Bachelor und Master Keine Ingenieure »zweiter Klasse«

Unternehmen machen gute Erfahrungen mit Bachelor- und Master-Abschlüssen. Sie haben ähnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie ihre Kollegen mit Diplom.

Das hat eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in Zusammenarbeit mit dem VDI ergeben. Vor allem große Unternehmen sowie forschende und innovative Firmen setzen der Umfrage zufolge auf die neuen Abschlüsse, die seit diesem Jahr zum Standard an deutschen Hochschulen gehören. Bereits 79 Prozent aller Studienangebote sind bereits auf die international vergleichbaren Titel umgestellt, in den Ingenieurwissenschaften sind es sogar 93 Prozent.

Die Absolventenzahlen sind indes noch überschaubar: Zwischen 2000 und 2008 vergaben deutsche Hochschulen 340.000 Ingenieurabschlüsse, davon gerade einmal 3,5 Prozent Bachelor und 5,2 Prozent Master. Von den Unternehmen, die Ingenieure beschäftigen und mehr als 250 Mitarbeiter haben, setzt bereits ein Drittel Ingenieure mit Bachelorabschluss ein.

Insgesamt haben knapp 11 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit Ingenieuren in der Belegschaft bereits Bachelor-Ingenieure eingestellt.
In der Hälfte dieser Unternehmen haben Bachelor- und Master-Absolventen die gleichen Chancen, eine Führungsposition zu erreichen, wie Diplom-Ingenieure. Vom Montagebereich über die Produktion bis hin zum Vertrieb wird den Bachelors und Master eine gute Praxistauglichkeit attestiert. Lediglich in der Forschung stehen die meisten Personaler den neuen Abschlüssen noch reserviert gegenüber.

Bachelor oder Master?

Sollte man als Bachelor-Absolvent noch seinen Master machen, um seine Karrierechancen zu erhöhen? Ein längeres Studium bringe mehr Wissen, argumentieren die Befürworter. Falsch, sagen die Bachelor-Anhänger (knapp die Hälfte der Unternehmen), Bachelor könnten deutlich früher in den Job einsteigen, das sei ein Karriere-Vorteil. Letztlich ist es laut Umfrage für die meisten Betriebe jedoch entscheidender, dass sich der Neuling im Unternehmen bewähre, nur dann seien die Aufstiegschancen günstig.

Unterschiede gibt es noch beim Thema Gehalt. Am Anfang ihrer Karriere verdienen 80 Prozent der Fachhochschul-Bachelors genauso viel wie die FH-Diplom-Kollegen. Nur jedes fünfte Unternehmen bezahlt die Bachelors schlechter. Auch die Master-Absolventen der Fachhochschulen bekommen in den meisten Fällen das gleiche Gehalt wie die Inhaber der FH-Diplome. Ein Großteil der Unternehmen differenziert folglich bei Fachhochschulabgängern nicht zwischen Diplom, Master und Bachelor.

Wer seinen Bachelor dagegen an einer Universität erworben hat, muss zu Beginn mit weniger Geld auskommen als ein Uni-Master oder Diplom-Ingenieur. Nur in knapp der Hälfte der Unternehmen erhält ein Uni-Bachelor das gleiche Einstiegsgehalt wie ein Diplom-Absolvent. In der Regel betrachten Personaler eher Master und Diplom als ebenbürtig.

Nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung sieht es schon anders aus: Die Uni-Bachelors haben aufgeholt – in gut 81 Prozent der Unternehmen bekommen sie das gleiche Gehalt wie die Diplom-Ingenieure. Und in rund 10 Prozent der Unternehmen verdienen FH-Bachelors sogar besser als die FH-Diplomierten. Diese Ergebnisse der IW-Umfrage werden von einer VDI-Auswertung noch gestützt: Im Jahr 2008 lagen die Einstiegsgehälter von Diplom-Ingenieuren lediglich 8 Prozent über denen der Bachelor-Ingenieure. Bei berufserfahrenen Fachkräften schrumpfte die Lücke auf 6 Prozent. VDI und IW Köln haben für ihre Untersuchung 1.753 Unternehmen befragt.