Leserinnen-Reaktion zu „Frauenmangel in der Technik“ und „Fachkräftemangel“ „Sie sehen doch ganz gut aus, warum gehen Sie nicht zum Fernsehen?"

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, warum Frauen nur selten einen technischen Studiengang ergreifen, trotz angeblich bester Berufsaussichten. Folgende Erfahrungen haben zwei unserer Leserinnen gemacht.

B. K., Produktmanagerin bei einem Spezialisten für Verbindungstechnik:

„In schlage vor, den Fehler nicht bei der „romantischen Gefühlslage“ der Frauen zu suchen, sondern eher bei den Männern, für die es nach wie vor "komisch" ist, dass Frauen Ingenieur studieren. Ich selbst habe drei Semester geglaubt, Wirtschaftsingenieurwesen an der Uni studieren zu müssen. Nachdem ich bereits den ersten Teil der Physikklausur im ersten Semester vergeigt hatte, habe ich nach dem Nichtbestehen des zweiten Teils das Angebot einer individuellen Klausurbesprechung des Professors angenommen. Dabei hat er mir gesagt (O-Ton): "Also so wie ich das sehe, bestehen Sie die Physikklausur bei mir nie. Sie sehen doch ganz gut aus, warum gehen Sie nicht zum Fernsehen?"

Ich habe dann - aus anderen Gründen - das Studium an der FH fortgesetzt und durchgezogen. Aber das war nur eine Sache unter vielen, die man sich in diesem Studium/Beruf gefallen lassen muss (muss man eigentlich?). Wie schon früher von anderen Leserinnen bemerkt, braucht man ein dickes Fell. Ich bin nicht über die derzeitigen Gepflogenheiten an den heutigen Unis auf dem Laufenden (mein damaliger Professor war 1989 schon nicht mehr der Jüngste), aber im Grunde glaube ich, dass sich nicht viel geändert haben dürfte.  

„Masterabsolventin“ schreibt: „Ich glaube nicht an den Fachkräftemangel. 2008 kurz vor der Krise hatte man als Absolvent freie Auswahl am Arbeitsmarkt. Die Unternehmen reagierten prompt und waren auch dazu bereit, Absolventen einzuarbeiten. Ich hatte damals das Diplom (FH) im Maschinenbau. Aus persönlichen Gründen kündigte ich nach 1,5 Jahren und machte den Master an der Universität. Jetzt gelte ich für den Arbeitsmarkt leider wieder als reiner Absolvent. Sie können sich nicht vorstellen, was man dabei erlebt.
Zum Teil reagieren die Unternehmen erst mal gar nicht auf Bewerbungen. Bei Nachfrage nach mehreren Monaten erhält man Aussagen wie ‚der Bewerbungsprozess ist noch nicht abgeschlossen!’

Ich erhielt auch schon Anrufe: ‚Ihr Lebenslauf ist echt klasse. Menschen mit ihrem Drive braucht die Industrie. Doch leider suche ich jemanden ganz speziellen, der exakt in diesem Bereich spezifische Berufserfahrung über mehrere Jahre mitbringt! Keinen Absolventen!’

Die Aussage, wir wollen keine Absolventen einstellen und auch niemanden einarbeiten, sondern Leute mit spezifischer Berufserfahrung höre ich oft.
Leider bekam ich auch schon folgendes mit durch eine Tätigkeit während meines Studiums bei einem mittelständigen Unternehmen, das einen Berechnungsingenieur suchte. Es bewarben sich einige Absolventen der hiesigen Uni. Aussage des Chefs. "Da bewirbt sich nur Schrott! Ich will keine Absolventen der Uni XY. Die können nix! Das ist doch kein richtiges wissenschaftliches Studium!" Nach einigen Tagen kam die Aussage, bevor er einen Absolventen einstellt, holt er sich lieber einen Spanier oder Inder!

Ein Bekannter mit super Diplom-Abschluss und drei Jahren Berufserfahrung wollte von seinem derzeitigen Gehalt (IG-Metall-Tarif) nicht abweichen. Er will seid über einem Jahr den Job wechseln, doch die Unternehmen wollen stets bei seinem damaligen Einstiegsgehalt von vor drei Jahren beginnen. Teils bietet man ihm sogar weniger.

Daher schließe ich: Wenn wir Fachkräftemangel hätten, würden die Firmen ordentlich zahlen. Sie würden sich um ihre Bewerber bemühen. Sie würden Absolventen einarbeiten. Sie würden älteren Bewerbern eine Chance geben. All das passiert nicht! Manche Kommilitonen von mir erhalten nicht mal einen Praktikumsplatz, weil auch da jemand gesucht wird, der das schon kann!