MINT-Berufe Mehr Teilzeit wagen!

Aller Anstrengungen zum Trotz bleiben Frauen in MINT-Berufen eine Minderheit. Experten vermuten, dass das auch an fehlenden Teilzeitangeboten liegen könnte. Etwas mehr Flexibilität würde schon helfen, sagen Gender-Experten wie Prof. Susanne Ihsen von der TU München. Davon würden auch Väter profitieren.

In Diskussionen über Förderung des MINT-Nachwuchses werden Verbands- und Firmenchefs spätestens dann wortkarg, wenn es um Vorschläge wie "Jobsharing" für Ingenieure oder "Führungskräfte in Teilzeit" geht. "Den Beruf des Ingenieurs kann man nicht in Teilzeit machen" lautet meist die stereotype Antwort auf solche "unsachlichen" Vorschläge. Nur: es herrscht Fachkräftemangel! Und die bisherigen Anstrengungen, die bislang ungehobene Reserve  der Frauen  für den Ingenieurberuf zu begeistern, zeigen angesichts der vielen Initiativen bestenfalls geringe Erfolge. Elektrotechnik ist weiterhin eine Männderdomäne.

Dabei zeigen neuere Umfragen unter Absolventen, dass auch Männer Themen wie Worklife-Balance und Familie mittlerweile so ernst nehmen, dass sie Einfluss auf die Arbeitgeberwahl nehmen. Unternehmen dürften also letztlich von einem mehr an Flexibilität profitieren, vor allem wenn sie unter Fachkräftemangel leiden. 

Bei den Frauen zumindest steht der Ingenieurberuf weit hinten, wenn es um die Studienwahl geht. Woran liegt das? Experten vermuten, dass das an fehlenden Teilzeitangeboten liegen könnte. Etwas Bewegung in dieser Frage könnte die "Frauen und MINT"-Diskussion vielleicht voranbringen.

Dabei scheint die Angst vor 20-Stunden-Entwicklern ohnehin unbegründet zu sein: "Die meisten Akademikerinnen, das zeigt unsere Forschungsarbeit, wollen ja gar nicht halbtags arbeiten. Sie wären mit 80 statt 100 Prozent Arbeitszeit und etwas mehr Spielraum bei der Arbeitszeitgestaltung schon sehr zufrieden", berichtet Susanne Ihsen, Professorin für Gender Studies  in Ingenieurwissenschaften an TU München. Und froh, wenn etwas mehr Rücksicht auf die Familienarbeit genommen würde. Oft hat diese noch keinen Stellenwert im Berufsalltag, weil Privatsache. Als Beispiel nennt Ihsen die Planung von Meetings nach der Kernzeit: "Man könnte sie darauf abstimmen,  dass sie für arbeitende Mütter und Väter leichter zu organisieren sind."

Manche Firmen seien da schon recht fortschrittlich, konstatiert Ihsen. Doch es falle vielen, gerade älteren Entscheidern im technischen Bereich oft schwer, sich zu bewegen. Selbst im akademischen Umfeld sei das zu spüren.

Die Statistik untermauert die Forderung, mehr Teilzeit zu wagen. Von den rund 7,9 Millionen Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2010 rund 1,6 Millionen in MINT-Berufen tätig, also in Berufen im Bereich Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik.

Wie das Statistische Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen mitteilt, lag der Frauenanteil bei den MINT-Berufen, die keine akademische Ausbildung erfordern, im Jahr 2010 bei 12,1 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist dieser Anteil um 0,3 Prozentpunkte angestiegen. Dagegen lag der Frauenanteil in den akademischen MINT-Berufen im Jahr 2010 bei 14,0 Prozent.

Hier ist im Vergleich zu 2000 ein Anstieg um 3,3 Prozentpunkte festzustellen. Zum Vergleich: Bei Berufen, die nicht zum MINT- Bereich zählen und die keine akademische Ausbildung erfordern, lag der Anteil der Frauen bei 54,4  Prozent. Bei den akademischen Berufen außerhalb des MINT-Bereichs lag der Frauenanteil hier bei 47,1 Prozent.

Ein Grund für den geringen Frauenanteil bei den MINT-Berufen könnte den Experten zufolge in den begrenzten Möglichkeiten zur Teilzeitbeschäftigung in diesem Bereich liegen: Von den Erwerbstätigen der nicht akademischen MINT-Berufe übten 6,0 Prozent eine Teilzeitbeschäftigung aus, während es bei der entsprechenden Vergleichsgruppe außerhalb der MINT-Berufe ein Drittel (33,2 Prozent) war. In den akademischen Berufen lag die Teilzeitquote in den MINT-Berufen mit 5,7 Prozent unter der von Beschäftigten außerhalb der MINT-Berufe (20,4 Prozent).