Strom-Autos: Internationaler Wettlauf um die Marktführerschaft Steigender Bedarf an Ingenieuren für Elektromobilität

Die Entwicklung des Bedarfs an Fachkräften für Elektromobilität beziffert das IW von heute 20.000 auf rund 26.000 pro Jahr 2020.
Die Entwicklung des Bedarfs an Fachkräften für Elektromobilität beziffert das IW von heute 20.000 auf rund 26.000 im Jahr 2020.

Laut einer Studie von Deutsche Bank Research und Institut der Deutschen Wirtschaft Köln werden für die Produktion von Elektroautos zusätzliche Fachkräfte benötigt. Den jährlichen Anstieg des Bedarfs an „passenden“ Ingenieuren und Naturwissenschaftlern beziffern beide Institute von heute 20.000 auf rund 26.000 im Jahr 2020. Wie sichert sich die Industrie den Nachwuchs? Und welchen Einfluss hat die gewaltige Subventionierung der Elektromobilität in China auf den deutschen Arbeitsmarkt?

26.000 Fachkräfte pro Jahr benötigt die Industrie 2020 für die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von E-Fahrzeugen, so lauten Schätzungen von Deutsche Bank Research und IW Köln. Wohlgemerkt, bei einer eher bedächtigen Entwicklung der Elektromobilität. Denn beide Institute sehen noch große Hürden: Das Elektroauto soll auch noch 2020 allen ambitionierten Plänen zum Trotz ein Nischenprodukt sein: zu teuer, zu wenig Reichweite, macht zu wenig Käufer, gleich unrentabel. Die Cash-Cow bleibe der Benzinmotor. 

Vollgas gibt dagegen China. Aus mehreren Gründen: zum einen ist der Wettkampf beim konventionellen Antrieb ohnehin unaufhaltbar verloren, zum anderen kämpft das industrialisierte China mit Umweltproblemen und Smog wie kein zweites Land. Die Ausgangsbasis bei der Entwicklung von „New energy cars“ ist zudem nicht schlecht: Im Bereich Batterietechnik sehen Experten das Land der Mitte führend vor Japan.

Einer neuen Studie des German Institute of Global and Area Studies zufolge definierte die chinesische Regierung die Elektromobilität daher zum Leitmarkt und investiert bis 2020 umgerechnet 11,4 Milliarden Euro in seine Entwicklung. Im Fokus stehen vor allem eigene Elektro-Kleinwagen für den chinesischen Markt.

China ist indes für deutsche Autobauer zum wichtigsten Markt geworden. 2010 verkaufte VW hier mit zwei Mio. Fahrzeugen fast ein Drittel des Gesamtkonzernumsatzes.  Audi lieferte in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr Autos aus als in Deutschland. Für Porsche ist China bereits der zweitgrößte Markt, für Mercedes der dritt- und für BMW der viergrößte. Die Branche profitiert dabei von der Sehnsucht nach westlichen Statussymbolen – 460.000 Autos der Luxuskategorie fanden in China 2010 einen Käufer – 20 Prozent mehr sollen es 2011 sein. Damit hat China die USA als wichtigsten Markt abgelöst.

Eine komfortable Situation für VW und Co., denn den Wettlauf im konventionellen Motorensegment wird China nicht mehr gewinnen, nach Ansicht von chinesischen Experten hinkt das Land hier 20 Jahre zurück.  Umso emsiger wird der Wettlauf bei „new energy cars“ angegangen. Dass das Reich der Mitte dank dieser Anstrengungen im Jahr 2020 Weltmarktführer bei E-Mobilen sein könnte, hält die Boston Consulting Group für „nicht unrealistisch“.

Dr. Andreas Dinger, Partner und verantwortlich für das Thema E-Mobilität bei The Boston Consulting Group (BCG): "Unter der Annahme, dass die chinesische Regierung die Verbreitung von Elektroautos weiterhin forciert, werden nach einer BCG-Studie in China bis zum Jahr 2020 Elektroautos voraussichtlich sieben Prozent aller verkauften Fahrzeuge ausmachen. Durch das immense Gesamtvolumen des Marktes wird China damit zum weltweit größten Markt für Elektroautos. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der chinesische Markt unberechenbarer ist als alle anderen Märkte. So liegt dort in diesem Jahr und voraussichtlich auch in den nächsten Jahren der Absatz von Elektroautomobilen deutlich hinter den ambitionierten Zielen der chinesischen Regierung und der Automobilhersteller zurück. Deshalb sind über die aktuellen Prämien und Subventionen hinaus weitere Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität in China zu erwarten."

Was bedeutet das alles für den deutschen Ingenieurarbeitsmarkt? Wenn die Musik in China spielt, folgt dann bald das ganze Orchester? Und versucht nicht die Automobilindustrie bereits, Entwicklung immer stärker nach Asien auszulagern? Lars Stolz von der Unternehmensberatung Oliver Wyman sieht keine Gefahr: „Mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs entsteht über die nächsten Jahre hinweg ein ganz neues Segment. Mittel- und langfristig gehen über 10 Prozent der Wertschöpfung auf E-Mobility-Module zurück. Die Gefahr, dass die Entwicklung nach Asien abwandert, sehen wir nicht. Deutsche Unternehmen sind führend in Forschung & Entwicklung. Diese Stellung werden sie auch beibehalten wollen.“

Und was ist mit dem zweiten Trend, der starken und weiter zunehmenden Auslagerung von Projekten an Dienstleister? In machen Abteilungen von Autokonzernen arbeiten neben der Kernbelegschaft bis zu 50 Prozent Fremd-Ingenieure, die weniger verdienen und die als erste gehen müssen, wenn der Absatz sinkt. Lars Stolz beruhigt auch hier: „Für die Unternehmen ist es wichtig, das wesentliche Wissen im Haus zu behalten. Die Entwicklung – insbesondere von Kernkompetenzen – wird nicht in größerem Umfang an Dienstleister outgesourct, sondern mit eigenen Ingenieuren besetzt werden.“