Leser-Reaktion zum Thema "Burnout" "Ständig wird einem erzählt, wie teuer man ist"

"Der Druck steigt", "ständige zeitliche und psychische Belastung","ständig wird einem erzählt, wie teuer man ist". Unsere Leser berichten, wie sie mit den täglichen Anforderungen umgehen. Und ein Projektleiter mit Personalverantwortung nennt seine Ansprüche.

"Ständig wird einem erzählt, wie teuer man ist"

Derzeit bin ich in der Automotive-Branche als Informatiker in der Embedded-Entwicklung tätig. Die Firma ist ein weltweit operierendes Unternehmen und hat mehrere Tausend Mitarbeiter. Ich bin der festen Überzeugung, dass es keinen Fachkräftemangel gibt. Ich habe dafür zwar keine wissenschaftlichen Belege, aber das Verhalten der Arbeitgeber deutet darauf hin, dass ich recht habe. Meiner Ansicht nach fordern die Arbeitgeber einfach Unmögliches. Die Fachkräfte sollen mehrere unterschiedliche, aber exotische Themen beherrschen, die in diesen Kombinationen nur selten vorkommen. Wenn sie keinen passenden Kandidaten finden, stellen sie sich einfach hin und behaupten, es gäbe keine geeigneten Leute. Jedoch sind wir Ingenieure und somit befähigt, uns in neue Themen ein zu arbeiten.

Fakt ist, man kann sich auf Stellen bewerben, bei denen die Anforderungen aus den Stellenanzeigen fast deckungsgleich mit den eigenen Fähigkeiten sind. Nur Kleinigkeiten kann man ohne Einarbeitung oder Fortbildung nicht erfüllen. Trotzdem wird es oft nichts mit einem Vorstellungsgespräch. Viele machen sich nicht einmal die Mühe, eine Absage zu schreiben. Dies habe ich mehrfach erlebt und auch im Kreis meiner Bekannten wurde mir ähnliches berichtet. Die Arbeitgeber sind einfach nicht dazu bereit, in ihre Mitarbeiter zu investieren und diese zu fördern.
Es gibt noch weitere Argumente, die ich anführen könnte. Zum Beispiel richtet sich der Preis normalerweise nach Angebot und Nachfrage. Warum kann es dann sein, dass Manager Millionen verdienen, während Ingenieure zwischen 50.000 und 80.000 liegen?

Dazu kommt die ständige zeitliche und psychische Belastung. Das Problem ist nicht der technische Anspruch. Mit diesem kommen die Fachkräfte gut klar. Bei uns wird bereits über einen langen Zeitraum 50 – 60 Stunden die Woche gearbeitet. Da ist man abends völlig fertig und es bleibt wenig Zeit sich um die privaten Dinge zu kümmern. Zusätzlich bekommt man von allen Seiten Druck und es wird einem ständig erzählt, wie teuer man ist und dass man das Gleiche viel billiger im Ausland bekäme. Deshalb sagt man jetzt auch nicht mehr Billig-Lohn-Länder, sondern Best Cost Countries.
Die tatsächliche tägliche Arbeitsleistung wird nicht mehr anerkannt. Stattdessen fordert man Unmögliches und wundert sich, dass die Qualität nachlässt. Vielleicht ist das aber auch Strategie. Dann hat man ein weiteres Argument mehr, ins Ausland zu verlagern.

Thomas Ellinger (Name von der Redaktion geändert)