Kommentar Ingenieure, raus an die Schulen!

Corinne Schindlbeck, Redakteurin Markt&Technik
Corinne Schindlbeck, Leitende Redakteurin, Markt&Technik.

Können wir uns im Fach E-Technik Abbruchquoten von 58 Prozent, davon allein 70 (!) Prozent an Fachhochschulen, erlauben? Was jetzt zu tun ist.

Deutschland braucht laut VDE-Berechnungen in den nächsten zehn Jahren 100.000 Elektroingenieure mehr, als derzeit im Lande ausgebildet werden. Tendenz steigend. Das sind die aktuellen Zahlen. Der VDE hat sie vergangene Woche zum Start seines »Tec Summits« in Berlin bekannt gegeben.

Der VDE warnt in aller Deutlichkeit vor einem »nie da gewesenen Ingenieurmangel«, der sich durch die anstehenden Aufgaben (Digitalisierung, 5G, IoT, KI) noch mal drastisch verschärfen werde. Und Besserung ist nicht in Sicht: »Die immer noch steigenden Schwundquoten verschärfen das Problem in unserem Fach erheblich«, Bologna sei »wirkungslos« geblieben, klagt VDE-Präsident Dr. Gunther Kegel.

Konkrete Gründe für die hohen Abbruchquoten konnte der VDE auf Nachfrage leider nicht nennen. Vermutungen allerdings schon: »Der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern, allen voran Mathematik, muss in den Schulen flächendeckend verbessert werden«.

Erfahrungsgemäß wird das nicht schnell gehen, da ist das “Fachkräfteeinwanderungsgesetz", das die Bundesregierung am 19. Dezember im Kabinett verabschieden will, zumindest ein Lichtblick.

Kurzfristig müssen aber auch Verbände, (Schul-)Politik und auch Unternehmen selbst das Thema MINT-Nachwuchs beherzter angehen. Technik-Begeisterung zu fördern muss früh ansetzen, idealerweise im Kindergarten, mindestens aber in der Grundschule.

Es ist ein bildungspolitisches Versagen, dass – Beispiel Bayern - an den Grund- und Mittelschulen die Lehrer an allen Ecken und Enden fehlen. So viele, dass Lehrerfortbildungen abgesagt werden, Projekte wie »Klimaschule« nicht stattfinden können, Förderunterricht für schwächere Schülerinnen und Schüler entfällt, weil die Ergänzungskräfte die Lehrerversorgung sicherstellen müssen. AGs in den Regelklassen zum Thema »Technik erleben«? Vergessen Sie es! Fachkräfte dafür sind Mangelware.

Es wird Zeit, dass Unternehmen die versprochene Qualitätsoffensive an bayerischen Schulen einfordern. Und parallel selbst mit anpacken: Bei den meisten erschöpft sich das Engagement in Sachen Nachwuchsförderung mit der Teilnahme am Girls’ Day – das reicht nicht mehr.

Daher mein Rat: Gehen Sie raus an ihre örtliche Schule, suchen Sie das Gespräch. So manche Leitung wäre dankbar, würde ein externer Ingenieur mit einem Baukasten vorbei kommen und das vorhandene Bildungsangebot um ein Neigungsangebot „Technik erleben“ erweitern.