Interview mit Elke Eckstein von Globalfoundries »Man(n) hat es mir als Frau oftmals nicht zugetraut«

Elke Eckstein (46) ist seit Jahresbeginn Geschäftsführerin von Globalfoundries Fab 1 in Dresden. "Ich bin durchaus für eine zeitlich begrenzte Frauenquote. Wir würden damit das Ziel, mehr Frauen in technische Führungspositionen zu bekommen, schneller erreichen."
Elke Eckstein (46) ist seit Jahresbeginn Geschäftsführerin von Globalfoundries Fab 1 in Dresden. "Ich bin durchaus für eine zeitlich begrenzte Frauenquote. Wir würden damit das Ziel, mehr Frauen in technische Führungspositionen zu bekommen, schneller erreichen."

Elke Eckstein (46) macht zielstrebig seit 25 Jahren in der Halbleiterbranche Karriere. Seit Jahresbeginn ist sie Geschäftsführerin von Globalfoundries Fab 1 in Dresden, dem Leitstandort des amerikanischen Halbleiterkonzerns Globalfoundries. Was können sich Frauen (und Männer) von Ecksteins Karriere abschauen?

K-Ing.: Frau Eckstein, es gibt nur sehr wenige Frauen in deutschen Chefetagen und nur vergleichsweise wenige Frauen in der Elektronikbranche. Sie sind also in doppelter Hinsicht eine Ausnahme.

Elke Eckstein: Und dennoch überrascht mich, dass mir immer wieder diese Fragen gestellt werden!  Ich fühle mich nicht als Exotin. Die Begeisterung für Technik hatte ich schon immer. Als ich in den 80er Jahren bei Siemens in München in der Halbleitertechnik anfing, war mir die Branche noch sehr fremd. Aber sie faszinierte mich, umso stärker, als sie ein paar Jahre später die Elektronik revolutionierte. Ich hatte außerdem schon früh den Wunsch, Management-Aufgaben zu übernehmen und bis nach ganz oben zu kommen. Dazu habe ich auch schwierige Jobs angenommen, Positionen, die als Herausforderung galten, die kein anderer annehmen wollte.

Können Sie die wichtigen Meilensteine Ihrer Karriere aufzählen?

Ich hatte damals bei Siemens das Glück, einen Mentor gehabt zu haben, der mein Potenzial, meine Neugierde und mein Interesse an Technik erkannt und stark gefördert hatte, noch bevor es entsprechend institutionalisierte Mentoring-Programme gab. Ich hatte viele Freiheiten und erhielt schnell die Chance, ein eigenes Team aufzubauen. So stieg ich rasch die Karriereleiter nach oben bis ins Management auf.

Das klingt nach Bilderbuch-Karriere. Können Sie daraus eine Art Erfolgsrezept für andere Frauen skizzieren?

Das Umfeld war günstig für meine Entwicklung, aber es war eine harte Tour. Denn man(n) hat es mir als Frau oftmals nicht zugetraut. Ich musste mich beweisen, in dem ich Jobs annahm, die kein anderer anfassen wollte, deren Erfolg ungewiss bis aussichtslos war. Dabei zeigte ich Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit. Wichtig für meinen Erfolg waren auch meine Auslandsaufenthalte. Ich denke, vor allem die in Asien und in den USA. Hier sind Frauen in Technik und Management viel selbstverständlicher als bei uns. Das motivierte mich stark. Ich lernte, mich in diesen fremden Kulturen anzupassen und auch durchzusetzen, Probleme auf lokale Art zu lösen. Frauen stecken ihre eigenen Ambitionen oft zurück. Ich aber wollte anerkannt sein, auf gleicher Stufe stehen können wie meine männlichen Kollegen. Dazu sprang ich oft ins kalte Wasser, musste mich oft erst tiefer einarbeiten, mir die notwendigen Kenntnisse selbst aneignen. Deshalb ist mein Halbleiterwissen heute recht breit.

Warum studieren Ihrer Meinung nach immer noch so wenig Frauen Elektrotechnik, trotz diverser Förderprogramme? In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Elektroingenieurinnen angesichts der zahlreichen Anstrengungen nur marginal erhöht.

Die Förderprogramme sind ein wichtiger Beitrag, aber sie werden das Problem, das ein gesellschaftlich-kulturelles ist, nicht lösen. Wir müssen in Deutschland Fördersysteme institutionalisieren: also Frauennetzwerke, intern wie extern, Mentoren, Technik für Mädchen, etc. Allerdings darf das nicht zur bloßen Pflichtübung verkommen. Der Frauenanteil in der Technik wird sich nicht automatisch erhöhen und es geht hierzulande langsamer als in anderen Ländern voran. Die deutsche Technikwelt ist eine Männer-Welt, man muss sich darin als Frau behaupten, das ist kein natürlicher Prozess. Nicht alle Frauen können oder wollen das. Dazu kommt das Problem Vereinbarkeit von Familie und Beruf mitsamt der Kinderbetreuung. Die Herausforderung für uns ist, Frauen und Männern zeitgemäße Angebote zu machen, damit sie ihre beruflichen Ambitionen mit ihrem Familienleben besser in Einklang bringen können. Aber auch da gibt es Grenzen, z.B. durch das Schichtsystem in der Produktion. Hier im Osten haben wir auch den Vorteil,  dass das Angebot an Kinderbetreuung wesentlich größer ist als in den westlichen Bundesländern.

Was sollten Politik und Unternehmen tun, um mehr Frauen in die Elektrotechnik und in Führungspositionen zu bekommen?

Das Beispiel USA zeigt, dass man über die Gesetzgebung und Gleichstellungsprogramme viel erreichen kann. Ich bin auch durchaus für eine zeitlich begrenzte Frauenquote. Wir würden damit das Ziel, mehr Frauen in technische Führungspositionen zu bekommen, schneller erreichen. Das zeigt das Beispiel anderer Länder, etwa Norwegen, die mit solch einer Quote gute Erfahrungen gemacht haben. Zudem müssen wir die Gehälter von Männern und Frauen angleichen, Arbeitszeitmodelle auf die Bedürfnisse von Familien abstimmen, Lehrpläne ändern und die Kinderbetreuung ausbauen. Derzeit haben wir übrigens einige hundert Stellen bei Globalfoundries ausgeschrieben – Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich willkommen.

Eine Frau an der Spitze von Globalfoundries in Deutschland: Wie wird das sichtbar werden für Ihre Mitarbeiter?

Ich führe offener und emotionaler, nehme stärker Anteil. Außerdem bin ich fähig zu multi-tasking, kann gut strukturieren und antizipieren. Zu meinen Stärken zählt es, meinen Mitarbeitern Handlungsspielräume auf Vertrauensbasis zu geben. Ich hoffe, dass ich damit anderen Frauen ein gutes und motivierendes Rollenvorbild bin!

Das Interview führte Corinne Schindlbeck