Arbeitsmarkt Embedded Systems Metropolregion Nürnberg setzt auf die Embedded-Branche

Der Großraum Nürnberg steht in vielerlei Hinsicht zu Unrecht im Schatten der erfolgsverwöhnten Landeshauptstadt München – zumindest was die Attraktivität für Ingenieure betrifft. Denn bei den Franken kann man hervorragend Karriere machen – vor allem, wenn man auf die Bereiche Technische Informatik und Embedded Systems spezialisiert ist.

Elektroingenieure, Nachrichtentechniker und technische Informatiker, aber auch Physiker und Wirtschaftsingenieure mit speziellen Kenntnissen in C++, Kommunikationsnetzen und -protokollen, digitaler Signalverarbeitung oder Echtzeitsystemen dürften auf der embedded world von Personalern herzlich empfangen werden. Denn der hohe Durchsatz an Innovationen lässt die Embedded-Branche rasant wachsen, zuletzt auf fast 20 Mrd. Euro Umsatz. Allein Kontron aus Eching bei München, wichtiger Spieler im Bereich Embedded Computing, beendete das Jahr 2011 mit einem Rekordumsatz von über 580 Millionen Euro, rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Von solchen Zuwächsen träumen andere Industriezweige.

Doch aller Umsatzrekorde zum Trotz: Die Anforderungen an Ingenieure sind und bleiben hoch, Unternehmen sind anspruchsvoll, was Werdegang, Noten und (Soft) Skills angeht. Erwünscht ist „Schema F“. Das liegt auch daran, dass Personaler in der Regel keine Ingenieure sind und sich fachlich  gerne an ein Raster halten, was das Anforderungsprofil angeht. Wechselwilligen Kandidaten, die nicht unbedingt einem Idealprofil entsprechen, empfehlen Karriereexperten daher, ruhig den Umweg über die Fachabteilungen zu versuchen. Und wo trifft man die hierzulande eher als auf der wichtigsten Messe der Branche, der embedded world in Nürnberg.

Die Messe ist im richtigen Cluster angesiedelt. Denn der Großraum Nürnberg, geadelt als „Europäische Metropolregion“, ist ein Mekka für die IT-Industrie. Mehr als 100.000 Beschäftigte in über 7000 Firmen zählen zur Branche ITK mit Fokus auf Kommunikationstechnik, Software mit Fokus Open Source, Automatisierung und Medizin.

Bei den Patentanmeldungen in diesem Bereich liegt man auf Platz drei in Europa. Seit zwei Jahren gibt es an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die erste Open Source-Professur in Europa. Sie wurde auf Initiative der Open Source Business Foundation (OSBF) eingerichtet, dem europäischen Netzwerk der Open-Source-Branche. Der ortsansässige Linux-Spezialist SUSE finanziert hier eine Doktorandenstelle.  Mit der Gründung des Interdisziplinären Zentrums Embedded Systems Institute (ESI) im Jahr 2010 in Nürnberg, eine Kooperation zwischen der Uni Erlangen-Nürnberg und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, wurde eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung geschaffen.

Denn wenn es darum  geht, Messtechnik, Software und Bildgebende Verfahren in Alltagsgegenstände einzubauen, um sie „intelligent“ zu machen, müssen Hard- und Software am besten gleich von Anfang an co-designed werden, um optimal zu funktionieren. Die Branche wächst stark, denn nahezu alle wichtigen Anwendungsbereiche profitieren von einem eingebetteten System: Automobil, Kommunikationstechnik, Konsumelektronik, Automatisierung oder Medizintechnik.

Auch die wichtigste Leitmesse der Branche, die embedded world, findet in Nürnberg statt. Das Amt für Wirtschaft der Stadt Nürnberg treibt die Entwicklung, getrieben durch einen schmerzhaften Strukturwandel, in allen Zukunftsfeldern voran. So auch im Bereich Embedded Systems und Energietechnik. Eingebettete Systeme sind unverzichtbar für Smart Grids, da sie in zukünftig intelligenten Stromnetzen Energieerzeuger, -verbraucher und -speicher miteinander kommunikativ vernetzen.

Dem Bereich Embedded Systems sind im Großraum Nürnberg rund 1300, fast ausschließlich mittelständische Unternehmen, zuzurechnen. Ein Engagement, das Früchte trägt: Dem Software-Atlas Deutschland 2010 zufolge, der von Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe herausgegeben wurde, zählt die Region Nürnberg heute bereits zu den 9 bedeutenden Standorten für Embedded Software in Deutschland. Der Boom wirkt sich auch auf den Job-Markt aus. Mehr als jedes zweite Unternehmen im Großraum Nürnberg will in diesem Jahr zusätzliche Stellen schaffen.

Embedded Systems sind eine Domäne von klein- und mittelständischen Unternehmen. Neben Großbetrieben wie Leoni, Siemens, Bosch oder Semikron hat zum Beispiel auch der Embedded-Linux-Spezialist Emlix mit Standort in Nürnberg mehrere offene Positionen für Ingenieure. Sepp.med in Röttenbach bei Erlangen (entwickelt Test-Software für medizindiagnostische Geräte, Infusionspumpen oder Beatmungsgeräte) signalisiert laufenden bundesweiten Einstellungsbedarf über die ausgeschriebenen Positionen hinaus. 

Elektrobit Automotive in Erlangen (Navigationslösungen, z.B. ein Software-Tool für Anwendungsentwickler von Fahrerassistenz- und Fahrzeugsicherheitssystemen) hat ebenfalls großen Einstellungsbedarf. Personalreferent Jan Schroer: “Wir suchen bis Ende des Jahres ca. 150 Ingenieure der Fachrichtungen Elektrotechnik, Informatik, Technomathematik, Physik, Mathematik und Nachrichtentechnik. Vor allem im Bereich der Softwareentwicklung sind „noch etliche Positionen offen“, sagt der Firmensprecher.

Stadt und Metropolregion Nürnberg sind auch in Anwendungsbereichen eingebetteter Systeme wie Medizintechnik oder Automationstechnik gut aufgestellt. Allein 180 Medizintechnikunternehmen gibt es im Ballungsraum, mehr als 200 Unternehmen sind im Bereich Automatisierungstechnik tätig. Mehr Infos über, wie man in der Region lebt und arbeitet gibt es unter www.hi-potential.de.