Forschungsförderung Steuererleichterung für Entwicklungsprojekte – wer profitiert?

Michael Zahm, PFIF: »Eine qualifizierte Förderberatung ist ein erheblicher Erfolgsfaktor, damit Unternehmen eine optimale Finanzierung für ihre Projekte erhalten. Zumal durch Erfahrungen in der Antragstellung und Abwicklung die Erfolgsaussichten und der Umfang der Förderung optimiert werden.«

Seit Anfang des Jahres können Unternehmen Personalausgaben für Forschung und Entwicklung rückwirkend steuerlich geltend machen. Das hat gegenüber der klassischen Projektförderung den Vorteil, dass innovative Projekte sofort begonnen werden können. Tipps vom Fördermittelberater.

Bei der bisher üblichen Förderung durch Bund, Länder oder EU mussten Betriebe mit dem Projektstart bis zur Bewilligung der Gelder warten oder den oft sehr umfangreichen Antrag gestellt haben. Das kann sich Monate hinziehen und steht den schneller werdenden Entwicklungszyklen der Wirtschaft entgegen.

Doch seit Anfang des Jahres können Unternehmen Personalausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) rückwirkend steuerlich geltend machen.
Die Bundesregierung, die als eines der letzten EU-Länder diese Förderung einführt, stellt für die kommenden vier Jahre fünf Milliarden Euro in Aussicht. Pro Jahr und Unternehmen ist der Betrag auf 500.000 Euro gedeckelt. Experten wie Michael Zahm, Geschäftsführer von Partner für Innovation und Förderung (PFIF), vermuten, dass vor allem mittelständische Betriebe ab 200 Mitarbeitern oder besonders entwicklungsstarke Startups von der steuerlichen Neuregelung profitieren werden.

Nachteil der neuen Förderungsmöglichkeit: Der Bund fördert nur die Personalkosten plus einen Aufschlag von 20 Prozent für die Lohnnebenkosten, aber nicht Material, Reisekosten oder Unteraufträge. Außerdem müssen sich die Unternehmen entscheiden, ob sie auf die klassische Projektförderung setzen oder die steuerliche Förderung. Denn eine Doppelförderung für ein FuE-Projekt ist ausgeschlossen.

Michael Zahm hat deshalb vier Tipps für die Antragssteller:

  • Die steuerliche Förderung ersetzt nicht die Projektförderung, denn bei letzterer können Unternehmen deutlich höhere Zuschussquoten von bis zu 60 Prozent beantragen und weitere Kostenblöcke ansetzen. Deshalb ist über die bekannten Zuschussprogramme eine höhere Förderung möglich. Für Unternehmen bedeutet das, vor Projektstart erst zu prüfen, ob ein lukrativerer Zuschuss beantragt werden kann. Und falls das nicht möglich ist, dann die Steuerzulage zu beantragen. Das ist übrigens auch für abgelehnte Zuschussprojekte möglich.
  • Die steuerliche Zulage muss ebenfalls beantragt werden. Allerdings werden die Anforderungen gegenüber der klassischen Projektförderung weniger bürokratisch sein. Auch wird der Innovationsanspruch vermutlich geringer sein als für die Projektförderung – so die bisherige Erfahrung aus anderen EU-Ländern. Grundsätzlich muss das Vorhaben allerdings der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung oder der experimentellen Entwicklung dienen, sagt der Förder-Versteher aus Lahr bei Freiburg. Es reicht voraussichtlich keine einfache Konstruktion zur Optimierung des Produktdesigns oder zur Verbesserung der Marktgängigkeit.
  • Größter Unterschied der beiden Fördervarianten ist, dass die steuerliche Förderung jährlich rückwirkend – nach Abschluss des Geschäftsjahres der Firma – beantragt werden muss.Das Unternehmen muss die Projektkosten für das Finanzamt nachvollziehbar dokumentieren und von anderen geförderten Projekten abgrenzen können, sagt Zahm und empfiehlt Unternehmen, Anfang kommenden Jahres eine entsprechende Kostenerfassung zu beginnen. Daraus ergibt sich auch ein großer Nachteil der steuerlichen Förderung: Die Gelder stehen den Unternehmen deutlich später als bisherige Zuschüsse zur Verfügung, die Kosten müssen somit länger vorfinanziert werden.