Mitarbeiter Gesundheitsmanagement 4.0

<p>Thomas Kirchner will mit seinen zwei Partnern das Gesundheitsmanagement modernisieren.</p>
Thomas Kirchner will mit seinen zwei Partnern das Gesundheitsmanagement modernisieren.

Thomas Kirchner verleiht dem betrieblichen Gesundheitsmanagement einen neuen, modernen Anstrich. Das Unternehmen Senseble kombinierte eine App mit gesundem Essen und individueller Beratung.

Markt&Technik: Sie wollen das Gesundheitsmanagement revolutionieren - warum?
 
Thomas Kirchner:
Wir haben viele Jahre in Anstellung im betrieblichen Gesundheitsmanagement gearbeitet. Dabei haben wir Einblick in die Gesundheitsprogramme zahlreicher Unternehmen bekommen und gemerkt, dass das Thema Gesundheit in vielen Unternehmen sehr technisch angegangen wird. Zentrum ist häufig ein Arbeitskreis Gesundheit. Dieser analysiert, dokumentiert, plant, evaluiert und managet die Gesundheit der Mitarbeiter auf viele Arten.

Diese zahlreichen strukturgebenden Aufgaben des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind zwar wichtig, stellen jedoch gleichzeitig auch eine Gefahr für das Gesamtprojekt "betriebliche Gesundheit" dar. Denn in der Praxis findet das Gesundheitsprogramm dann mehr und mehr in strategischen Planungsrunden statt und verliert den direkten Austausch mit den Mitarbeitern und damit auch das Interesse der Mitarbeiter aus den Augen.

So kam es schon auch mal vor, dass ein Unternehmen ein Fitnessstudio gebaut hat, das von den Mitarbeitern nicht genutzt wurde. Und hier liegt das Problem vieler Gesundheitsprogramme: sie werden von den Mitarbeitern einfach nicht so recht angenommen. herkömmliche betriebliche Gesundheitsmanagementprogramme erreichen im Schnitt allgemein nur 30 % der Belegschaft. Und genau das wollten wir ändern.
 
Betriebliches Gesundheitsmanagement klingt langweilig, warum kann es spannend sein?
 
Wir wollten von Beginn an ein Gesundheitsprogramm für Unternehmen entwickeln, das sich vor Teilnehmern kaum retten kann. Wir wollten weg von dem klassischen verstaubten und behäbigen betrieblichen Gesundheitsmanagement und wollten ein frisches und dynamisches Gesundheitsprogramm entwickeln, das die Mitarbeiter lieben. Aber wie entwickelt man einfach mal so etwas, das die Mitarbeiter lieben?

Wir hatten nur eine Option das herauszufinden. Wir mussten eng mit eben diesen Mitarbeite in den Austausch gehen. Und deshalb haben wir uns nicht einfach in unserem Büro eingeschlossen und uns etwas ausgedacht. Wir haben zur Entwicklung unseres Programms die Nähe zu und den Austausch mit unseren Kunden gesucht. Wir haben sie gefragt, was sie sich von einem Gesundheitsprogramm wünschen würden, wenn sie es selber vollkommen frei für ihre Lebenssituation gestalten könnten. Aus kurzen Interviews wurden halbe Workshops. Und so fügte sich unsere jetzige Version von Senseble Stück für Stück zusammen.
 
Wie sieht Ihr Ansatz aus?
 
Schon immer betreuen wir die Mitarbeiter unserer Kunden vor Ort. Ein oder zwei unserer Gesundheitsberater sind dabei in einem regelmäßigen Rhythmus immer für ganze Tage vor Ort im Unternehmen. In der Regel zwischen ein und vier Tagen pro Monat. Im Unternehmen unterscheiden wir in Einzel- und Gruppentermine. Die Einzeltermine finden unter vier Augen statt und bilden einen sehr vertrauten Rahmen für alle persönlichen Anliegen. Hier starten wir oft mir kurzen Standortanalysen. Das sind kurze aber hochwertige Gesundheitschecks wie zum Beispiel eine Körperzusammensetzungsanalyse, die sehr genau den Muskel- und Fettanteil des Körpers bestimmt oder einen "Stresstest", der die Entspannungsfähigkeit des Körpers abbildet. Auf Grundlage des Erstgesprächs legen gemeinsam mit dem Mitarbeiter Ziele fest und erstellen einen individuellen Plan.

Die Gruppenveranstaltungen finden natürlich in der Gruppe statt. Wir machen hier einfach alles, was den Leuten Spaß macht. Kochevents, gemeinsame Trainings, kurze Meditationseinheiten, ganz kurze bewegte Pausen kleinen Spielen. Gerne gehen wir für die Einheiten auch mal raus in den Park.

Die Betreuung vor Ort unterstützen wir mittlerweile stark durch die Entwicklung unserer eigenen App. Da wir bei den meisten Kunden nur etwa ein bis vier Tage pro Monat direkt vor Ort sind, gab es zwischen den Präsenztagen Betreuungslücken, in denen die Mitarbeiter wieder auf sich alleine gestellt waren. Wir wollten unser Gesundheitsprogramm aber unbedingt immer und überall verfügbar machen. Folglich planten wir einen großen Teil unserer ersten Einnahmen für unsere eigene App ein. Mit Softwareentwicklern, die an der TU München angestellt sind, haben wir Mitte 2015 mit der Entwicklung begonnen. Das letzte Quartal 2015 wurde getestet und jetzt Anfang 2016 steht die App bei Apple und Goolge in den App Stores zum Download bereit und die ersten Erfahrungen zeigen, dass unsere Kunden die Kombination aus persönlicher und digitaler Betreuung lieben.