Rekordzahl statt Schwund Immer mehr Erstsemester in Deutschland

Wer hat Angst vor Fachkräftemangel? Die Bologna-Reform führt einem Bericht zufolge dazu, dass immer mehr Menschen ein Studium aufnehmen. Auch ohne Abitur ist dies inzwischen in allen Bundesländern möglich. Der Dipl.-Ing. als klassischer Abschluss ist am Verschwinden.

Die nächste Bologna-Ministerkonferenz findet am 26. und 27. April in Bukarest statt. Zur Vorbereitung wird der Bundestag demnächst einen Bericht erhalten, wie die Umsetzung der Studienreform in Deutschland voranschreitet.  Der Bericht wurde von der Bundesregierung  und der Kultusministerkonferenz (KMK) unter Mitwirkung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), des Akkreditierungsrates, des „freien zusammenschlusses von studentInnenschaften (fzs)“ und den Sozialpartnern erstellt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bereits 85 Prozent der über 15.000 Studiengänge sind auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Vor drei Jahren lag der Anteil noch bei 75 Prozent.
  • Die Auslandsmobilität der Studierenden steigt - rund jeder dritte Absolvent kann mittlerweile einen studienbezogenen Aufenthalt im Ausland vorweisen. Bei mehr als einem Viertel betrug dieser Aufenthalt mindestens drei Monate.
  • Die „Durchlässigkeit des Bildungssystems“ hat zugenommen. So ist heute in allen Bundesländern der Zugang an die Hochschule auch ohne Abitur möglich - etwa für Meister, Techniker und Fachwirte.
  • Der Bericht zitiert Studien, denen zufolge Bachelor- und Masterabsolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. So habe eine Befragung von Bachelorabsolventen der Jahrgänge 2007 und 2008 ergeben, dass eineinhalb Jahre nach ihrem Abschluss nur 4 Prozent der Absolventen von Universitäten und 6 Prozent von Fachhochschulen ohne Erwerbstätigkeit waren. Eine aktuelle Absolventenstudie des HIS-Instituts für Hochschulforschung bestätige diesen positiven Trend. Für den Absolventenjahrgang 2009 habe die Arbeitslosenquote der Bachelorabsolventen 12 Monate nach ihrem Abschluss bei 3 Prozent von Fachhochschulen und 2 Prozent von Universitäten gelegen. Sie sei damit sogar geringer als die Arbeitslosenquote für Absolventen mit traditionellen Abschlüssen.
    Entwarnung für den Bachelor also? Zumindest als Physiker scheinen die mittleren Abschlüsse nicht so gerne gesehen: einem Bericht der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zufolge tun sich Physik-Bachelor schwer, einen Job zu finden.
  • Rekord-Zahl an Studenten: Nie zuvor haben in Deutschland mehr Menschen ein Studium aufgenommen. 2011 wurde der vorläufige Höchststand mit 515.800 Studienanfängern erreicht.