Führungkräfte und Industrie 4.0 Hohe Erwartungen an gesellschaftlichen Nutzen

Industrie 4.0 - Was heißt das eigentlich?

Treiber in Richtung Industrie 4.0: Die Unternehmensberatung Deloitte hat weltweit über 2.000 Führungskräfte befragt und vier erfolgreiche Führungstypen gebildet: »Social Supers«, »Data-driven Decisives«, »Disruption Drivers« und »Talent Champions«.

Der neue Deloitte-Report weist mit Blick auf Industrie 4.0 insbesondere auf vier Herausforderungen hin, die die befragten Führungskräfte auf C-Level angaben: Hohe Erwartungen an gesellschaftlichen Nutzen, die Entwicklung strategierelevanter Entscheidungsprozesse, die Zurückhaltung beim Einsatz neuer Technologien sowie den Kampf um Talente. Manche Führungskräfte kommen mit diesen Herausforderungen besser zurecht als andere, Deloitte hat sie in der Studie in vier Gruppen eingeteilt:

Social Supers: der Gesellschaft nützen – weil die Kunden es erwarten

Führungskräfte, die es schaffen, soziale Verantwortung umzusetzen und zugleich profitabel zu machen, bezeichnet der Deloitte-Report als Social Supers. Auf die Frage nach den wichtigsten Faktoren zur Bewertung der jährlichen Entwicklung ihrer Unternehmen nannten 34 Prozent der weltweit befragten CXOs an erster Stelle »gesellschaftliche Auswirkungen« – jeweils nur 17 Prozent klassische Faktoren wie »finanzielle Performance« oder »Mitarbeiterzufriedenheit«. Zudem gaben 73 Prozent an, im Vorjahr Produkte oder Services mit dem Ziel eines positiven Effekts für die Gesellschaft oder Umwelt entwickelt zu haben. Der soziale Faktor spielt somit eine große Rolle – in Deutschland mit 45 Prozent noch stärker als international mit 34 Prozent. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind vor allem die Kunden- und Mitarbeitererwartungen, die Unternehmenskultur sowie ein konkreter Wettbewerbsdruck.

Data-driven Decisives: strategierelevante Entscheidungsprozesse

Unternehmenslenker, die einen systematisch-analytischen Ansatz zur Entscheidungsfindung nutzen, werden von Deloitte als Data-driven Decisives bezeichnet. Mit ihrer Vorgehensweise sind sie profitabler als der Durchschnitt: 46 Prozent der von Data-driven Decisives geführten Unternehmen erzielten im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von 5 Prozent oder mehr – das schaffte nur ein Viertel der anderen Unternehmen.

Um das Potenzial von Industrie 4.0 zu nutzen, müssen Führungskräfte Innovationen entwickeln und neue Geschäftsfelder erschließen können. Die entsprechenden Entscheidungsprozesse sind allerdings laut Studie häufig noch unzureichend definiert und etabliert. In Deutschland ist die Zahl derer, die über solche Prozesse bereits verfügen, noch kleiner (17%) als international (29%). Zudem werden in Deutschland mehr Stakeholder in die Entscheidungsfindung einbezogen (23% vs. 20%), aber weniger Daten analysiert (12% vs. 17%). Ein grenzübergreifend wichtiges Element ist die Überwindung des Silo-Denkens: Bei rund 60 Prozent sämtlicher Studienteilnehmer konzentriert sich das Know-how immer noch auf wenige, oft separat agierende Kompetenzträger.
 
Disruption Drivers: mit neuen Technologien

Die Disruption Drivers investieren in neue Technologien und erweitern damit bewusst ihr Geschäftsfeld, sehen besonders optimistisch in die Zukunft und erzielen bereits erste Erfolge mit diesem Ansatz. Die Mehrheit setzt jedoch laut Studie – wie im Vorjahr – eher auf den Ausbau existierender Lösungen. In der Studie sagten doppelt so viele Führungskräfte, dass sie eher in Industrie-4.0-Technologien investieren, um sich vor Disruption zu schützen, als mit dem Ziel, in ihren Märkten selbst zu Disruptoren zu werden (67 gegenüber 33 Prozent). Intensiv diskutiert werden indes die ethischen Implikationen neuer Technologien, an Ergebnissen und Konsequenzen mangelt es vielerorts noch. In Deutschland spielt die Frage, ob Wettbewerber neue Technologien unfair einsetzen könnten, eine geringere Rolle als international (14% vs. 25%) – über entsprechende Policies verfügen auf beiden Ebenen nur 11 bzw. 12 Prozent.

Talent Champions: »soft« oder »hard« Skills?

Zwei Drittel der Führungskräfte bevorzugen laut Umfrage technische, ein Drittel Soft Skills. Talent Champions halten die »weichen« Qualifikationen für wichtiger und haben sich mit Blick auf ihr Personal darauf vorbereitet – auch und vor allem durch entsprechende Weiterbildungsprogramme. Dabei herrscht bei deutschen und internationalen Teilnehmern (58% bzw. 55%) Einigkeit darüber, dass die heutigen Fähigkeiten nicht diejenigen sind, die morgen benötigt werden. Auch sei zahlreichen Unternehmen sei inzwischen klar geworden, dass ihre bisherigen Bemühungen um Nachwuchsgewinnung nicht genügen. Über die benötigten Qualifikationen herrscht laut Studie oft noch Unklarheit – international noch mehr als in Deutschland (37% vs. 32%).

»Bemerkenswert ist, dass sozialen Fragen ein solches Gewicht beigemessen wird – in Deutschland noch mehr als anderswo«, sagt Thomas Döbler, Partner und Leiter Manufacturing bei Deloitte, zu den Ergebnissen. Im Deloitte-Report »Success Personified in the Fourth Industrial Revolution« wurden weltweit über 2.000 Führungskräfte auf C-Level zu den Chancen und Herausforderungen von Industrie 4.0 befragt.