Soft Skills sind wichtiger als fachliche Kompetenz Ingenieur+Master=Job!

Hochqualifizierte Nachwuchstalente mit guten Soft Skills, sog. „High Potentials“, können sich den Arbeitgeber derzeit aussuchen. Laut einer neuen Studie von Kienbaum können mehr als zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland nicht alle Wunschkandidaten für sich gewinnen.

Arbeitgeber konkurrieren immer stärker um die besonders begehrten „High Potentials“, also besonders gut ausgebildete und fähige Absolventen. Doch die sind rar. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland können deshalb bis zu 25 Prozent ihrer Wunschkandidaten nicht für sich gewinnen, ergab die Studie „High Potentials 2010/2011“. Dazu hat die Managementberatung Kienbaum rund 530 deutsche und 60 österreichische Unternehmen befragt. Besonders wenige Talente gibt es für die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie IT – sowohl in Österreich als auch in Deutschland.

73 Prozent der deutschen und 87 Prozent der österreichischen Unternehmen planen, im kommenden Jahr bis zu 15 High Potentials einzustellen, etwa für Marketing und Vertrieb, im Controlling und in der strategischen Unternehmensführung. Absolventen der Ingenieurwissenschaften mit einem Mastertitel von einer Universität haben in Deutschland sogar große Chancen auf einen Direkteinstieg in den Beruf: Fast sämtliche befragte Unternehmen suchen Bewerber mit diesem Abschluss.

Um im Arbeitgeber-Wettbewerb zu bestehen, gewähren die Unternehmen dem wertvollen Personal nicht ganz uneigennützig vor allem interne Weiterbildungsmöglichkeiten wie Fach- oder Persönlichkeitstrainings, herausfordernde Aufgaben und Verantwortung. Vor allem auf die  Persönlichkeit legen die Unternehmen besonders viel Wert. „Eigenmotivation und Zielorientierung sind Attribute, die ein Nachwuchstalent unbedingt mitbringen sollte“, sagt Erik Bethkenhagen von Kienbaum. Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen stufen die Eigenmotivation als wichtiges Persönlichkeitsmerkmal ein. Weniger wichtig ist den Personalern hingegen, dass die High Potentials besonders mobil sind: Nur rund 20 Prozent fordern dies von potenziellen Bewerbern.

Auch Praxiserfahrung sowie Fach- und Methodenkompetenz sind gefragte Qualifikationsmerkmale: Alle österreichischen Unternehmen verlangen von ihren High Potentials, dass sie Praxiserfahrung in Praktika gesammelt haben, während zwei Drittel der deutschen Unternehmen Fach- und Methodenkompetenz wertschätzen. Deutsche und österreichische Unternehmen messen hingegen dem Ansehen von Universitäten oder Fachhochschulen deutlich weniger Bedeutung bei.

High Potentials mit einer abgeschlossenen Promotion führen das Ranking der Spitzenverdiener bei den Berufseinsteigern an: In Deutschland haben Promovierte ein durchschnittliches Jahreseinstiegsgehalt von 52.000 Euro,
8.500 Euro mehr als in Österreich. Im Schnitt verdienen Universitätsabsolventen in beiden Ländern bis zu 3.000 Euro mehr im Jahr als vergleichbare Studienabgänger von Fachhochschulen. In Deutschland sind Absolventen der Rechtswissenschaften mit 44.500 Euro Jahreseinstiegsgehalt die Topverdiener, während es in Österreich die Natur-, Technik- und Ingenieurwissenschaftler mit 41.500 Euro Jahresgehalt sind.

Vergleicht man die Einstiegsgehälter der verschiedenen Funktionsbereiche eines Unternehmens, liegen die Gehälter in Österreich in einigen Abteilungen durchschnittlich niedriger als in Deutschland. Auch je nach Art des Berufseinstiegs variiert das Gehalt: Trainees erhalten beispielsweise das geringste Einstiegssalär. In Deutschland sind es im Schnitt 38.500 Euro, in Österreich nur 34.250 Euro. Zusätzlich zu den Gehältern bieten die Unternehmen High Potentials in beiden Ländern häufig eine arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersversorgung und weitere Versicherungen. Firmenwagen werden den Nachwuchstalenten jedoch nur selten gewährt: Fünf Prozent der österreichischen und zehn Prozent der deutschen Unternehmen bieten Firmenwagen zur dienstlichen Nutzung an.

„Private Gründe, fehlende Aufstiegschancen und Karrieremöglichkeiten sowie Abwerbung sind die häufigsten Gründe, weshalb High Potentials ein Unternehmen verlassen“, sagt Bethkenhagen.