Arbeiten im Idealfall KI soll »Flow«-Zustände am Arbeitsplatz fördern

Nicht nur Künstlerinnen und Künstler haben Schaffensphasen. Auch am Arbeitsplatz können Menschen so in Tätigkeiten aufgehen, dass sie in einen konzentrierten Zustand – den Flow – kommen. Diesen Zustand zu erhalten oder herzustellen, darum geht es in dem vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt 'Kern'.
Nicht nur Künstlerinnen und Künstler haben Schaffensphasen. Auch am Arbeitsplatz können Menschen so in Tätigkeiten aufgehen, dass sie in einen konzentrierten Zustand – den Flow – kommen. Diesen Zustand zu erhalten oder herzustellen, darum geht es in dem vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt 'Kern'.

Wenn Menschen hochkonzentriert in ihren Tätigkeiten aufgehen, dass sie die Zeit vergessen und der Zustand mit Wohlbefinden, Zufriedenheit und gesteigerter Leistungsfähigkeit einhergeht, dann nennt man das Flow. Ein neues KI-Projekt soll diesen Zustand gezielt herbeiführen.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat ein Assistenzsystem entwickelt, das Flow anhand von Herzfrequenz oder Hautleitwert erkennt und Empfehlungen gibt, um ihn nicht zu unterbrechen sondern sogar zu maximieren. Auch Kompetenzen aufzubauen, die Flow fördern, ist ein gemeinsames Ziel der Partner im Projekt Kern (kurz für »Kompetenzen entwickeln und im Zeitalter der Digitalisierung richtig nutzen«). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) fördert das Projekt mit 1,36 Millionen Euro. Es wird vom KIT koordiniert, Projektpartner sind SAP, TÜV Rheinland Akademie, Campusjäger und B. Braun Melsungen.

Um Flow zu fördern, muss man ihn aber erst einmal zuverlässig erkennen. Erst vor kurzem gelang einer Arbeitsgruppe am KIT erstmals die Klassifikation von Flow auf der Basis physiologischer Daten mit einem neuroevolutionären Deep-Learning Ansatz, einer Methode des Maschinellen Lernens.

Im Projekt Kern sollen die Probandinnen und Probanden am Arbeitsplatz Sensoren in Armband oder Brustgurt tragen, die beispielsweise Herzfrequenz oder Hautleitwert messen. Diese physiologischen Daten sind komplexe Muster, die von Person zu Person stark variieren können. Ziel ist es, den Flow-Zustand in Echtzeit zu erfassen und situationsbezogenes Feedback geben zu können. Zum Beispiel E-Mails und Benachrichtigungen störungsfrei zu stellen. Aber es geht noch weiter: Erkennt das System, dass das produktive Arbeiten längerfristig gestört ist, etwa weil die Aufgaben nicht mehr dem Kompetenzprofil der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters entsprechen, soll es Vorschläge zur persönlichen Kompetenzentwicklung machen. Das Projekt Kern konzipiert Bildungsformate sowohl zur Aufgabenbewältigung als auch zur strategischen Personalentwicklung. Diese können von Kurzmeldungen mit Alltagstipps, über einen digitalen Assistenten bis hin zur persönlichen Beratung durch einen menschlichen Experten reichen. Analog zu Navigations-Assistenzsystemen im Auto sollen situationsabhängige Handlungsempfehlungen gegeben werden, zum Beispiel durch den Vorschlag konkreter Lern- oder Arbeitseinheiten. Die finale Entscheidung für die Auswahl liegt jedoch stets bei den Beschäftigten.

Und die Privatsphäre, in die solche Systeme eingreifen? Im Projekt Kern sollen daher auch Lösungen und Leitplanken der sich entwickelnden Technologie ausgelotet werden; in einem gemeinsamen Prozess mit  Belegschaft, deren Vertretung und der Unternehmensleitung. »Ich bin fest davon überzeugt, dass KI-basierte KAS ein großes Potenzial haben, wir müssen sie aber als sozio-technische Systeme begreifen und gestalten«, so Professor Alexander Mädche vom KIT.

Am Ende sollen KI-basierte Assistenzsysteme Mitarbeitern helfen, sich im Arbeitsalltag weiterzuentwickeln und das im Idealfall punktgenau und interaktiv. »Durch die Entwicklung und Erprobung eines KI-basierten Kompetenz-Assistenzsystems betten wir beim Projekt Kern das Erlernen von Kompetenzen direkt in den Kontext der Arbeit ein und stimmen den Inhalt auf die persönlichen Präferenzen des Mitarbeitenden ab«, sagt Jannik Keller, Geschäftsführer und Gründer der Campusjäger GmbH. Moderne KAS, wie sie im Projekt Kern entwickelt werden, sollen damit individuelle Bedürfnisse und Unternehmensziele gleichermaßen berücksichtigen und einen Rahmen schaffen, in dem sich Beschäftigte wirtschaftlich und motiviert weiterbilden und Kompetenzen richtig aufbauen können.