Tarifverhandlungen Metall- und Elektro Kommen im Mai bereits die ersten Warnstreiks?

IG Metall-Vorstand Jörg Hofmann.
IG Metall-Vorstand Jörg Hofmann.

Im Jahr 2020 werden die Gehälter und Arbeitsbedingungen für rund 10 Millionen Beschäftigte in Deutschland neu ausgehandelt. Den Anfang macht die Metall- und Elektroindustrie bereits im Frühjahr, an Konfliktpotential mangelt es nicht.

Gerade die Metallrunde mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten und den deutschen Kernindustrien Maschinenbau und Auto birgt nächstes Jahr viel Konfliktpotenzial. Nach ersten Verhandlungen im März sind bereits im Mai die ersten Warnstreiks zu erwarten. Dabei dürfte die IG Metall erneut ihre für die Betriebe schmerzhaften 24-Stunden-Ausstände auspacken, die ohne vorherige Urabstimmung möglich und mit vollem Streikgeldanspruch für die Teilnehmer verbunden sind. Nach Untersuchungen des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft Köln (IW) steigt die Zahl der bundesweiten Streiktage jeweils in den Jahren deutlich, in denen für die große Metall- und Elektrobranche verhandelt wird.

Rückläufige Produktionszahlen, Stellenabbau und Kurzarbeit bei Herstellern sowie Zulieferern haben die Metaller aber sensibilisiert. Die Beschäftigten sind mehr an sicheren Arbeitsplätzen als an weiteren Arbeitszeitverkürzungen interessiert. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann setzt gegen wirtschaftliche Schwankungen insbesondere auf das Instrument der Kurzarbeit, das eng mit tariflichen Zulagen verzahnt werden soll. Die gewonnene Zeit müsse intensiv für die Fortbildung der Beschäftigten genutzt werden, mahnt er. Eine genaue Forderung will die IG Metall erst im Laufe des ersten Quartals 2020 festzurren.

Die schwächelnde Konjunktur und die stagnierende Arbeitslosigkeit haben bereits 2019 zu niedrigeren Neuabschlüssen geführt. Sie fielen laut WSI mit durchschnittlich 2,5 Prozent spürbar niedriger aus als zuvor. Aus den Jahren zuvor gab es noch Erhöhungen um 3,3 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt wachsen die Nominallöhne seit 2013 kontinuierlich schneller als die Verbraucherpreise, die Beschäftigten können also theoretisch mehr Waren und Dienstleistungen konsumieren. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten für 2020 meist Tarifsteigerungen von unter 3 Prozent.

Trotz sinkender Tarifbindung wird immer noch die Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse von den Abkommen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern beeinflusst. Dem IAB-Betriebspanel 2017 zufolge arbeiten 54 Prozent in Betrieben, die an Flächen- oder Haustarife gebunden sind. Bei knapp der Hälfte der übrigen Beschäftigten orientiert sich das Unternehmen an bestehenden Tarifverträgen, so dass unter dem Strich mindestens drei von vier Beschäftigten in Deutschland nach Tarif oder nahe dran bezahlt werden.