Schmelzende Margen fressen Qualität auf Lästige Bedenkenträger: Über den schwierigen Job von Qualitätsmanagern

Waren Produkte früher qualitativ hochwertiger als heute? In vielen Fällen ja, sagt Ralph Stömmer vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM). Am Qualitätsmanagement werde heute immer häufiger gespart - zugunsten geringer Kosten und einer beschleunigten Markteinführung. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit sind ein nutzbringendes Werkzeug in Händen guter Qualitätsingenieure.

Autos zählen, neben heimischen PCs, zu den komplexesten Produkten privater Durchschnittshaushalte. Den Statistiken des ADAC zufolge zählen Fehlfunktionen der allgemeinen Elektrik mit zu den häufigsten Pannenursachen. Die Werkstatt »flasht« kurzerhand das neueste Software-Update ins System, danach steht der Wagen wieder zur Abholung bereit. Die genauen Ursachen interessieren nicht. Die Zeiten ändern sich.

Qualität hat ihren Preis – den will sich offenbar keiner mehr leisten. In der Elektronikindustrie, in der Werschöpfungsketten über viele Stationen vom einfachen Dienstleister über Tier2, Tier1, ODMs, EMS, MMS bis hin zum finalen OEM zersplittern, schmelzen Margen dahin: wenige Cent Unterschied können über Geschäftsabschlüsse entscheiden. Soll die Funktionalität erhalten bleiben, kann die Qualität unter die Räder geraten. Funktionalität ist vom Kunden sofort evaluierbar, Qualität nicht.  Denn diese macht sich unter Umständen erst nach Jahren bemerkbar, und dann womöglich nur unter Beanspruchung.

»Run my mess for less«

Wo Qualität nur als Kostenfaktor wahrgenommen wird, lassen organisatorische Maßnahmen und Einsparungen nicht lange auf sich warten: zu den langfristigen Trends gehört, die Verantwortung für Qualitätsfragen an Lieferanten zu übertragen - damit wandert auch die Verantwortung für Produkthaftung und für Kompensation entstandener Schäden und entgangener Gewinne in der Wertschöpfungskette nach unten.