Ingenieurkarriere in Baden-Württemberg Roter Teppich für Leistungselektroniker

Leistungselektroniker sind nicht nur für die Erfindung künftiger Elektromobile der Schlüssel, auch Branchen wie Solar- und Windenergie, Bahntechnik oder Antriebstechnik konkurrieren um Absolventen und Fachkräfte. Besonders groß ist die Nachfrage in Baden-Württemberg.

Wie groß, dass kann man an den aktuell gebotenen Gehältern ablesen: „Sie steigen!“ sagt Personalberater Thomas Hegger aus München, der mehrere Suchaufträge „aus dem Bereich ab 10 kW aufwärts“ übernommen hat. Aktuell liegt der „Preis“ für Absolventen der Leistungselektronik bei durchschnittlich 45.000 Euro  bundesweit, in Baden-Württemberg für gute Leute bereits bei bis zu 50.000 Euro. Baden-Württemberg saugt derzeit diese Qualifikation geradezu auf: Schon nach ein paar Jahren, erzählt Hegger, könne ein Ingenieur mit Schwerpunkt Leistungselektronik hier locker 65.000 bis 70.000 Euro mit nach Hause nehmen. Unter diesem Umstand leiden vor allem grenznahe bayerische Unternehmen, die sich an dem Metalltarif Bayern orientieren, der finanziell nicht so lukrativ ist wie der in Baden-Württemberg gültige. „Sie können und wollen oft nicht mehr zahlen und müssen zusehen, wie Bewerber die paar Kilometer mehr in Kauf nehmen und in Baden-Württemberg anheuern!“ sagt Hegger.

Sein Münchner Berater-Kollege Michael Köhler von Schuh-Eder Consulting nimmt das genauso wahr. Er ist auf den Bereich Automotive spezialisiert und hat seine liebe Not mit den Besetzungsaufträgen:  „Leistungselektroniker sind sehr gesucht, der Leidensdruck bei den Unternehmen ist hoch!« Bachelor- Absolventen, die derzeit überlegen, weiterzustudieren, kann er den Master in Leistungselektronik nur ans Herz legen. Von einer Spezialisierung auf Mikroelektronik, früher ein Garant für eine sichere Karriere, rät Köhler dagegen ab. „Die jahrelange Hinwendung der Ingenieure zum Thema ’Mikrocontroller’ führt hier inzwischen fast zu einem Überangebot.“

5 bis 10 Prozent mehr Gehalt könne man mit der Qualifikation „Leistungselektronik“ in großen Ballungsräumen wie Stuttgart im Vergleich zu anderen Ingenieursdisziplinen einstreichen – wenn die Mischung stimmt. Wie die aussieht, versucht seine Kollegin Renate Schuh-Eder aus ihrer Praxis zu verdeutlichen: „Hat einer fünf Jahre Berufserfahrung, davon aber nur ein Jahr in der Leistungselektronik und vorher als ’einfacher Hardware-Entwickler’ gearbeitet, dann wäre ein Gehalt von 70.000 Euro utopisch!“ Andererseits habe sie vor kurzen einen Ingenieur im Interview gehabt, der gerade mal vier Jahre Berufserfahrung vorweisen konnte, dafür aber ausschließlich Leistungselektronik-Applikation. „Er verdiente 75.000 Euro“, so Schuh-Eder. Entwickler verdienen weniger als vertriebsorientierte Funktionen. IG-Metall- Unternehmen oder nicht, Mittelstand oder Konzern,  Fokus auf Sicherheit oder „Schleudersitz“, Digital- oder Analogtechnik: „Das Mosaik aus allem ergibt den ’Marktpreis’!“

Technologieberater und –Dienstleister leiden besonders unter dem derzeitigen Arbeitnehmermarkt. Denn für hohe Gehälter ist die Dienstleistungs-Branche eher nicht bekannt. Altran zum Beispiel will stattdessen mit spannenden Einsatzfeldern punkten. Elektronik und Antriebsstrang gehören zu den Stärken des  französischstämmigen Unternehmens, das seine Ingenieure bei allen deutschen Autobauern im Einsatz hat.  Mittlerweile tummeln sich in manchen Abteilungen neben einer Kernmannschaft bis zu 50 Prozent  Dienstleister- Personal und entwickeln an vorderster Front mit: bei Batteriemanagement oder Gesamtstromnetz im Fahrzeug, die Grenzen zur „Kernkompetenz“ des OEM verschwimmen. Vincent Ohana, Deutschland-Chef von Altran, glaubt, den Grund zu wissen: „Die Kunden haben gar keine Zeit mehr, die Kompetenz langsam im  eigenen Haus aufzubauen: Der Innovationsdruck ist sehr hoch, und es gibt nicht genügend Ingenieure am Markt.“ Altran konkurriert mit seinen Kunden um dieselben Ingenieure. „Wir spielen ganz vorne mit“, verspricht der Franzose und nennt als Beispiel den erst kürzlich auf der IAA präsentierten „All Electric GT“ des spanischen Forschungskonsortiums Quimera, bei dem Altran für das Design und die Entwicklung des elektrischen  Antriebsstrangs verantwortlich ist. Ergebnis ist ein 300 km/h rasender Elektro-Bolide mit einer Beschleunigung auf 100 km/h in 3,5 Sekunden.