Arbeitgeberbewertungsportale Sternchen sammeln auf Kununu und Co.

Puls präsentiert sich auf kununu unter anderem mit einem Imagefilm.

Unternehmen nutzen Arbeitgeberbewertungsportale zu selten als Teil einer ganzheitlichen Employer-Branding-Strategie. Dabei liefern diese Portale Bewerbern häufig die fehlenden Puzzleteilchen für eine Entscheidung: authentische Informationen von (ehemaligen) Mitarbeitern.

Wie können Unternehmen von Arbeitgeberbewertungsportalen profitieren? Die Puls GmbH legt viel Wert auf ihr modernes Arbeitsumfeld, für das sie auch schon Preise einheimste. »Wie bei Google«, schreibt ein Mitarbeiter auf der Bewertungsplattform kununu. Insgesamt kommt der Entwickler von Hutschienen-Netzteilen recht gut weg: 3,78 von 5 möglichen Sternen wurden in 48 Bewertungen vergeben. Kritik gibt es aber auch zu lesen: Am 4. Juli letzten Jahres machte ein Mitarbeiter seinem Ärger Luft und vergab die Note „Tendenziell schlecht“; offenbar gab es Probleme mit dem Vorgesetzten, dessen Verhalten er als „katastrophal“ notiert. Die Bewertung am Ende: 1,46 von 5 möglichen Punkten.

Wie geht man mit solchen Bewertungen um? Einfach ignorieren? Gar kununu zur Prüfung vorlegen? Die HR-Leitung von Puls reagierte wie aus dem Lehrbuch: »Liebe Kollegin, lieber Kollege, vielen Dank für Ihre Bewertung – auch wenn wir bedauern, dass diese negativ für uns ausfällt. Da für uns Feedback sehr wertvoll ist, möchten wir Sie dazu ermutigen, mit einer/m Kollegin/Kollegen aus HR oder einer Führungskraft Ihres Vertrauens in Kontakt zu treten, um Ihre Kritikpunkte näher zu erläutern. Nur so können wir gemeinsam konstruktiv an Veränderungen arbeiten. Uns ist es wichtig, mit Ihnen gemeinsam Ihr Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass Sie sich wohlfühlen. Herzliche Grüße, Ihr HR-Team.«

Arbeitgeber müssen mit Arbeitgeberbewertungsportalen nicht nur leben. Sie sollten sie sogar aktiv in ihre Employer-Branding-Strategie einbeziehen. Denn laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage von 2018 gewinnen sie als Informationsquelle immer mehr an Bedeutung. Seit 2015 ist die Zahl derjenigen, die sich auf Online-Plattformen wie meinchef.de, jobvoting.de, jobvote.com, companize.com oder eben kununu.com informieren, um sieben Prozentpunkte gestiegen. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat jeder Zweite (52 Prozent) schon einmal Online-Arbeitgeberbewertungen gelesen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 46 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 39 Prozent. »Ob zur groben Orientierung oder zur Überprüfung nach einem ersten Kontakt: Online-Rezensionen spielen in der Arbeitswelt genauso wie in anderen Bereichen – etwa bei Produkten, Hotels oder Dienstleistungen – eine immer größere Rolle«, sagt Bitkom-Expertin Juliane Petrich.

Arbeitgeber sollten die Bewertungen daher ernst nehmen. Ob ein Arbeitgeber (überhaupt) auf eine Online-Bewertung reagiere und wie er reagiere, könne sehr zum Image der Firma beitragen; »für viele Berufstätige sind Online-Bewertungen die erste Visitenkarte eines Arbeitgebers«, weiß Petrich. Wie ein Arbeitgeber beurteilt wird, hat auch große Auswirkungen darauf, ob sich ein geeigneter Kandidat für einen Job überhaupt bewirbt. Laut Umfrage haben sich 54 Prozent aufgrund von Online-Bewertungen schon einmal gegen einen Arbeitgeber entschieden.