Vor allem Personalführung ist nicht "jeden Ingenieurs Sache" Karriereschritte in Richtung Führungsetage: Was muss man da können?

Stefan Bald ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner in Bruchsal
Stefan Bald ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner in Bruchsal

Junge Ingenieure sollen heute auch über das nötige betriebswirtschaftliche Know-how verfügen, vor allem, wenn sie Leitungsfunktionen anstreben. Kein Problem, das kann man sich aneignen. Schwerer fällt ihnen aber oft das Führen von Mitarbeitern – denn das ist wesentlich schwerer zu lernen.

Sicherlich, es gibt Ingenieure, die es auf der Karriereleiter ganz nach oben geschafft haben. Peter Bauer von Infineon ist so ein Beispiel, oder auch Norbert Reithofer von BMW. Sehr viele Ingenieure bleiben jedoch auf der Fachlaufbahn, häufig aus Eigeninteresse, weil sie nicht für Mitarbeiter verantwortlich sein wollen. Doch nicht nur deshalb findet man auf den oberen Sprossen der Karriereleiter meist Betriebswirte und Juristen, wie Prof. Dr. Karl-Müller Siebers, Präsident der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) Hannover betont. Die obersten Firmenlenker trauen den Ingenieuren das Leiten größerer Unternehmensbereiche oft auch schlichtweg nicht zu – unter anderem, weil ihnen im Studium kaum betriebswirtschaftliches Know-how vermittelt wurde. Auch in das Einmaleins der Personalführung wurden sie nicht eingeführt.

»Diese Zeiten sind vorüber«, betont Stefan Bald, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal. Denn viele Firmen haben erkannt: »Wenn wir uns am Markt behaupten wollen, müssen wir unseren Kunden innovative Problemlösungen bieten. Also müssen in unserer oberen Führungsetage auch Leute mit technischem Sachverstand sitzen.« Auch zum Abschätzen, inwieweit sich Geschäftsprozesse effektiver gestalten lassen, sei meist technisches Know-how nötig.

Deshalb gelangen seit einigen Jahren mehr Ingenieure, aber auch Naturwissenschaftler und IT-Experten in die oberste Etage der Unternehmen. Und diese Entwicklung werde sich fortsetzen – da ist sich Stefan Bald gewiss. Das zeige ein Blick auf die Zusammensetzung der Förderkreise für den Führungsnachwuchs in den Unternehmen. »Dort sind heute mehr Ingenieure als früher vertreten.«

Dessen ungeachtet stellt die Übernahme einer Führungsposition meist einen tiefen Einschnitt in der beruflichen Laufbahn von Ingenieuren dar, weiß Julia Voss, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Voss+Partner, Hamburg: »Denn als Fachkraft war vor allem ihr technisches Know-how gefragt. Als Führungskraft hingegen müssen sie eher Generalisten als Spezialisten sein.« Denn Führungskräfte müssen ihren Bereich mit und zum Erfolg führen. Das setzt ein breiteres Wissen als eine Fachfunktion voraus.

Personaler aus der Elektronikbranche betonen immer wieder, wie wichtig betriebswirtschaftliches Know-how sei. Schon um die Marktchancen einer  Innovation beziffern zu können. Die Anforderung steigt mit der Verantwortung:  Ein Bereichsleiter muss auch Kostenrechnungen erstellen und betriebswirtschaftliche Kennzahlen interpretieren können. »Bereichsleiter brauchen aber auch juristisches Know-how«, weiß Julia Voss, »und zwar nicht nur in personalrechtlichen Fragen.«

Das Fehlen dieses Know-hows bereitet Ingenieuren in der Startphase als Führungskraft oft Kopfzerbrechen – »aber meist nicht lange«, betont Prof. Dr. Müller-Siebers. »Denn in den meisten technischen Studiengängen wird den Studierenden heute auch ein betriebswirtschaftliches und juristisches Basiswissen vermittelt.« Und was noch fehlt? Das können sich die jungen Ingenieure meist schnell mit Büchern oder – was Personalverantwortlichen oft schon langen würde - durch regelmäßiges intensives Zeitungsstudium aneignen. »Denn hierbei handelt es sich weitgehend um Faktenwissen.«