VDE: Absolventen können in Rente gehende Ingenieure bald nicht mehr kompensieren Starke Verschärfung des Ingenieurmangels erst ab 2020 erwartet

Der Engpass an Fachkräften war 2011 nicht so ernst wie 2000: Der Großteil der Betriebe konnte seinen Fachkräftebedarf im vergangenen Jahr vollständig decken, zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Doch ab 2020 wird es ernst.

Die neue Studie beruht auf dem IAB-Betriebspanel, einer jährlich durchgeführten repräsentativen Befragung von 16.000 Betrieben. Viele Firmen reagieren aber bereits auf die drohende Verschärfung der Fachkräfteengpässe durch den demografischen Wandel. Der Fachkräftebedarf lag 2011 sogar über dem bisherigen Höchststand im „IT-Bubble“-Boomjahr 2000, stellten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher fest.

Der Problemdruck war dabei jedoch etwas geringer als vor gut zehn Jahren: Acht Prozent der Betriebe konnten im ersten Halbjahr 2011 Fachkräftestellen nicht besetzen. Dieser Anteil stieg in den letzten Jahren zwar deutlich an, erreichte aber nicht den bisher höchsten Wert von zehn Prozent aus dem Jahr 2000. „Besetzungsschwierigkeiten hängen genauso wie die Höhe des Fachkräftebedarfs von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab“, erklären die Forscher des IAB.

 

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Wie sich der Bedarf an Elektroingenieuren in Zukunft entwickeln wird.

Der VDE sieht eine wesentliche Verschärfung der Situation spätestens ab 2020, denn ab da komme die demographische Entwicklung voll zum Tragen und der Ersatzbedarf durch in Rente gehende Ingenieure werde durch die Zahl der Absolventen nicht mehr aufgefan

In der Studie geben die Forscher zu bedenken, dass für einen Betrieb selbst einzelne offene Fachkräftestellen durchaus ein Problem sein können. Die Betriebe würden darauf mit verschiedenen Strategien reagieren, zumal viele von einer Verschärfung der Fachkräfteengpässe ausgehen: So wollte im Jahr 2011 beispielsweise jeder vierte Betrieb seine älteren Beschäftigten länger im Betrieb halten. Vier Jahre zuvor waren es nur 16 Prozent. Während die Ausbildungsbeteiligung insgesamt im Wesentlichen stabil blieb, ist die Übernahmequote nach der Ausbildung deutlich gewachsen und jetzt auf einem Rekordniveau: Mehr als zwei Drittel der Ausbildungsabsolventen wurden 2011 vom Ausbildungsbetrieb übernommen.

Auch die Weiterbildungsbeteiligung der Betriebe ist gestiegen und hat mit 53 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Vier Jahre zuvor lag der Wert bei 45 Prozent, im Jahr 2000 lediglich bei 37 Prozent. Die Weiterbildungsquote, also der Anteil der Mitarbeiter, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben, an allen Beschäftigten aller Betriebe stieg auf 30 Prozent. Vier Jahre zuvor betrug sie lediglich 23 Prozent. Nach wie vor nehmen ältere Arbeitnehmer in geringerem Maße an betrieblich unterstützter Weiterbildung teil als jüngere Kollegen. Ihr Anteil hat aber immerhin deutlich zugenommen.
Derzeit seien der Ausbau der Weiterbildung von Mitarbeitern, die verstärkte Ausbildung von Fachkräften, aber auch die Schaffung von attraktiven Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben weit oben auf der Agenda, berichten die IAB-Forscher.

Der VDE sieht eine wesentliche Verschärfung der Situation spätestens ab 2020, denn ab da komme die demographische Entwicklung voll zum Tragen und der Ersatzbedarf durch in Rente gehende Ingenieure werde durch die Zahl der Absolventen nicht mehr aufgefangen. Zusätzlicher Stellenbedarf, etwa durch Expansion, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. (Nähe Infos dazu  in unserer Bildergalerie.)