Personalauswahl Sport im Lebenslauf wird überschätzt

Sport ist nicht mehr das Tüpfelchen auf dem i eines perfekten Lebenslaufes.
Sport ist nicht mehr das Tüpfelchen auf dem i eines perfekten Lebenslaufes.

Eine aktuelle Studie der Hochschule Osnabrück entzaubert ein gängiges Vorurteil in der Personalauswahl: Den Zusammenhang zwischen sozialer Kompetenz und sportlichem Engagement.

Als Tüpfelchen auf dem i eines perfekten Lebenslaufes erschien bis dato die erfolgreiche Zweit-Karriere als Sportler.

Und zwar je härter je lieber: Wer unter Hobbys „Finisher Iron Man Hawaii 2008 bis 2011“ angibt, löst  in Personalabteilungen mit ziemlicher Sicherheit positive Assoziationen wie Durchhaltevermögen, Zielorientierung, Fleiß, Strebsamkeit aus. Mannschaftssportler auf der anderen Seite gelten als perfekte Teamplayer, dieses Gütesiegel kann man nur noch durch den Hinweis toppen, seit dem aktiven Ausscheiden aus dem Leistungssport weiterhin aktiv die Jugendmannschaft zu trainieren. Mehr soziale Kompetenz geht nicht.

Stimmt nicht, bescheinigt nun eine neue Untersuchung der Hochschule Osnabrück. Wer Sport treibt, besitzt nicht automatisch eine höhere soziale Kompetenz. „Im Lebenslauf wird die Angabe, sportlich aktiv zu sein, von vielen Arbeitgebern gern gesehen und gilt als Indikator für soziale Kompetenz“, erläutert Prof. Dr. Uwe Kanning, Experte für Diagnostik und Personalauswahl an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Was laut dem Wirtschaftspsychologen auf den ersten Blick eine plausible Hypothese ist, deckt sich allerdings nicht mit tatsächlichen Erfahrungswerten.

360 Probanden füllten einen Fragebogen zur Messung sozialer Kompetenzen aus und gaben an, ob sie sportlich aktiv sind – entweder in einer Mannschaft oder in einer Einzelsportart. Das Ergebnis: „Im Abgleich unserer Erhebung mit einer Normstichprobe von 4000 Menschen konnten wir feststellen, dass es im Blick auf die soziale Kompetenz keine signifikanten Unterschiede gibt. Zudem unterscheiden sich Sportler nicht von Menschen, die keinen Sport treiben“, erklärt Kanning.

Trotzdem ist beim Blick auf die Methoden der Personalauswahl besonders die hohe Wertschätzung von Mannschaftssport allgegenwärtig. Beispielhafte Auszüge aus Ratgeber-Artikeln: „Üben Sie dagegen eine Mannschaftssportart aus, sagt dies einiges über Ihre Teamfähigkeit aus.“ Oder: „Wenn jemand im Verein Fußball spielt, ist er normalerweise durchsetzungsfähig und kann gut im Team arbeiten." Auch hier zeichnet die Osnabrücker Studie ein anderes Bild. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Mannschaftssportler teamfähiger sind als Einzelsportler“, berichtet Kanning. Der Wirtschaftspsychologe rät Unternehmen deshalb, keine Bewerber auszuladen, nur weil im Lebenslauf der Sport fehlt. „Das kann eine klare Fehlentscheidung sein. Und angesichts der in vielen Branchen insgesamt schrumpfenden Auswahl an Bewerbern sollten Personaler nicht voreilig handeln.“