Jobwechsel in Japan Start-up übernimmt die Kündigung

Dem japanischen Arbeitsethos zufolge bleiben Japaner ihrem Chef ein (Arbeits-)leben lang treu und schuften stets bis zum Umfallen. Zwar haben sich 2017 über 5 Millionen Japaner getraut, zu kündigen. Doch es bleibt eine peinliche Angelegenheit. Ein Startup hat die Marktlücke erkannt.

In Japan gibt es einen Begriff für ‚Tod durch Überarbeitung‘: Karoshi. Es ist das traurige Ende von viel zu vielen Überstunden, Druck, Überlastung und zu wenig Schlaf. Seit dem Selbstmord einer 24-jährigen Mitarbeiterin des Konzerns Dentsu im Jahr 2015 sind japanische Firmen angehalten, ihre extreme Arbeitsethik entschärfen.

Doch eine Kultur ändert man nicht so leicht. Die wenigsten Japaner trauen sich, dem Chef mitzuteilen, dass man ihn zu verlassen gedenkt.   

Die undankbare Aufgabe können Japaner nun an ein Startup delegieren: »Wir sind hier, um unseren Kunden diese Last abzunehmen«, sagt Gründer Toshiyuki Niino von Senshi im Interview mit der Japan Times.  Das Startup haben er und sein Jugendfreund Yuichiro Okazaki im vergangenen Jahr gegründet.

Gegen eine Gebühr von 50.000 Yen (rund 390 Euro) für Vollzeitmitarbeiter und 40.000 Yen (308 Euro)  für Teilzeitmitarbeiter überbringt Senshi anstelle des Mitarbeiters die Kündigung, regelt Urlaubsansprüche und benennt das Austrittsdatum. In der Regel muss der- oder diejenige dem Chef nicht mehr unter die Augen treten. Stammkunden bekommen Rabatt.

Abfindungspakete zu verhandeln gehöre jedoch nicht zum Service, ist in der Japan Times zu lesen. In der Regel ist das Arbeitsverhältnis dann schnell vorbei, da die gesetzliche Kündigungsfrist in Japan zwei Wochen beträgt und laut Verfassung die freie Berufswahl garantiert wird. 

Offenbar wird das Angebot rege gebucht: Seit der Gründung vor einem Jahr sind Niino und Okazaki fast  800 mal tätig geworden: Höhere Löhne und die Aussicht auf weniger Maloche treiben die Wechselwilligen in die Dienste von Senshi.