible Arbeitsmodelle angewiesen - aber dies wird ihnen in Deutschland immer noch schwer gemacht, heißt es in der Analyse. 

Großbritannien führt Europaranking an 

Großbritannien (weltweit auf Platz 9, in Europa Platz 3) steht mit einem top ausgebildeten Pool an verfügbaren englischsprechenden Arbeitskräften weit vorn im Ranking des Contingent Workforce Index, so die Autoren.

An Großbritanniens Führungsrolle als flexibler Arbeitsmarkt hingegen werde der im Juni per Referendum beschlossene EU-Austritt auf lange Sicht nicht viel ändern. Während Irland, Norwegen und die Niederlande ebenfalls gut bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften abschneiden, weisen Staaten wie Dänemark, Österreich oder die Schweiz vergleichsweise moderate Arbeitsmarktregulierungen auf - hier haben es Unternehmen leichter, Arbeitsverträge an aktuelle Marktbedürfnisse anzupassen.

Deutschland erreicht durchgehend nur niedrige Werte. Vor allem in den Bereichen der Kosteneffizienz und der staatlichen Regulierung droht der deutsche Markt den Anschluss zu verlieren. Die Analyse: Die Produktivität ist hoch, aber die starren gesetzlichen Bestimmungen und die vergleichsweise hohen Lohnkosten könnten die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zunehmend bremsen.

Alternative Flexibilisierungsformen wie Outsourcing und Zeitarbeit spielen für den deutschen Arbeitsmarkt bisher nur eine kleine Rolle. Dass sie zunehmend notwendig sind, um Unternehmen international wettbewerbsfähig zu machen und zu halten, untermauern die Ergebnisse des aktuellen CWI, behaupten die Autoren.    

Der Contingent Workforce Index entsteht aus den Durchschnittswerten vier zentraler Faktoren: Verfügbarkeit von Arbeitskräften, regulatorische Beschränkungen, Arbeitskosten und Produktivität. Diese Kennziffern werden jedes Jahr neu gewichtet und angepasst, um die Bedürfnisse und Trends der weltweiten Arbeitsmärkte zu reflektieren. 

In den Index fließen Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltbank und der nationalen Arbeitsministerien ein, außerdem werden geopolitische Aspekte in die Bewertung eingerechnet.