Start-ups und Mittelstand »In Sachen Innovation ein Sorgenkind«

Wie können Start-ups und Mittelständler profitieren? Das wurde unter anderem diskutiert auf der Veranstaltung 'Deutschland deine Gründer - Exit oder neuer Mittelstand?', organisiert von politik-neu-denken.de.
Wie können Start-ups und Mittelständler profitieren? Das wurde unter anderem diskutiert auf der Veranstaltung 'Deutschland deine Gründer - Exit oder neuer Mittelstand?', organisiert von politik-neu-denken.de.

Wie transformiert man Unternehmen rechtzeitig, bevor das einst erfolgreiche Geschäftsmodell nicht mehr greift? Und wie können Start-ups dabei helfen? Das war Thema einer Veranstaltung am Center for Digital Technology & Management (CDTM), der Elite-Schmiede für Start-ups an der TU München.

Ist der Mittelstand das Sorgenkind bei Innovation und Digitalisierung? Warum liegt Deutschland in Sachen Gründer-Mentalität nur vor Pakistan? Der Status Quo in Deutschland: etablierte Firmen und Gründern arbeiten nur selten zusammen, geschweige denn dass gar von einer Institutionalisierung gesprochen werden könnte.

Vorbehalte und Zweifel sind auf beiden Seiten noch groß.

Diese abzubauen und »neu zu denken«, ist Mission von Start-up- und Innovationsexperte Christopher Meyer-Mölleringhof, der die Diskussionsrunde »Deutschland deine Gründer – Exit oder neuer Mittelstand?« in München organisiert hat und als Mittler zwischen beiden Welten fungieren möchte.

Mit dabei: Johannes Bischof, Deutschland-Chef von Konica Minolta, das im vorigen Jahrhundert mit Kameras noch einen Massenmarkt bedient hatte und heute auf andere Geschäftsfelder setzt. 

Folgende Thesen zieht Österreicher Bischof heran, um zu erklären, warum sich etablierte Unternehmen mit Disruption so schwer tun. Nummer eins: man fokussiert sich auf Senior Management Ebene zu lange auf etablierte Kunden, anstatt Zeit und Ressourcen für Neukunden zu spendieren. Und Nummer zwei: eingefahrene organisationale Routinen und Prozesse, in denen man als Unternehmen schwerfällig »verfangen« sei.

Beispiel: 2012 meldete der ehemalige Marktführer Kodak Insolvenz an, das einst so lukrative Geschäft mit analogem Filmaterial war endgültig zu Ende. Wie konnte es so weit kommen? Weil das Management die folgenschwere Entscheidung getroffen hatte, »keine signifikanten Ressourcen für digitale Technologien aufzuwenden«, erzählt Johannes Bischof dem Publikum aus Gründern und Studenten.

Konica Minolta trennte sich 2007 vom Foto- und Kamera-Geschäft und richtete sich neu aus: Der Radar für künftige Innovationen erstreckt sich heute auf die Gebiete Sensorik und Automation (u.a. Predictive Maintenance), Services rund um den Digital Workplace, Healthcare und Business Technologies (u.a. 3D-Druck).  

An Geschwindigkeit wurde zugelegt: Neue Ideen werden heute im Business Innovation Centre (BIC) mit Hauptsitz in London und Dependancen in Singapur, Shanghai, Tokio und Silicon Valley aufgegriffen, zum Businessplan weiterentwickelt und gemeinsam mit Kunden getestet. 

Ideen, wie sie am CDTM nach US-amerikanischem Vorbild entwickelt werden. Ein Start-up-Partner von Konica Minolta ist zum Beispiel Navvis, das ein Indoor-Navigationssystem zur Zentimeter-genauen Vermessung innerhalb von Gebäuden entwickelt hat und dessen Gründer am Center for Digital Technology & Management (CDTM) ausgebildet worden waren, der Start-up-Schmiede der TU München. Genauso wie Konux, die heute der Deutschen Bahn bei der Digitalisierung helfen.